Kaffee senkt Risiko für Vorhofflimmern
Eine Studie aus San Francisco stellt alte Empfehlungen auf den Kopf: Regelmäßiger Kaffeekonsum scheint das Risiko für erneutes Vorhofflimmern nach Kardioversion deutlich zu senken – und das bei stabiler Sicherheit.
Koffeinhaltiger Kaffee gilt als proarrhythmisch. Daher wird Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) häufig empfohlen, ihren Konsum zu reduzieren. Neuere Beobachtungsstudien deuten jedoch eher auf eine neutrale oder sogar positive Wirkung des Heißgetränks hin. Ein Team um Dr. Christopher Wong der University of California in San Francisco kann diesen Eindruck mit seiner aktuellen Arbeit weiter untermauern.
Die Forschenden berücksichtigten in ihrer Studie insgesamt 200 Menschen mit VHF und ggf. Vorhofflattern, die sich zwischen 2021 und 2024 einer erfolgreichen Kardioversion unterzogen hatten. Sie waren im Schnitt 69 Jahre alt und stammten aus den USA, Australien oder Kanada. Vor Studienbeginn tranken sie eine Tasse Kaffee täglich.
Die eine Hälfte der Teilnehmenden verzichtete für sechs Monate vollständig auf koffeinhaltige Getränke sowie entkoffeinierten Kaffee, die andere behielt den gewohnten Kaffeekonsum bei. Als primärer Endpunkt galt das klinisch bestätigte Wiederauftreten von Vorhofflattern oder Vorhofflimmern. Das Follow-up endete Mitte 2025.
Während der sechsmonatigen Beobachtungszeit entwickelten 64 % der Abstinenten neue Arrhythmieepisoden. Bei den Kaffeetrinkenden betrug der Anteil nur 47 %, was einer Risikoreduktion von 39 % entspricht. Unerwünschte Ereignisse traten gleich häufig auf. Da sich nur gut zwei Drittel der Abstinenzgruppe vollständig an das Verbot hielten, könnte der Effekt sogar noch ausgeprägter sein, so die Forschenden.
Dem Autorenteam zufolge könnte die vermeintlich schützende Wirkung des Kaffees auf die entzündungshemmenden Eigenschaften der Bohnen zurückzuführen sein. Zudem wirkt die Flüssigkeit diuretisch und damit potenziell blutdrucksenkend. Außerdem ist aus früheren Studien bekannt, dass Kaffeetrinkende körperlich aktiver sind und im Durchschnitt 1.000 Schritte mehr am Tag gehen als Abstinente. Ob Kaffee auch aktiv vor VHF schützt, gilt es in weiteren Untersuchungen zu klären.
Wong CX et al. JAMA 2026; 335: 317-325 doi: 10.1001/jama.2025.21056