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Coronainfektion Taub durch COVID-19

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Letztlich konnte nicht eindeutig geklärt werden, warum es zu der Hörminderung kam. Letztlich konnte nicht eindeutig geklärt werden, warum es zu der Hörminderung kam. © iStock/SIphotography
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Schlechter schmecken und riechen: Das kennt man schon im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion. Offenbar bedroht das Virus aber auch das Hörvermögen, wie ein Fallbeispiel vermuten lässt.

SARS-CoV-2 kann außer dem Riech- und Geschmacksvermögen wahrscheinlich auch das Gehör schädigen – bis hin zur völligen Ertaubung, wie ein beispielhafter Fall zeigt. Ein 38-jähriger COVID-Patient bemerkte neben den typischen Atemwegssymptomen zunächst nur eine Einschränkung des Riechens.

Patient mit Drehschwindel und schwerer Hörminderung

Aber schon nach sechs Tagen entwickelte er ein akutes Lungenversagen, musste maschinell beatmet und wochenlang intensivmedizinisch betreut werden, schreiben Dr. Kathrin Gerstacker und Kollegen von der Universitäts-HNO-Klinik in Freiburg. Nach dem Erwachen klagte der zuvor otologisch gesunde junge Mann über schwere Hörminderung und Drehschwindel.

Die HNO-Ärzte diagnostizierten linksseitig eine akute Ertaubung und rechts eine hochgradige Hypakusis. Sie versuchten zunächst, die verlorene akustische Funktion mit einer intratympanalen und systemischen Kortisontherapie zu retten, was aber misslang. Erst die Versorgung mit Cochlea-Implantat links und Hörgerät rechts vermochte die Kommunikationsfähigkeit wiederherzustellen.

Die Autoren vermuten einen Zusammenhang zwischen der aurikulären Schädigung und der Infektion mit SARS-CoV-2. Möglich wäre z.B. ein direkter Virusbefall, wie er von der Influenza bekannt ist. Für eine Labyrinthitis sprechen bei diesem Patienten Drehschwindel und Untererregbarkeit des Vestibularorgans.

Man fand eine Schädigung der Haarzellen

In der Innenohrflüssigkeit war zwar keine Virus-RNA zu detektieren, aber dieser Umstand ließe sich auch durch die im Serum nachweisbare starke Antikörperbildung erklären. Thromboembolie und Zytokinsturm kommen als Ursache ebenfalls in Betracht. Ein weiterer potenzieller Auslöser ist die Infektion von Nervenscheiden und Hirnarealen, wie sie für den COVID-19-bedingten Verlust des Riechvermögens angenommen wird. Gegen neuronale Läsionen spricht im vorliegenden Fall aber die gute Hörrehabilitation durch das Cochleaimplantat, außerdem fand man eine Schädigung der Haarzellen.

Letztlich konnte nicht eindeutig geklärt werden, warum es zu der Hörminderung kam, räumen die Freiburger HNO-Ärzte ein. Sie halten jedoch einen Zusammenhang mit COVID-19 für wahrscheinlich und empfehlen deshalb eine audiometrische Kontrolle für Patienten, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben. 

Quelle: Gerstacker K et al. HNO 2021; 69: 666-670; DOI: 10.1007/s00106-021-01040-1

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