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Hüftfrakturen Stabilere Knochen durch Proteine und Kalzium?

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Kalzium und Proteine können auch auf natürlichem Wege durch z. B. Milchprodukte zu sich genommen werden. Kalzium und Proteine können auch auf natürlichem Wege durch z. B. Milchprodukte zu sich genommen werden. © iStock/bit245
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Es müssen nicht gleich immer Supplemente in Tablettenform sein. Wer seinen Kalziumhaushalt im Alter mit Milchprodukten in Form bringt, verhindert Stürze und Frakturen.

Insbesondere Hüftfrakturen fesseln Senioren oftmals dauerhaft ans Bett, denn die Knochen werden nicht jünger, sondern weniger – so die wörtliche Bedeutung von „Osteopenie“. Und die Immobilität zieht im schlimmsten Fall Konsequenzen nach sich wie Thrombosen oder eine Lungenentzündung. Also bei Patienten Ü70 direkt Medikamente geben, die den Knochenabbau aufhalten? Nein, sagen Dr. Sandra Iuliano, Abteilung für Innere Medizin und Endokrinologie, Universität Melbourne, und Kollegen: Oft tut es auch ein Blick in die Küche, vorausgesetzt, der Vitamin-D-Haushalt stimmt.

Milch, Joghurt und Käse als Supplemente

Die Forscher bezogen 60 Seniorenheime mit knapp 7.200 Bewohnern (zwei Drittel Frauen, Durchschnittsalter 86 Jahre) in ihre Studie ein. Bedingung war: Der Speise­plan enthielt täglich nur 600 mg Kalzium und weniger als 1 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Anschließend wurden die Einrichtungen randomisiert aufgeteilt: In Heimen der Gruppe 1 gab es jeden Tag zusätzlich 250 ml Milch plus 20 g Käse oder 100 g Joghurt, das hob die tägliche Zufuhr auf insgesamt 1.142 mg Kalzium und 69 g Eiweiß (etwa 1,1 g/kgKG) an. In Heimen der Gruppe 2 blieb alles beim Alten.

Häufigkeit von Frakturen um ein Drittel gesenkt

27 Heime in Gruppe 1 und 29 in Gruppe 2 blieben bis zum Ende dabei. Und tatsächlich, die protein- und kalziumreiche „natürliche Nahrungsergänzung“ hatte bereits nach etwa einem Jahr die Häufigkeit von Knochenbrüchen insgesamt um ein Drittel gesenkt (121 vs. 203) und das Risiko einer Hüftfraktur sogar fast halbiert (HR 0,54). Dazu kamen 11 % weniger Stürze, die Hauptursache für Frakturen. Die Gesamtsterblichkeit blieb unverändert.

Die Diätumstellung vertrugen die Senioren gut, besondere Magen-Darm-Beschwerden traten nicht auf. In einer Untergruppe von Heimbewohnern hatten die Mediziner außerdem biochemische und strukturelle Veränderungen der Knochen im Verlauf der Studie untersucht. Knochendichte oder Marker des Knochenauf- bzw. -abbaus sprachen, wenn Unterschiede auftraten, für die Intervention. Allerdings erhöhte die Umstellung auch die IGF-1-Spiegel etwas.

Quelle: Iuliano S et al. BMJ 2021, 375: n2364; DOI: 10.1136/bmj.n2364

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