Impfen und Demenzrisiko

Impfen gegen das Vergessen?

19. Pädiatrie-Update-Seminar
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Wer gegen Herpes Zoster geimpft ist, schützt sich offenbar nicht nur vor Gürtelrose, sondern reduziert auch sein Demenzrisiko.

Die Immunseneszenz und bestimmte Infektionserkrankungen können das zentrale Nervensystem schädigen. Impfungen helfen offenbar, die kognitive Gesundheit zu erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Warum steigt im Alter das Risiko für Demenz?

Im Alter funktioniert unser Immunsystem schlechter. „Weil der Thymus weg ist, weil das Knochenmark schlechter arbeitet und weil Immunreaktionen nicht mehr effizient ablaufen,“ erklärte Prof. em. Dr. Fred Zepp, ehemals an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zudem leiden Ältere vermehrt an chronischen Entzündungen durch latente oder wiederkehrende Infektionen, die neurotoxische Prozesse und eine Plaqueinstabilität in Gefäßen fördern, was wiederum die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen begünstigt.

Große Metaanalyse mit mehr als 100 Millionen Erwachsenen

Dagegen kann man aber offenbar etwas tun. In einer systematischen Übersichtsarbeit haben Forschende aus Italien und Kanada Daten von mehr als 100 Millionen Erwachsenen mit einem durchschnittlichen Alter von 74 Jahren analysiert. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 6,5 Jahren untersuchten sie, ob der Impfstatus mit dem Demenzrisiko korreliert. Tatsächlich hatten diejenigen, die gegen Herpes Zoster, Influenza, Tetanus/Diphtherie/Pertussis oder Pneumokokken geimpft waren, ein um 13–47 % geringeres Risiko für eine vaskuläre oder eine Alzheimerdemenz. „Die Studie beweist keine Kausalität, aber zeigt eine Assoziation,“ betonte der Pädiater.

Weniger Neuroinflammation, weniger Demenz?

Allerdings erscheint der Zusammenhang plausibel: Die Grippe kann bekanntermaßen mit einer Gefäßentzündung einhergehen – die Impfung senkte das Risiko für vaskuläre Demenz um 41 %. Zudem können Entzündungsreaktionen im Rahmen einer Influenza oder Pneumonie die Blut-Hirn-Schranke schädigen. Neurotrope Viren wie Varizella zoster und Herpes simplex triggern bei Reaktivierung die Neuroinflammation und die Entstehung von Amyloidaggregaten – gegen Herpes Zoster Vakzinierte erkrankten zu 47 % seltener an einer Alzheimerdemenz. Darüber hinaus scheinen Impfungen auch erregerunspezifisch das alternde Immunsystem „wachzurütteln“. Man geht davon aus, dass dies die Beseitigung von Zellschrott im ZNS fördert.

Neuroprävention rückt in den Fokus

Einen weiteren Hinweis auf eine mögliche Neuroprotektion durch Impfungen liefert ein „natürliches Experiment“. In Wales wurde beschlossen, dass ab dem 2. September 1933 Geborene gegen Herpes Zoster geimpft werden, ältere hingegen nicht. Ein internationales Wissenschaftlerteam nutzte diese strikte Regelung und verglich innerhalb von zwei Wochen vor und nach dem Stichtag Geborene. Das Demenzrisiko der Impfberechtigten war um 20 % geringer als das der Nicht-Impfberechtigten. Auch leichte kognitive Beeinträchtigungen traten in der Gruppe der Vakzinierten seltener auf und Alzheimererkrankungen schritten langsamer fort. Für die Praxis bedeute dies, dass die Zoster-Impfung nicht nur zum Schutz vor Gürtelrose und chronischen Schmerzen angeboten werden sollte, sondern auch für die Neuroprävention, so Prof. Zepp.

Dr. Anna-Lena Krause

Dr. Anna-Lena Krause

Redakteurin Medical Tribune
Nach ihrem Biologiestudium in Mainz hat Anna-Lena Krause am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg promoviert und parallel als Wissenschaftsjournalistin für das Laborjournal gearbeitet. Anschließend folgte ein Volontariat beim Georg Thieme Verlag in Stuttgart. Seit sieben Jahren arbeitet sie als Medizinredakteurin für die Medical Tribune. Dort ist sie auch Host für den Podcast O-Ton Allgemeinmedizin.

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