Hausarzt macht „Premium-Check-up“
Laborergebnisse und andere diagnostische Befunde sind für viele Patientinnen und Patienten schwer verständlich und erfordern ausführliche Erklärungen. Ein neues webbasiertes Visualisierungstool soll helfen, Gesundheitsparameter schneller, strukturierter und patientenfreundlicher darzustellen.
Dr. Michael Jelden, Allgemeinarzt aus dem saarländischen Homburg, hat ein webbasiertes Tool entwickelt, das zahlreiche Parameter in fünf zentrale Gesundheitsdimensionen überführt und diese in einer variablen Spinnennetzgrafik darstellt. „Wir brauchen Instrumente, die es uns ermöglichen, Gesundheitsparameter schneller, differenzierter, aber ebenso mit ihren Wechselwirkungen untereinander zu interpretieren“, sagt er.
Die sog. CM5 MultiMatrix soll sowohl Ärztinnen und Ärzten als auch Patientinnen und Patienten eine intuitive Übersicht über den aktuellen Stand sowie den Verlauf der Maßnahmen bieten und den Erklärungsaufwand reduzieren. Innerhalb von ein paar Minuten ist die Grafik erstellt. Laut Dr. Jelden ist das Feedback sehr positiv: „Die Patientinnen und Patienten verstehen auf einen Blick, wo Belastungen bestehen und warum bestimmte Maßnahmen sinnvoll sind.“
Rundumblick über fünfRisikobereiche
Traditionell müssen Untersuchungsergebnisse einzeln betrachtet und mögliche Wechselwirkungen gedanklich zusammengefügt werden. Die Matrix fasst dagegen fünf Dimensionen zusammen:
viszerales Fett
Herz und Gefäße
Stoffwechsel und Entzündung
hormonelle Balance
mentale Belastung
Sie soll einen Rundumblick geben, der Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen sein kann. Folgende Parameter fließen ein:
Lipidprofil: Triglyzeride, HDL, LDL, ApoB, Lp(a)
Metabolik: Nüchtern-Blutzucker, HbA1c, hsCRP, Harnsäure
Endokrin: Cortisol, DHEA-S
Körperzusammensetzung: Körpergröße und Taillenumfang (Waist-to-Height-Ratio), bioelektrische Impedanzanalyse, Verhältnis von extrazellulärem Wasser zum Gesamtkörperwasser (optional, aber empfohlen), abdominaler Ultraschall (Objektivierung von Leberfett via Elastografie, FibroScan oder laborchemisch und Viszeralfett)
Kardiovaskuläre Diagnostik: Kardisiografie oder Kalzium-Score im Kardio-CT, Pulswellengeschwindigkeit (zentral)
Anamnese und Fragebogen: Raucherstatus und Packungsjahre, Familienanamnese (kardiovaskuläre Erkrankungen vor dem 60. Lebensjahr), PHQ-9, GAD-7, PHQ-15, PHQ-Stressmodul (validierte Fragebogen).
Nicht alle Werte müssen vorliegen, CM5 bewertet auch Teilprofile. Bei apparativen Messungen wird gerätespezifisch gearbeitet, es gibt eine Ausweichlösung, falls ein Gerät nicht vorhanden sein sollte.
Die visuelle Darstellung zeigt nicht nur die Einzelwerte, sondern auch mögliche Zusammenhänge zwischen den Bereichen. Veränderungen in einer Dimension können Hinweise auf Belastungen in anderen geben, ein Aspekt, der in der Präventionsmedizin zunehmend an Bedeutung gewinnt.
System erstellt Handlungsempfehlungen
Nach der üblichen Diagnostik werden die Untersuchungsergebnisse in das Tool übertragen und automatisch visualisiert. Eine farbliche Einordnung zeigt an, welche Bereiche unauffällig sind, wo Optimierungspotenzial besteht und wo Handlungsbedarf vorliegt. Das System erstellt individuelle Handlungsempfehlungen, zudem kann die Ärztin oder der Arzt selbst Empfehlungen eintragen.
Seit Herbst 2025 wurden in der Praxis von Dr. Jelden die Daten von 75 Patientinnen und Patienten mit der CM5 MultiMatrix ausgewertet, sieben davon mehrfach. Auch in der Kollegenschaft wurde das Tool getestet, so Dr. Jelden. Die bisherigen Ergebnisse:
61 % der Patientinnen und Patienten lagen im „gelben“ Bereich, 25 % im grünen und 12 % im orangen Bereich.
Die stärkste Belastung zeigte sich im Bereich Stoffwechsel & Entzündung (Median 10/20 Punkte), gefolgt von hormoneller Balance (8/20) und Herz & Gefäße (7/20).
Die mentale Resilienz war im Median am niedrigsten belastet (4/20). Das liegt natürlich auch an der Klientel, Selbstzahlerleistungen werden vor allem von gesundheitlich Interessierten und eher zur Therapie motivierten Personen in Anspruch genommen.
Männer zeigten höhere Belastungen bei viszeralem Fett und Herz und Gefäßen als Frauen.
Patientinnen und Patienten, die mehrfach untersucht wurden, verbesserten sich innerhalb von 3–4 Monaten im Schnitt um 3,3 Punkte, ein erster Hinweis auf die Wirksamkeit der eingeleiteten Interventionen.
Ein Fall betraf eine junge Ärztin ohne bekannte Vorerkrankungen. Die Matrix zeigte eine deutliche metabolische Belastung, die auf eine beginnende Diabetesentwicklung hinwies – ein Befund, der ohne Visualisierung möglicherweise später erkannt worden wäre.
Optische Darstellung macht Befunde verständlicher
Ein anderes Beispiel: Ein 36-Jähriger mit leichtem Übergewicht zeigte erwartungsgemäß eine hohe Belastung im Bereich viszerales Fett, aber auch im Stoffwechsel- und Entzündungsbereich. Das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen war hingegen gering. Die Visualisierung half, Prioritäten zu setzen, aber auch dem Patienten die Maßnahmen verständlich zu machen, die direkten Auswirkungen vor Augen zu führen und gemeinsam eine Behandlungsrichtung festzulegen.
Die Ergebnisse einer Beispielperson. Je weiter außen Punkte in der Matrix liegen, desto höher ist das Risiko im entsprechenden Bereich. Patientinnen und Patienten können die Visualisierung sowie die zugrunde liegenden Werte per QR-Code abrufen.
Der CM5-MultiMatrix-Befundbericht ist ein Angebot für alle Patientinnen und Patienten, die einen „Premium-Check-up“ machen möchten. Dieser wird nicht nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet, sondern nach einer Honorarvereinbarung (279 Euro plus geringe Laborkosten). Die Summe der Einzeluntersuchungen nach GOÄ wäre deutlich teurer (ca. 600 Euro).
Die Methode wird derzeit in mehreren Praxen getestet und kann als Selbstzahlerleistung angeboten werden. In der Testphase ist sie für Ärztinnen und Ärzte noch kostenfrei. Rückmeldungen aus der Anwendung sind ausdrücklich erwünscht, um die Weiterentwicklung zu unterstützen. Den Zugang gibt es unter www.cm5-multimatrix.com.