So überlassen Sie nichts dem Zufall

ICE-Kommunikation hilft beim Umgang mit Überraschungsbefunden

Podcast – O-Ton Allgemeinmedizin
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Zufallsbefunde sind keine Seltenheit – umso wichtiger ist ein gute Kommunikation mit den Patient*innen

Ob Urinstreifen­test, Abdomensonografie oder körperliche Untersuchung – Quellen für Zufallsbefunde gibt es zuhauf. Wichtig ist, mit den Patientinnen und Patienten offen darüber zu sprechen und idealerweise bereits vorab ihre Erwartungen abzufragen.

Am besten, man lässt Zufallsbefunde durch eine klar indizierte Dia­gnos­tik gar nicht erst aufkommen. Doch das gelingt nicht immer. Das kleine Blutbild z. B. gibt zwangsläufig Auskunft über Zellzahlen, die im individuellen Fall womöglich nicht gefragt sind. Sieht man sich mit einem Zufallsbefund konfrontiert, müssen abwendbare gefährliche Verläufe ausgeschlossen werden. Mitunter genügt hierzu bereits eine (erneute) Anamnese und eine gezielte körperliche Untersuchung, sagt Prof. Dr. Thomas Kötter vom Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck im Podcast O-Ton Allgemeinmedizin.

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O-Ton Allgemeinmedizin erscheint alle zwei Wochen (donnerstags), überall wo es Podcasts gibt.

Der Kollege arbeitet zusätzlich als Hausarzt und achtet im Praxisalltag regelmäßig darauf, potenziell schädliche Erst- oder Folgeuntersuchungen zu vermeiden. Er stellt klar: „Das Gros der Zufallsbefunde ist völlig bedeutungslos und dann ist jede weitere Abklärung unnötig und mit mehr Schaden als Nutzen verbunden.“ Algorithmen oder Scores können bei der Entscheidung über das geeignete Vorgehen helfen. Der Schlüssel zu einer maßvollen Diagnostik sowohl initial als auch im Verlauf ist jedoch das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten.

Ist der konkrete Wunscheine Überweisung zur MRT?

Als nützlich erwiesen hat sich die Kommunikation nach dem ICE-Schema. ICE steht für Ideas, Concerns, Expectations (Vorstellungen, Sorgen, Erwartungen). Es gehe darum, Patientinnen und Patienten genau bei diesen Punkten abzuholen, erklärt Prof. Kötter. Welches Verständnis haben sie von ihrer Erkrankung bzw. ihren Beschwerden? Gibt es etwas, dass ihnen in diesem Zusammenhang Angst macht? Und besteht ihr konkreter Wunsch z. B. darin, eine Überweisung zur MRT zu bekommen? All diese Aspekte bilden die Basis für die ärztliche Argumentation. Übermäßig zeitfressend sei das Abfragen nicht, wenn man es ein wenig übe, so der Experte.

Viele Zufallsbefunde entstehen inzwischen durch bildgebende Dia­gnos­tik. Auf alle Modalitäten bezogen liegt die Häufigkeit bei ca. 15–30 %. Über die Rolle von Hausärztinnen und Hausärzten an der Schnittstelle zwischen Radiologie und Betroffenen spricht Prof. Kötter ebenfalls im Podcast. Außerdem erfahren Sie in der Folge, was der Kollege von individuellen Gesundheitsleistungen hält, und was er macht, wenn Patientinnen und Patienten ihr Smartwatch-EKG mit in die Praxis bringen. Hören Sie rein!

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