Neue Erkenntnisse Zellinteraktionen aufgeklärt

Autor: Nierenarzt/Nierenärztin

Neue Erkenntnisse zur Entstehung und Progression autoimmuner Nierenerkrankungen eröffnen Ansatzpunkte für gezieltere Therapien. Neue Erkenntnisse zur Entstehung und Progression autoimmuner Nierenerkrankungen eröffnen Ansatzpunkte für gezieltere Therapien. © Pannipa – stock.adobe.com

Klinische Wissenschaftler:innen und medizinische Bioinformatiker:innen des Hamburg Center for Translational Immunology (HCTI) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben krankheitsfördernde Zellinteraktionen bei Patient:innen mit autoimmunen Nierenerkrankungen wie der ANCA-assoziierten Glomerulonephritis oder Lupus Nephritis aufgedeckt.

Moderne Technik bringt neue Erkenntnisse

Diese Erkrankungen können aggressive Verläufe zeigen mit rascher Destruktion der Nierenkörperchen und folgendem Organversagen. Basierend auf einzigartigen Patient:innenkohorten des UKE und mithilfe hochauflösender räumlicher Transkriptomik haben die Forschenden einen molekularen Pfad der Aktivierung bestimmter Nierenzellen im räumlichen und zeitlichen Kontext entdeckt. Die schnell fortschreitende Glomerulonephritis (RPGN) zeichnet sich durch die Bildung von Glomerulus-Halbmonden mit Proliferation von Parietalepithelzellen (PECs) aus. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. 

Die Forschenden konnten nun zeigen , dass eine frühe PDGF-Signalübertragung (Plättchen-abgeleiteter Wachstumsfaktor) aus Epithel- und Mesangialzellen zur Aktivierung und Proliferation von PECs in glomerulären Halbmonden führte, während eine spätere TGF-β-Signalübertragung (Transforming Growth Factor) aus Makrophagen, T-Zellen sowie Epithel- und Mesangialzellen die Expression von extrazellulären Matrixkomponenten in PECs auslöste, die mit Glomerulosklerose und Krankheitsprogression assoziiert sind. Diese Ergebnisse waren bei den verschiedenen GN ähnlich und wurden in experimentellen GN durch PDGF- und TGFβ-Blockade funktionell validiert.

Passgenaue Therapien werden möglich

„Da wir nun den schrittweisen Erkrankungsablauf genauer kennen und darstellen können, lassen sich Therapien entwickeln, die genau zum jeweiligen Krankheitsstadium passen und so unnötige Nebenwirkungen vermeiden“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Christian Krebs aus der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Sonderforschungsbereich SFB1192 nun im Fachmagazin Nature Immunology veröffentlicht. 

Publikation: Sultana, Zeba et al. Spatio-temporal interaction of immune and renal cells controls glomerular crescent formation in autoimmune kidney disease. Nature Immunology . DOI: https://www.nature.com/articles/s41590-025-02291-8