Wechseljahre: Wie ist die Evidenz zur Komplementärmedizin?
Qigong, Akupunktur, Isoflavone – viele Frauen mit Wechseljahresbeschwerden wünschen sich eine „natürliche“ Therapie. Konkrete Empfehlungen auszusprechen fällt mangels Evidenz aber oft schwer. Was darf von komplementären Verfahren erwartet werden?
Komplementärmedizinische Ansätze sollten evidenzbasiert in die Beratung von peri- und postmenopausalen Patientinnen integriert werden, schreiben die Psychologin Dr. Sandra Utz und Prof. Dr. Jost Langhorst, beide vom Klinikum am Bruderwald, Sozialstiftung Bamberg. Für viele Verfahren ist die Studienlage jedoch noch nicht ausreichend. Die wichtigsten komplementären Therapieempfehlungen zu Entspannungstechniken, Akupunktur und Phytotherapie bei peri- und postmenopausalen Symptomen hat das Expertenduo auf Basis der S3-Leitlinie* „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ zusammengefasst.
Yoga mit Nutzen für vasomotorische und psychische Symptome
Was Entspannungsverfahren angeht, kommen die beiden zu dem Schluss, dass Yoga vasomotorische und psychische Symptome günstig beeinflussen kann. Dies habe sich in einer Metaanalyse von acht randomisierten kontrollierten Studien (RCT) mit insgesamt 927 peri- und postmenopausalen Frauen gezeigt. Eine weitere Metaanalyse legt einen Nutzen von Yoga bei Schlafstörungen in der Postmenopause nahe: In zwei von drei RCT konnte man einen positiven Effekt beobachten. Analysen, in denen die Daten von peri- und postmenopausalen Teilnehmerinnen zusammen betrachtet wurden, lieferten dagegen widersprüchliche Ergebnisse. Insgesamt sei Yoga im Vergleich zu keiner Intervention hilfreich, um Schlafprobleme zu bewältigen.
Zur Verbesserung von Schlafqualität, Angst und Depression kann man postmenopausalen Frauen Qigong empfehlen. In einer randomisierten Studie nahmen 63 Patientinnen an einem zwölfwöchigen Trainingsprogramm teil, während 62 keine Interventionen erhielten. Am Ende hatten sich in der Qigong-Gruppe somatische sowie urogenitale Symptome, Schlaf, Ängstlichkeit, Depressivität und gesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant gebessert.
Wann ist Akupunktur in den Wechseljahren sinnvoll?
Schlafstörungen in der Perimenopause lassen sich offenbar gut mit Akupunktur behandeln. Dafür spricht eine Metaanalyse von neun RCT mit 968 Teilnehmerinnen. Die Kombination von Akupunktur mit einer medikamentösen Insomnietherapie (Estazolam) ist einer anderen Metaanalyse zufolge der alleinigen Medikation überlegen (14 RCT, 1.187 Patientinnen).
Die Frage, ob Akupunktur in Kombination mit chinesischer Kräutermedizin besser wirkt als eine Behandlung mit Schlafmitteln, kann derzeit nicht beantwortet werden. Zwar spricht eine Metaanalyse von 15 RCT mit 1.188 Patientinnen dafür. Die eingeschlossenen Arbeiten sind nach Auffassung von Dr. Utz und Prof. Langhorst aber nicht aussagekräftig genug. Man brauche strengere RCT von höherer Qualität.
Solche Arbeiten seien auch notwendig, um die Beobachtung, dass Akupunktur in der Perimenopause bei Depressivität und Angst hilfreich ist, abzusichern. Für den Einsatz von Akupunktur gegen vasomotorische Symptome gebe es derzeit keine Daten, die eine Bewertung erlauben.
Phytotherapeutika mit Isoflavonen, d. h. aus Soja oder Rotklee, können in einer Dosis von mindestens 30 mg/d (max. 126 mg/d) vasomotorische Symptome in der Peri- sowie Postmenopause lindern. Bei perimenopausalen Frauen lassen sich durch eine Therapie mit diesen Präparaten auch Fatigue, Angst und depressive Symptome bessern. In der Postmenopause wirken Isoflavone womöglich bei Schlafstörungen. In den Studien, die für diese Effekte sprechen, unterschieden sich die eingesetzten Isoflavone allerdings in puncto Herkunft (wie Soja oder Rotklee), Darreichungsform, Tagesdosis und Anwendungsdauer, betont das Autorenduo. Außerdem waren viele der Arbeiten von den Herstellern finanziert.
Cimicifuga (Traubensilberkerze) kann nach den Ergebnissen von zwei RCT vasomotorische Symptome in der Peri- und Postmenopause bessern. Bei Stimmungsschwankungen und Depression erscheint ihr Einsatz dagegen nicht gerechtfertigt.
Kein Hinweis auf erhöhtes Brustkrebsrisiko unter Rhapontikrhabarberwurzel-Trockenextrakt
Von Rhapontikrhabarberwurzel-Trockenextrakt (ERr 731®) profitieren perimenopausale Frauen mit vasomotorischen und psychischen Beschwerden. Dies ergab eine Metaanalyse von vier RCT mit 390 Teilnehmerinnen und einer Therapiedauer von jeweils zwölf Wochen. In der Verumgruppe gingen die Werte auf der Menopause Rating Scale im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant zurück und auch die Angst- und Depressionssymptome verminderten sich deutlich. Die Befürchtung, dass das Trockenextrakt das Brustkrebsrisiko erhöht, wurde durch eine große retrospektive Kohortenstudie entkräftet.
Für etliche weitere Phytotherapeutika ist die Evidenzlage derzeit unzureichend, schreiben Dr. Utz und Prof. Langhorst. Eine kleine RCT deutet an, dass Johanniskraut in der Perimenopause Schlafprobleme vermindert, Salbei soll in der Postmenopause die Häufigkeit von Hitzewallungen reduzieren können. Einzelne RCT gibt es u. a. auch zu Bockshornklee, Erd-Burzeldorn, Riesenfenchel und Ginseng. Sie zeigen positive Effekte auf einzelne postmenopausale Symptome.
* S3-Leitlinie Konsultationsfassung „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“; AWMF-Register-Nr. 015-062 KF; www.awmf.org
Utz S, Langhorst J. Gynäkologie 2026; doi: 10.1007/s00129-026-05521-8