Schutz vor neurotropen Viren

Mit Zoster-Impfung gegen Demenz?

Aus der Fachliteratur
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Ob eine Varizella-Zoster-Virus vor Demenz schützt, wurde in einer Studie untersucht.

Neurotrope Herpesviren sollen amyloide und taupathologische Prozesse im Gehirn fördern. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass eine Zoster-Impfung der Demenz vorbeugen kann.

Neurotrope Herpesviren stehen schon länger im Verdacht, zur Entstehung von Demenz beizutragen: Sie greifen bevorzugt das Nervensystem an und werden im Alter häufiger reaktiviert. Zudem können sie die Ansammlung von β-Amyloid und die Tau-Phosphorylierung fördern, die typisch bei Demenz sind. Ob eine Varizella-Zoster-Virus vor Demenz schützt, untersuchten Forschende um Dr. Michael Pomirchy von der Stanford Universität.

Sie analysierten die Daten von über 230.000 Personen aus Ontario, Kanada. Dort war die Zoster-Impfung mit abgeschwächtem Lebendimpfstoff am 15. September 2016 in das Impfprogramm aufgenommen worden, und zwar für Erwachsene, die zu diesem Zeitpunkt 65 bis 70 Jahre alt waren. Impfberechtigt waren alle Personen, die im Zeitraum vom 1. Januar 1946 bis zum 15. September 1951 geboren wurden. Zusätzlich waren in den 3,5 Monaten vom 15. September bis zum 31. Dezember 2016 alle Personen anspruchsberechtigt, die im Jahr 1945 geboren wurden.

Wahrscheinlichkeit für eine Demenzdiagnose war um zwei Prozentpunkte geringer

Personen, die vor dem 1. Januar 1945 zur Welt kamen, hatten keinen Impfanspruch. In die Primäranalyse wurden Daten von Personen eingeschlossen, die unmittelbar vor und unmittelbar nach dem Stichtag 1. Januar 1946 geboren wurden. Die Gruppen wurden hinsichtlich des Auftretens neuer Demenzdiagnosen während einer 5,5 jährigen Nachbeobachtungszeit verglichen.

Die Impfberechtigung zeigte einen positiven Effekt – unabhängig vom tatsächlichen Impfstatus: Personen, die aufgrund ihres Geburtsdatums Anspruch auf die Vakzinierung hatten, hatten eine um zwei Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit für eine neue Demenzdiagnose als etwas ältere, nicht impfberechtigte Jahrgänge. Der Effekt zeigte sich in dieser Größenordnung auch in einer Sekundäranalyse, die den 1. Januar 1945 als Stichtag verwendete.

Aufgrund des quasi-experimentellen Designs können die Ergebnisse eher einen kausalen Zusammenhang widerspiegeln als frühere klassische Beobachtungsstudien, so das Autorenteam. Sie betonen jedoch, dass sich ihre Ergebnisse auf den Lebendimpfstoff beziehen, da das kanadische Impfprogramm damit begonnen hatte.

Nun gelte es, die zugrundeliegenden Mechanismen zu erforschen

Diese Serie natürlicher Experimente in Kanada sei kurz nach ähnlichen Untersuchungsansätzen in Wales und Australien erfolgt, schreiben Prof. Dr. William McEwan und Prof. Dr. David Hunt, beide vom UK Dementia Research Institute der Universität Edinburgh. Insgesamt zeichne sich ein kohärentes Bild von der Wirksamkeit sowohl der lebend abgeschwächten als auch der rekombinanten Zosterimpfstoffe bei der Prävention von Demenzerkrankungen ab, einschließlich der leicht kognitiven Beeinträchtigung. Um das demenzpräventive Potenzial der Impfung voll auszuschöpfen, müsse man die zugrunde liegenden Mechanismen besser verstehen. Dies könne etwa durch die Analyse blutbasierter Biomarker aus vorherigen randomisierten Studien oder mithilfe spezieller Studien zur Demenzprävention erfolgen.

1. Pomirchy M et al. Lancet Neurol 2026; 25: 170-180; doi: 10.1016/S1474-4422(25)00455-7

2. McEwan WA, Hunt DPJ. Lancet Neurol 2026; 25: 121-122; doi: 10.1016/S1474-4422(25)00494-6

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