Mit Débridement und antiseptischen Zusätzen Keimlast und Gestank reduzieren

Die Nase voll vom Wundgeruch

Kongressbericht
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Die olfaktorische Belastung durch die Wunden lässt sich mit einer angemessenen Reinigung, fachgerechtem Débridement und entsprechenden Wundauflagen reduzieren.

Stark riechende Wunden sind mehr als ein ästhetisches Problem: Sie belasten die Betroffenen psychisch und sozial. Eine konsequente Reinigung, antiseptische Wirkstoffe und neuartige Diagnosetools wie die künstlichen Nasen können den üblen Geruch und die Keimlast effektiv senken.

Inhaltsverzeichnis

Ob ein gramnegativer Fußinfekt, eine ausgeprägte erosive pustulöse Dermatose der Kopfhaut oder ein Ulcus cruris – all diese Wunden können stark riechen. Ein übler Geruch kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu sozialer Isolation führen. Patientinnen und Patienten berichten von vermindertem Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit und Kontrollverlust. Durch den Geruch bleibt die Wunde für die Betroffenen allgegenwärtig, selbst wenn sie durch einen Verband abgedeckt ist, erklärte Dr. ­Michelle ­Meier von der Universitätsmedizin Essen.

Während sich die Stärke von Gerüchen allgemein in der Maßeinheit Olf quantifizieren lässt (s. ­Kasten mitte), stehen für die quantitative Bewertung des Wundodors spezielle Skalen zur Verfügung (s. ­Kasten unten): Die ­Teler* ­Odour ­Scale erfasst, ab wann Außenstehende den Geruch wahrnehmen. Die ­Teler ­Impact of Odour ­Scale hingegen bewertet, wie stark der Wundgeruch die Patientin oder den Patienten selbst belastet.

Odor kann Aufschluss über Zusammensetzung der bakteriellen Besiedlung geben

Der Odor entsteht durch flüchtige organische Verbindungen (­volatile organic compounds, VOC), die von den besiedelnden Bakterien produziert werden. Dabei hängt die Geruchsbildung von der Anzahl der Erreger, dem Vorliegen eines Biofilms und dem Vorhandensein von nekrotischem Gewebe ab.

Da VOC Aufschluss über die Zusammensetzung der bakteriellen Besiedelung geben können, arbeiten verschiedene Forschungsgruppen an sogenannten elektronischen Nasen. Dabei handelt es sich um Sensoren, die die flüchtigen organischen Verbindungen bereits unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle erfassen. Dazu führt man den Sensor an die Wunde heran oder lässt den Abstrich bzw. eine Anzuchtkultur analysieren. Die elektronische Nase erkennt charakteristische VOC-Muster, anhand derer sich die Bakterienspezies zuordnen lassen. Für den Nachweis von Escherichia ­coli und Staphylococcus ­aureus konnte man so bereits vielversprechende Ergebnisse erzielen. Die mikrobiologische Diagnostik ließe sich mit den künstlichen Nasen deutlich beschleunigen, denn im klinischen Alltag benötigt diese meist 48 bis 72 Stunden. Außerdem könnte man die bislang eher subjektiv erhobene Geruchsintensität objektiv quantifizieren und den Wundheilungsprozess besser kontrollieren, so die Expertin.

Geschulte Nasen ermitteln die Geruchsstärke

Die Geruchsintensität lässt sich mit der Maßeinheit Olf (O) beschreiben. Ermittelt wird sie von geschulten Testpersonen, die die Geruchsstärke mithilfe genormter Vergleichsquellen bestimmen.

Dabei entspricht 1 O der Geruchsquellstärke eines Menschen mit normaler Schweißdrüsenfunktion bei leichter sitzender Tätigkeit. Bei einem spielenden zwölfjährigen Kind liegt die Intensität typischerweise bei 12 O, bei stark rauchenden Personen kann sie bis zu 25 O betragen.

Die Maßeinheit beschreibt lediglich die Intensität, nicht aber die Qualität eines Geruchs. So kann ein stark riechendes Parfüm den gleichen Wert aufweisen wie ein Hundehaufen, erklärte Dr. Meier.

Die olfaktorische Belastung durch die Wunden lässt sich mit einer angemessenen Reinigung, fachgerechtem Débridement und entsprechenden Wundauflagen reduzieren. Durch das Entfernen des anhaftenden nekrotischen Gewebes, von Krusten und Fremdkörpern verringert sich zum einen die bakterielle Belastung und das generelle Infektionsrisiko, erklärte Prof. Dr. ­Cornelia ­Erfurt-­Berge vom Universitätsklinikum Erlangen. Zum anderen lassen sich das Ausmaß der Läsion besser beurteilen und Schmerzen lindern. Wichtig sei dabei, nicht nur den Wundgrund, sondern auch die Umgebung zu behandeln, betonte die Referentin. Denn wenn sich im Randbereich Krusten befinden, behindere dies die Epithelialisierung.

Für das Débridement stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

Medizinische Honigpräparate werden häufig angesprochen

Zur Geruchsminimierung eignen sich zudem Verbandsmaterialien mit (Aktiv-)Kohle, die VOC, Flüssigkeiten und Bakterien aufnehmen, so Dr. ­Meier. In Kombination mit antibakteriellen Substanzen wie Silber werden die gebundenen Erreger abgetötet. Eine antiseptische Wirkung bietet auch Iod. Sein Einsatz empfiehlt sich aber eher für akute Wunden.

Ein häufig von Patientinnen und Patienten angesprochenes Verfahren ist das Auftragen von medizinischen Honigpräparaten. Bestimmte Sorten wie Manuka­honig enthalten als zentralen antibakteriellen Wirkstoff Methylglyoxal. Zudem schafft Honig durch seinen niedrigen pH-Wert und den hohen Zucker- und geringen Wassergehalt per se ein Mikromilieu, das bakterielles Wachstum reduziert. Off-label und vor allem in der palliativen Versorgung findet auch Metronidazol Einsatz. Es wirkt allerdings nur gegen anaerobe Bakterien, nicht gegen aerobe.

Zudem kann es auch helfen, ätherische Öle und Schälchen mit Kaffeepulver aufzustellen. Denn so kommt es im Raum zu einer zusätzlichen Emission von flüchtigen organischen Stoffen, die als angenehm empfunden werden.

*    treatment evaluation by Le Roux method

Quelle: 08. Nürnberger Wundkongress

Beurteilung von Wundgeruch und Geruchsbelastung

Teler Odour Scale (Wahrnehmung durch Außenstehende)

Code 5: Kein Geruch wahrnehmbar.
Code 4: Geruch wahrnehmbar beim Entfernen des Verbands.
Code 3: Geruch wahrnehmbar bei angelegtem Verband.
Code 2: Geruch wahrnehmbar aus einer Armlänge Entfernung.
Code 1: Geruch wahrnehmbar beim Betreten des Zimmers.
Code 0: Geruch wahrnehmbar beim Betreten des Gebäude oder der Abteilung.

Teler Impact of Odour Scale (Belastung der Betroffenen)

Code 5: Keine der fünf Komponenten trifft zu.
Code 4: Eine Komponente trifft zu.
Code 3: Zwei Komponenten treffen zu.
Code 2: Drei Komponenten treffen zu.
Code 1: Vier Komponenten treffen zu.
Code 0: Fünf Komponenten treffen zu.

Fünf Komponenten:

  • Die Person ist sich des Geruchs bewusst.

  • Sie befürchtet, dass andere den Geruch bemerken.

  • Sie meidet aufgrund des Geruchs Sozialkontakte.

  • Der Geruch beeinflusst den Appetit der Person.

  • Der Geruch löst bei ihr selbst Übelkeit aus.

Foto von Nina Arndt

Nina Arndt

Redakteurin Medical Tribune
Nina Arndt ist seit Juli 2025 Redakteurin bei der Medical Tribune, nachdem sie zuvor ihr Volontariat in der Medizinredaktion absolviert hat. Sie studierte Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Neben ihrer Arbeit in der Print-Redaktion ist sie unter anderem im Bereich Social Media tätig.

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