Warum Pollen heute aggressiver sind
Klimawandel, Stickstoff und Lichtverschmutzung verändern die Pollenwelt: Neue Studien zeigen, dass Gräser durch Düngung mehr und aggressivere Pollen bilden – und künstliches Licht den Pollenflug u.a. durch Bäume verlängert. Das verschärft Allergiesymptome deutlich.
Pollenallergikerinnen und -allergiker bemerken hierzulande eine zunehmende Belastung, obwohl weder mehr Grünflächen angelegt noch mehr Bäume gepflanzt werden. Das könnte neben klimatischen Veränderungen auch an Stickstoffverbindungen liegen. Diese gelangen als gasförmiges NO oder NO2 beim Verbrennen fossiler Energiequellen in die Luft und als Düngemittel in den Boden.
„Schon seit ein paar Jahren ist bekannt, dass NO2 die Morphologie von Pollen verändert und ihre Membranstabilität reduziert, sodass sie leichter platzen können“, berichtete Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Forschende aus Belgien haben nun nachgewiesen, dass gedüngte Grasflächen im Vergleich zu ungedüngten das Sechsfache an Pollen produzieren und diese eine fünffach erhöhte Allergenität besitzen. Bei Menschen, die um diese Flächen herum wohnen, fand sich ein 1,3-facher Anstieg der spezifischen IgE-Antikörper. „Wer eine Gräserpollenallergie hat, sollte es sich gut überlegen, ob er seinen Rasen vor dem Haus unbedingt düngen muss“, so der Referent.
Eine weitere menschengemachte Ursache für die steigende Pollenbelastung könnte die allgegenwärtige Lichtverschmutzung sein. „Millionen von Jahren hatten Bäume es nachts dunkel, jetzt werden sie mit künstlichem Licht bestrahlt“, so Prof. Bergmann. Das bleibt nicht ohne Einfluss auf den Pollenflug und die Schwere von allergischen Symptomen, wie eine im Nordosten der USA durchgeführte Studie ergeben hat.
Analysiert wurden Daten zu verschiedenen Pollenarten, nächtlichem Kunstlicht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus den Jahren 2012–2023. Es zeigte sich, dass bei nächtlicher Beleuchtung vor allem Bäume ihre Pollen ca. 20 Tage früher und über einen längeren Zeitraum abgeben. In der Nähe wohnende Allergikerinnen und Allergiker klagten während der Pollenflugsaison an 27 % der Tage über schwere Symptome, während Leidensgenossen in weniger beleuchteten Gegenden es nur auf 17 % brachten. Die Vermeidung von nächtlicher Lichtverschmutzung sollte in Städten ein Ziel sein, so Prof. Bergmann.