Koffein, Darm und Parkinson Wie Darmbakterien Koffein bei Parkinson ausbremsen

Autor: Annette Kanis

Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, tragen ein geringeres Risiko für Morbus Parkinson. Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, tragen ein geringeres Risiko für Morbus Parkinson. © memorystockphoto - stock.adobe.com

Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass an Parkinson Erkrankte signifikant geringere Koffeinspiegel aufweisen – trotz vergleichbarem Kaffeekonsum. Das Darmmikrobiom scheint dabei eine zentrale Rolle im Stoffwechsel zu spielen. 

Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, tragen ein geringeres Risiko für Morbus Parkinson. Eine internationale Forschungsgruppe hat untersucht, inwiefern diese Beobachtung mit dem Koffeinmetabolismus und dem Darmmikrobiom zusammenhängt. Im Zentrum der Analyse von Blut- und Stuhlproben standen das Koffein, seine Metaboliten wie Paraxanthin und Theophyllin sowie das Metagenom. Erfasst wurden zudem der Body-Mass-Index, die Einnahme von Medikamenten gegen Parkinson und die Ernährungsgewohnheiten. Die Untersuchungskohorte setzte sich aus 63 an Morbus Parkinson Erkrankten und 54 Kontrollpersonen zusammen. Sie stammte aus der nationalen Universitätsklinik Taiwan. Die Validierungskohorte bestand aus 36 von Parkinson Betroffenen und 20 Kontrollpersonen aus dem Universitätsspital Malaya in Malaysia.

Sich vegetarisch Ernährende wurden ebenso von der Studie ausgeschlossen wie Personen mit Darmerkrankungen und solche, die innerhalb von drei Monaten zuvor Antibiotika oder probiotische Präparate eingenommen hatten. Wer über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr mindestens dreimal pro Woche Kaffee oder Tee trank, wurde als Kaffee- oder Teetrinker definiert. Mit der Validierungskohorte wurde die Plasmakoffeinuntersuchung wiederholt.

Auffällig war, dass der Koffeinmetabolismus bei Patientinnen und Patienten mit Morbus Parkinson im Vergleich zu den Kontrollpersonen deutlich schwächer war. Sie hatten signifikant weniger Koffein und dessen Abbauprodukte im Blut als die gesunden Teilnehmenden. Und das, obwohl beide Gruppen ähnlich viel Kaffee tranken.

Bakterien können neuroaktive Effekte des Koffeins bremsen

Zudem wurden bei Parkinsonkranken vermehrt Darmbakterien nachgewiesen, die mit dem Koffeinabbau in Verbindung stehen könnten, darunter Arten von Clostridien, Acetatifactor und Oliverpabstia. Solche Mikroorganismen können die Effektivität der positiven, neuroaktiven Effekte des Koffeins behindern.

Die Studie zeigt, dass Kaffeetrinken die Darmmikrobiota direkt beeinflussen kann und diese sich auf den Metabolismus auswirkt. Ein gestörter Koffeinstoffwechsel ist bei Parkinson mit einer spezifischen Darmmikrobiota verknüpft.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Parkinson der Koffeinstoffwechsel aufgrund der Darmflora anders funktioniert. Eventuell liefert diese Erkenntnis langfristig einen neuen therapeutischen Ansatz. Um den genauen Zusammenhang besser zu verstehen, sind jedoch weitere Studien notwendig. 

Quelle: Chen CC et al. Neurology 2025; 104: e213592; doi: 10.1212/WNL.0000000000213592