Die ungefilterte Wahrheit über Kaffee, Koffein und Herzgesundheit
Kaffee ist gut fürs Herz – kann man das so pauschal sagen? Die American Heart Association versucht sich an einer Antwort, doch der Zusammenhang ist komplexer, als es scheint. Das liegt u.a. an der Rolle des Koffeins und anderer Inhaltsstoffe.
Will man wissen, wie sich Koffein auf kardiovaskuläre Risikofaktoren bzw. Erkrankungen auswirkt, trifft man auf zahlreiche Hürden. Zum einen kommt es darauf an, in welcher Form und welcher Zubereitung der Pflanzenstoff konsumiert wird, zum anderen unterscheidet man akute und chronische Effekte, schreibt ein Team um Prof. Dr. Gregory Marcus, University of California, San Francisco, in einem wissenschaftlichen Statement der American Heart Association (AHA). Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den meisten Untersuchungen um Beobachtungsstudien handelt. Und in der Regel wurde nicht der Wirkstoff selbst, sondern koffeinhaltige Nahrungsmittel oder Getränke untersucht, insbesondere Kaffee. Inzwischen gibt es aber auch vermehrt randomisierte kontrollierte Studien mit aussagekräftigeren Resultaten.
Wie schnell wird Koffein verstoffwechselt?
Bei oraler Aufnahme von Koffein liegt die Bioverfügbarkeit bei 100 %. Ein Fünftel wird bereits im Magen resorbiert, der Rest im weiteren Verlauf des Darms. Nach 30–45 Minuten geht der Wachmacher ins Blut über, die Spitzenkonzentration wird nach etwa einer Stunde erreicht.
Insbesondere fett- oder ballaststoffreiche Mahlzeiten, die die Magenentleerung bremsen, können den Koffein-Kick verzögern. Darüber hinaus absorbiert der Gastrointestinaltrakt den Wirkstoff aus koffeinhaltigen Softdrinks langsamer als beim Konsum von Tee oder Kaffee. Die Hinzugabe von Inhaltsstoffen wie Taurin in Energydrinks wiederum beschleunigt Absorption und Wirkbeginn.
Rauchen verringert die Halbwertszeit von Koffein
Wegen des minimalen First-Pass-Effekts führen höhere Dosierungen zu einem proportionalen Anstieg des Serumspiegels. Die Halbwertszeit bei gesunden Erwachsenen beträgt vier bis fünf Stunden. Der Abbau erfolgt über Cytochrom-P450-Isoenzyme in der Leber, wobei auch die Koffeinmetaboliten Paraxanthin, Theobromin und Theophyllin bioaktiv sind. Rauchen verstärkt die Aktivität von CYP1A2, was die Halbwertszeit verringert. Eine Schwangerschaft hingegen bremst das Isoenzym und verlängert somit die Wirkung.
So viel Koffein steckt in Kaffee, Tee und Co.
Der Akkustand dient der Veranschaulichung und dem Vergleich der Produkte. Er bezieht sich auf die jeweiligen maximalen Koffeinkonzentrationen pro 100 ml bzw. pro Kapsel/Tablette und bildet nicht das korrekte Koffeinverhältnis für jedes einzelne Getränk bzw. Supplement ab. Grafik: MT
Wie wirkt Koffein und wie relevant sind andere Kaffee-Bestandteile?
Der Pflanzenstoff entfaltet seine Wirkung über diverse Rezeptoren und Mechanismen. An Adenosinrezeptoren fungiert Koffein als nichtselektiver Antagonist, bei höheren Dosierungen wird die Phosphodiesterase inhibiert. Bei Mengen weit abseits des durchschnittlichen Konsums triggert es die intrazelluläre Kalziumfreisetzung, und toxische Dosen führen zu einer Antagonisierung am GABAA-Rezeptor.
Zu den akuten Koffeineffekten auf die verschiedenen Gewebe zählen ZNS-Stimulation, erhöhte Herzfrequenz, vorübergehend erhöhter Blutdruck, reduzierte Natrium-Resorption in der Niere, Bronchodilatation, vermehrter Triglyzeridabbau und gesteigerte Magensäuresekretion. Manche Menschen bekommen Palpitationen oder Schlafstörungen.
Kaffee enthält zahlreiche weitere bioaktive Substanzen
Viele Studien deuten auf einen kardiovaskulären Schutz durch Koffein hin. Mechanismen wie die vermehrte Diurese machen beispielsweise eine langfristige Blutdrucksenkung plausibel. Doch der Großteil der Evidenz beruht auf Untersuchungen zum Kaffeekonsum. Das Heißgetränk enthält zahlreiche weitere bioaktive Substanzen wie Chlorogensäure, Diterpene, Trigonellin und Melanoidine. Einige Inhaltsstoffe haben antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften und könnten Insulinsensitivität und Endothelfunktion verbessern.
Potenzielle Vorteile für die Herzgesundheit, die für Koffein aus natürlichen Quellen festgestellt wurden, dürfen nicht auf synthetische Produkte oder hohe Dosierungen extrapoliert werden, betont das Autorenteam (siehe Infobox zu Energydrinks).
Beeinflussen Kaffee und Koffein das Risiko für Hypertonie, Diabetes und Dyslipidämie?
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