Mainzerin baute Erste-Hilfe-Station in Tansania auf

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Mit Mut, Herz und handwerklichem Geschick baute Petra Mathey im Süden Tansanias eine Erste-Hilfe-Station auf.

Mit Mut, Herz und handwerklichem Geschick baute Petra Mathey im Süden Tansanias eine Erste-Hilfe-Station auf – elf Fahrstunden vom nächsten Flughafen entfernt. Heute bietet ihr Verein FASTA dort medizinische Versorgung für Hunderte Menschen.

In einer abgelegenen Region im Süden von Tansania – elf Fahrstunden vom nächsten Flughafen entfernt – gibt es eine kleine Erste-Hilfe-Station. Die ehemalige Krankenschwester ­Petra Mathey aus Mainz hat sie vor sechs Jahren gegründet und sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Sie berichtet, wie alles ­begann und wie ihre Arbeit in Afrika aussieht.

Schon mit 19 oder 20 Jahren wollte Petra Mathey gerne in Afrika arbeiten, inspiriert von einem Kollegen aus Ghana. Daraus wurde aus familiären Gründen zunächst nichts. Doch die Sehnsucht nach diesem Kontinent verließ sie nicht. Zudem wollte sie als gelernte Krankenschwester den Menschen helfen. Nachdem sie mit 53 Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden war, bot sich ihr die Möglichkeit, ihren Traum zu verwirklichen.

Freunde ihres Mannes, die sich seit 2007 in Tansania in einem Kinder- und Waisenhausprojekt engagierten, hatten einen Förderverein gegründet. So kam es, dass Mathey 2018 erstmals nach Tansania flog. Vom Flughafen bei Daressalam ging es über Morogoro und den Mikumi-Nationalpark bis Mangula, einem kleinen Ort im Süden. Die Strecke ist zwar nur 400 km lang, eine Fahrt dauert aber zehn bis elf Stunden.

Schlafsaal mit richtigen Betten ausgestattet

Acht Wochen verbrachte Mathey in dem Kinder- und Waisenhaus. Dabei fielen ihr einige Missstände auf. Die Schlafsäle für die 15 Waisen hatten beispielsweise keine Betten. Abends wurden Schaumstofffetzen auf dem Boden verteilt und darüber notdürftig ein Moskitonetz drapiert. Beim zuständigen Projektmanager setzte sie durch, dass Betten gekauft wurden. Da sich die Kinder nur in der Küche auf dem Boden versammeln konnten, baute sie mit Unterstützung des Fördervereins einen Sozialraum. Es folgten ein Hühnerstall, ein weiterer Schlafsaal und zwei Gästezimmer.

Famulatur oder Weiter­bildung in Tansania?

Petra Mathey vermittelt bei Interesse auch Famulaturen für Medizinstudierende oder Weiterbildungsaufenthalte für Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus in Ifakara. Das nächste FASTA-Projekt findet im Juli/August 2026 statt. Wer sich einbringen möchte, ist herzlich willkommen. Kontakt: mathey.p@web.de

Auch auf den Reisfeldern in Kanyenja, die der Förderverein unterhielt, arbeitete die Mainzerin mit. Auf dem Weg dorthin, etwa 10 km östlich von Mangula, wurde ihr klar, dass die Menschen dort keine medizinische Versorgung hatten. Der Weg zu Fuß nach Mangula über unbefestigte Straßen war für die meisten zu weit. Damit war die Idee geboren, direkt in Kanyenja eine kleine Erste-Hilfe-Station zu errichten. Dieses Projekt ließ sich aber mit dem Förderverein nicht realisieren. Also gründete Mathey 2019 den Verein FASTA, was für „First Aid Station Tansania“ steht.

Wieder kam ihr der Zufall zu Hilfe. Der Projektmanager in Tansania, der bereits für den Förderverein zuständig war und jetzt auch FASTA betreute, konnte günstig ein Grundstück erwerben. Sofort stürzte sich Mathey darauf, Baupläne zu zeichnen. Schließlich war ihr Vater  Architekt gewesen, hatte sie auf Baustellen mitgenommen und ihr viel beigebracht. Bei den afrikanischen Arbeitern kam dieser Tatendrang der weißen Frau jedoch zuerst nicht gut an. Respekt und Anerkennung musste Mathey sich hart erarbeiten, z. B. als es galt, die Handwerker zu überzeugen, wie eine Wasserstelle gebaut werden sollte.

Die Erste-Hilfe-Station umfasste ein Arztzimmer, ein Schwesternzimmer, ein Labor, zwei Toiletten und einen Warteraum. Weil es weder Strom noch Wasser gab, wurde ein Brunnen gegraben und eine Fotovoltaikanlage installiert. 2022 wurde das Gebäude noch um einen Wohntrakt mit fünf Zimmern erweitert. Dort wohnen heute ein Arzt mit seiner Frau, eine Krankenschwester und eine Laborantin. So ist quasi rund um die Uhr eine medizinische Versorgung sichergestellt. Das Gehalt ist nicht allzu hoch, Kost und Logis aber frei und das Restgrundstück darf für Gemüseanbau genutzt werden.

Inzwischen umgibt eine Mauer die Station, um die abends auftauchenden Elefanten davon abzuhalten, quer übers Grundstück zu laufen. Jetzt gehen die Tiere außen herum, pflücken aber immer noch die Mangos von den Bäumen.

Es gibt zudem einen Ableger von FASTA mit Einheimischen, der heute 60 Mitglieder hat. Einmal im Jahr findet in Kanyenja eine Mitgliederversammlung statt. Dann fragt Mathey nach aktuellen Bedürfnissen. Einmal baten die Frauen, die in den umliegenden Reisfeldern arbeiten, zusätzliche Außentoiletten zu bauen, was nicht geplant war. Die Begründung: Wenn eine Frau im Freien ihre Notdurft verrichtet, besteht die Gefahr einer Vergewaltigung. Die Toiletten wurden sofort gebaut.

Bei Sehschwäche hilft die „EinDollarBrille“

Was führt die Menschen in die Erste-Hilfe-Station? „Wir sehen viele Infektionen, etwa Harnwegsinfekte oder Verletzungen“, so Mathey. Viele nutzen das Angebot auch, um ihre Medikamente abzuholen. Neben der Station, dem Kernprojekt, gibt es zweimal im Jahr besondere Aktionen, die die Vereinsvorsitzende begleitet. So passt sie in Zusammenarbeit mit der Vereinigung „EinDollarBrille“, einheimischen Augenärzten und Optikern Menschen mit Sehschwächen Brillen an. Auch Augenoperationen werden organisiert, hauptsächlich wegen Pterygium oder Katarakt.

Ein weiteres Projekt wendet sich an Frauen und Kinder – mit gynäkologischen Untersuchungen, Behandlungen und Operationen, Aufklärungen zur Empfängnisverhütung, Krebsvorsorgen, Schwangerenbetreuung und Impfungen. Das findet i. d. R. im Krankenhaus in Kiberege, ca. 12 km südlich von Mangula, statt. Aufklärungen finden auch in Schulen statt.

Ein künftiges Projekt soll Untersuchungen und Behandlungen von Männern mit BPH bieten. Neu ist die Versorgung von Schwerhörigen mit Hörgeräten. Ferner kauft Mathey von den Spendengeldern regelmäßig Rollstühle, die sie persönlich bei den Familien abliefert. Bei den genannten Projekten übernimmt FASTA die kompletten Kosten und finanziert zusätzlich Einzelbehandlungen.

Mathey fährt zweimal im Jahr nach Tansania, um sich ein Bild zu machen und bei den Projekten mitzuarbeiten. Was sie immer wieder überrascht: wie glücklich und gut gelaunt die Menschen dort sind trotz der herausfordernden Lebensumstände und des Kampfs ums Überleben. Zurück in Deutschland ist die Ernüchterung groß, wenn sich die Landsleute über Kleinigkeiten aufregen. Insofern empfindet die Mainzerin ihre Arbeit als sehr bereichernd. Und die Momente, wenn sie sieht, wie ein Rollstuhl oder eine OP das Leben der Menschen extrem verbessern, möchte sie nicht missen.

Ohne Spenden geht es nicht

Wie andere Hilfsorganisationen ist auch FASTA auf Spenden angewiesen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 24 Euro pro Jahr. Mindestens zweimal im Jahr gibt es einen Newsletter, in dem über die aktuellen Projekte berichtet wird. Mehr Infos: verein-fasta.de