Ernährungsmedizin

Intervallfasten ist bei Diabetes eine gute Option

Aus der Fachliteratur
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Zeitfenster einhalten statt Kalorienzählen: Intervallfasten macht die Gewichtskontrolle deutlich praktikabler als die gängigen Diäten. Das Essen streng nach der Uhr funktioniert auch bei Menschen mit Diabetes.

Kann man Intervallfasten auch Menschen mit Diabetes empfehlen? Auf jeden Fall, meint eine Autorengruppe aus den USA. Zumindest bei Typ-2-Diabetes klappt das gut, und auch beim Prädiabetes zeigt sich ein gewisser Nutzen.

Intervallfasten verbessert den Glukosestoffwechsel bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zuverlässig. Es ist dabei genauso wirksam wie eine generelle Kalorienrestriktion, schreiben Prof. Dr. Krista Varady von der University of Illinois-Chicago und Kolleginnen in einem Personal View. Die drei Autorinnen fordern, das Intervallfasten in die Leitlinien der American Diabetes Association (ADA) und der International Diabetes Federation (IDF) aufzunehmen.

Die gebräuchlichsten Formen des Intervallfastens sind die zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme (time-restricted eating, TRE), die 5:2-Diät, das alternierende Fasten (alternate-day fasting, ADF) und die Scheinfastendiät (fasting-mimicking diet, FMD):

Eine Diätform, die sich leichter umsetzen lässt

Der entscheidende Vorteil bei sämtlichen Formen des Intervallfastens besteht darin, dass die Abnehmwilligen keine Kalorien zählen, sondern lediglich die Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme einhalten müssen. Das erleichtere die Umsetzung der Diät ungemein, so Prof. Varady et al.

In 28 Studien wurde die Wirkung des Intervallfastens auf den Typ-2-Diabetes untersucht. Nur eine der Arbeiten zeigte keine Effekte, alle anderen belegten Verbesserungen der glykämischen Parameter oder zeigten einen Nutzen, der mit genereller Kalorienrestriktion oder einer Diätberatung vergleichbar war. Der Autorinnengruppe zufolge ist beim Intervallfasten eine HbA1c-Senkung von typischerweise 0,3–1,2 % zu erwarten.

Intervallfasten ist auch bei Typ-2-Diabetes effektiv

Zeitlich begrenztes Essen mit einem Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme von 8 bis 18 Uhr reduzierte in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 120 Erwachsenen nach zwölf Wochen den HbA1c-Wert um 0,9 %, die Nüchternglukose ging um 0,7 mmol/l zurück. Die 5:2-Diät über zwölf Wochen senkte in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 326 Teilnehmenden das HbA1c um 0,3 % und die postprandialen Glukosespiegel um 0,7 mmol/l. Eine andere Untersuchung zur 5:2-Diät wies sogar etwas größere Effekte auf HbA1c (1,9 % vs. 1,5–1,6 %), Nüchternglukose und Gewichtsreduktion (11,1 % vs. 6,7–6,8 %) nach als der Einsatz von Metformin und Empagliflozin.

Mit der Scheinfastendiät ließ sich in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 100 Personen nach drei Monaten eine Reduktion des HbA1c-Werts um 0,9 %, eine Nüchternglukosesenkung um 1,0 mmol/l und eine Gewichtsabnahme von 13,2 % erzielen. Zum alternierenden Fasten gibt es nur eine kleine Studie mit zwölf Erwachsenen, in der sich die Parameter allerdings ebenfalls verbesserten.

In keiner der Studien stieg das Hypoglykämierisiko durch das Intervallfasten an, berichten die Autorinnen. Allerdings war auch immer die Diabetesmedikation an die Fastenphasen angepasst worden.

Vorteile auch bei Typ-1-Diabetes und Prädiabetes

Auch für Menschen mit Typ-1-Diabetes könnte Intervallfasten nützlich sein, um das Körpergewicht zu regulieren und die glykämische Kontrolle zu verbessern. Allerdings ist die Evidenz hierzu nicht ausreichend, so die Autorinnen. Besser sieht die Datenlage beim Prädiabetes aus, zu dem immerhin fünf randomisierte kontrollierte Studien vorliegen. Alle konnten Verbesserungen des Glukosestoffwechsels nachweisen.

Ob Intervallfasten auch bei Gestationsdiabetes empfehlenswert ist, wurde bislang nicht untersucht. Die Autorinnen raten aber ausdrücklich davon ab, diese Diätformen bei schwangeren oder stillenden Frauen umzusetzen, ebensowenig bei Kindern, Personen mit schweren Hypoglykämien oder Essstörungen in der Vorgeschichte oder bei Älteren mit Sarkopenierisiko.

Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes sollte man das Intervallfasten als Option zur Kalorienrestriktion vorschlagen, schreiben die Autorinnen. Dabei sollte die letztlich gewählte Variante zum Lebensstil der Betreffenden passen. An Fastentagen müssen Sulfonylharnstoffe reduziert oder sogar weggelassen werden (s. Kasten).

Diabetesmedikamente an Fastentage anpassen

Für die Diätform der zeitlich begrenzten Nahrungsaufnahme empfehlen die drei Autorinnen, Sulfonylharnstoffe um 50–100 %, langwirksames Insulin um bis zu 20 % sowie kurzwirksames Insulin um 10–50 % zu reduzieren, sofern das HbA1c ≤ 8,5 % liegt.

Beim alternierenden Fasten und der 5:2-Diät sollten Sulfonylharnstoffe an Fastentagen bei HbA1c-Werten < 7 % ganz weggelassen, bei einem HbA1c zwischen 7 und 10 % um bis zu 50 % reduziert werden.

Personen unter Insulintherapie sollten ein System zur kontinuierlichen Glukosemessung nutzen.

Man sollte die Patientinnen und Patienten unbedingt zu einer ballaststoffreichen Kost mit ausreichend Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten anhalten. Auch an Nicht-Fastentagen darf keinesfalls unkontrolliert gegessen werden. Beim alternierenden Fasten und der 5:2-Diät raten die Autorinnen zu mindestens 50 g magerem Protein auch an Fastentagen, um Hungergefühl und Muskelmasseverlust zu minimieren. Das Fastenprotokoll sollte individuell auf Lebensstil und Alltagsstruktur abgestimmt werden.

Varady K et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2026; doi: 10.1016/S2213-8587(26)00119-1

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert ist approbierte Ärztin mit Berufserfahrung im Medizinbereich (Kinderklinik und Praxen niedergelassener Pädiater und Allgemeinärztinnen/Allgemeinärzte). Seit 2024 als freie Autorin tätig.

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