Hausstaubmilbenallergie
Die Hausstauballergie wird durch den Kot der Hausstaubmilben ausgelöst. Dieser enthält bestimmte Proteine, die durch das Einatmen allergische Reaktionen hervorrufen können. In Deutschland reagiert ungefähr jeder zehnte Einwohner auf die im Hausstaub befindlichen Ausscheidungen. Damit zählt die Hausstaubmilbenallergie hierzulande neben der Pollenallergie zu den häufigsten Allergien.Durch die Hausstaubmilbenallergie können verschiedene allergische Krankheitsbilder ausgelöst werden:
Allergische Rhinokonjuktivits
allergisches Asthma bronchiale
Auch als Auslöser bzw. Trigger einer Neurodermitis können Haustaubmilben eine Rolle spielen.
Symptomatik
Allergische Rhinokonjunktivitis (siehe auch dort)
Fließschnupfen, Niesattacken oder verstopfte Nase ohne weitere Erkältungsanzeichen
juckende, gerötete und tränende Augen, evtl. Lidödeme
evtl. Kopf- oder Halsschmerzen
durch Schlafen mit offenem Mund evtl. Schlafstörungen und Mundgeruch
Konzentrationsstörungen
Anders als bei der Pollenallergie treten die Beschwerden nicht saisonal, sondern ganzjährig auf. Nachts und in den frühen Morgenstunden sind die Beschwerden typischerweise am stärksten.Die nasale Obstruktion steht bei Hausstaubmilbenallergie oft im Vordergrund.Allergisches Asthma (siehe auch dort):
Atemnot (häufig anfallsweise)
Pfeifende Atemgeräusche (Giemen)
Husten (mit und ohne Auswurf)
Gefühl der Brustenge
Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung zeigen sich die typischen Symptome der Rhinokonjunktivitis wie laufende oder verstopfte Nase und gerötete und tränende Augen.Die Haut am Naseneingang kann als Folge der gesteigerten Sekretion ekzematös verändert sein. Bei der Rhinoskopie kann man gerötete, geschwollene Schleimhäute und eine geschwollen untere Nasenmuschel sehen. Die Rhinoendoskopie ermöglicht eine Beurteilung aller Nasenabschnitte.Typische auskultatorische Befunde bei Asthma sind:
Giemen, Pfeifen, Brummen
verlängertes Expirium
bei schwerer Atemnot thorakale Einziehungen
bei schwerer Obstruktion sehr leises Atemgeräusch
Labor
Allergologische Diagnostik Die allergologische Anamnese ist der Schlüssel zur Diagnose. Dabei sollten vor allem der zeitliche Ablauf und der Schweregrad der Symptome erfragt werden. Zum Nachweis von IgE-vermittelten Sensibilisierungen werden vor allem Hauttestungen durchgeführt. Hierzu kommen hauptsächlich der Pricktest (diagnostischer Standard) und Intrakutantests (bei negativem oder fraglich postivem Pricktest) mit standardisierten Allergenextrakten in Frage. Antihistaminika sollte mindestens drei Tage vor dem Hauttest abgesetzt werden, genauso wie die lokale Applikation hochpotenter Glukokortikoide. In-vitro-Diagnostik Ist ein Hautest nicht möglich (z.B. wegen Hauterkrankungen, interferierender Pharmaka oder bei Säuglingen und Kleinkindern), ist die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper (unter Berücksichtigung des Gesamt-IgEs) im Serum indiziert. Es gibt aber keine Korrelation zwischen der Konzentration der spezifischen IgE Antikörper und den Symptomen der Rhinokonjunktivitis. Die Bestimmung von IgG-Antikörpern ist kein Bestandteil der Diagnostik. Nasaler und bronchialer Provokationstest Positver Hauttest und spezifisches IgE belegen zwar eine Immunantwort auf ein spezifisches Antigen, nicht aber unbedingt eine allergische Erkrankung. In einigen Fällen ist daher ein Provokationstest indiziert:
wenn vorangegangene Untersuchungen keine übereinstimmenden Ergebnisse zeigen, der Nachweis des Allergens aber von therapeutischer Relevanz ist
wenn Sensibilisierungs-Nachweis und Anamnese nicht zusammenpassen
wenn Sensibilisierungen gegen mehrere saisonale Allergen vorliegen und eine Zurordnung aufgrund von Überschneidungen nicht möglich ist
wenn die Relevanz beruflicher Allergene erfasst werden muss (z.B. bei Umschulungen oder Gutachten)
bei resorptionsfernen Manifestationen inhalativ ausgelöster allergischer Erkrankungen
Reproduktion des Krankheitsbildes bei fehlendem Antikörper-Nachweis
Überprüfung des Therapieeffektes der Hyposensibilisierung
Differenzialdiagnostik
siehe Rhinokonjunktivitis bzw. Asthma bronchialeAnsonsten müssen andere inhalative Allergene wie Pollen oder Tierhaare abgeklärt werden.
Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie
Die beste Behandlungform stellt die vollständige Karenz des Allergens dar, was aber bei Hausstaubmilbenallergien in der Regel nicht möglich ist. Empfehlenswert könnten spezielle Matratzenüberzüge sowie der Verzicht auf Teppiche, Polstermöbel und andere Staubfänger in der Wohnung sein.Symptomatische Therapie der allergischen Rhinokonktivitis:Cromone (Cromoglycinsäure und Nedocromil)
viermal (Cromoglycinsäure) bzw. zweimal (Nedocromil) tägliche Anwendung
weniger wirksam als lokale und topische Antihistaminika oder lokale Glukokortikoide
bei Erwachsenen vor allem in der Schwangerschaft
als Augentropfen bei allergischer Konjunktivitis
Orale oder topische Antihistaminika
neben topischen Glukortikoiden Therapie der 1 Wahl
topische Anwendung (2x täglich) bei intermittierender allergischer Rhinits oder als „on-demand-Therapie“
die orale Therapie sollte möglichst regelmäßig eingenommen werden
möglichst Antihistaminika der 3. Generation wie z.B. Desloratadin (keine Sedierung, bessere Verträglichkeit, bessere Wirkung auf nasale Obstruktion)
Topische Glukokortikoide
bei regelmäßiger Anwendung effektivste Therapie auf alle nasalen Symptome
Unterlegenheit gegenüber Antihistaminika bei Augensymptomen
bei kontinuierlicher Therapie hohe Schleimhautkonzentrationen bei minimalem Risiko systemischer Nebenwirkungen
protrahierter Wirkeintritt (Stunden bis ein Tag)
Leukotrienrezeptorantagonisten
als Montherapie nasalen Glukortikoiden unterlegen, in Kombination mit Antihistaminika etwa gleich wirksam
Dekongestiva
Wirkung auf nasale Obstruktion
bei längerer Anwendung Gefahr der Rhinitis medicamentosa
nur zur kurzfristigen initialen Therapie
Symptomatische Therapie des Asthma bronchiale (siehe dort)Kausale Therapie Einziger kausaler Therapieansatz ist die spezifische Immuntherapie (SIT), die bei Mono- oder Oligosensibilisierung etwa ab dem 5. Lebensjahr durchgeführt werden kann. Mögliche Indikationen bei Rhinokonjunktivitis und Asthma mit begleitender Rhinitis sind:
Relevanz des Allergens für die Auslöung der Beschwerden ist gesichert
IgE-vermittelter Pathomechanismus wurde nachgewiesen
persistierende mäßig-gradige bis schwere allergische Rhinitis
ausreichende Meidung des Allergens nicht möglich und symptomatische Therapie nicht ausreichend wirksam oder schlecht verträglich
frühe Intervention im Verlauf oder Reduktion der Arzneimitteltherapie wird angestrebt
Die spezifische Immuntherapie sollte immer mit qualitativ hochwertigen standardisierten Allergenextrakten mit klinischem Wirknachweis und nur von mit dieser Therapie erfahrenen Ärzten durchgeführt werden. Für die Hausstaubmilbenallergie stehen subkutan anzuwendende Extrakte und auch eine sublinguale Therapie zur Verfügung.
Prävention
Durch verschiedene Maßnahmen kann versucht werden, dass Risiko für die Entwicklung von Allergien zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem:
vielseitige und vollwertige Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft (keine „allergenarmen“ Diäten)
möglichst Vermeidung von Kaiserschnittgeburten
die ersten 4–6 Lebensmonate ausschließlich Stillen (alternativ hypoallergene Säuglingsnahrung)
ab dem 5. Lebensmonat nach und nach Fütterung möglichst vieler verschiedener Lebensmittel (einschließlich Kuhmilch, Ei, Weizen, Nüsse)
rauchfreie Umgebung während und nach der Schwangerschaft
Reduktion von Luftschadstoffen
Leitlinien
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ):AllergiepräventionQuellen:https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/hausstaubmilbenallergie/praevention.htmlhttps://www.ecarf.org/info-portal/allergien/hausstaubmilbenallergie/https://www.allergiecheck.de/allergie/hausstauballergie.htmlhttps://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/hausstaubmilbenallergie/therapie/
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