Ösophaguskarzinom

Verschiedene Faktoren bestimmen das Risiko für ein Ösophaguskarzinom

Aus der Fachliteratur
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Die Entwicklung eines Ösophaguskarzinoms wird begünstigt durch Risikofaktoren wie Rauchen oder einen gastroösophagealen Reflux.

Die Genese des Ösophaguskarzinoms ist multifaktoriell: Ob das Malignom bei einer Person eher früher oder später im Leben entsteht, wird neben bekannten genetischen Markern auch durch verschiedene modifizierbare Parameter beeinflusst.

Für das Risiko, an einem Ösophaguskarzinom zu erkranken, spielt das Erbgut eine wichtige Rolle. Anhand eines auf der Basis von 23 genetischen Varianten entwickelten polygenen Risikoscores lässt sich die kumulative genetisch bedingte Belastung einer Person einschätzen. Neben dem Genprofil wird die Entwicklung dieses Malignoms jedoch auch durch andere, zum Teil modifizierbare Faktoren beeinflusst ‒ vom Rauchen über Sport und Ernährung bis zu Medikamenten.

Hauptsächlich Männer über 50 Jahre betroffen

Im Sinne einer zielgerichteten Prävention ist es wichtig, den Zusammenhang zwischen der genetischen Prädisposition und anderen Risikofaktoren für das Karzinom besser zu verstehen. Daher prüften Dr. Vera Koch vom Universitätsklinikum Marburg und ihr Team in zwei Patientenkohorten verschiedene Faktoren und Lebensstilcharakteristika, die vor der Diagnose des histologisch gesicherten Ösophaguskarzinoms bestanden. Insgesamt ließen sich die Daten von 1.742 in Deutschland lebenden Erwachsenen europäischer Herkunft auswerten (88 % Männer), die beim Auftreten der Erkrankung durchschnittlich 62 Jahre alt waren, der Großteil (89 %) war zu Krankheitsbeginn > 50 Jahre alt. Für 1.190 der Patientinnen und Patienten lag ein polygener Risikoscore vor.

Das Alter bei Krankheitsbeginn diente als Surrogatmarker für das Krankheitsrisiko und wurde als primärer Endpunkt definiert. Analysiert wurde die Assoziation dieses Endpunkts mit 13 Einflussfaktoren, die teilweise in einem Fragebogen erhoben worden waren. Dazu gehörten der Body-Mass-Index, ein gastrointestinaler Reflux, ein Barrett-Ösophagus, verschiedene Ernährungsparameter, Bildung, körperliche Bewegung, Rauchen, Alkoholkonsum und Medikation (z. B. ASS und Protonenpumpenhemmer). Die Angaben zum Lebensstil wurden teilweise dichotom geordnet, z. B. wurde der Verzehr von rotem Fleisch, Obst oder Gemüse von jeweils mehr als dreimal pro Woche als häufig definiert; bei Fisch galt dies bei einem Verzehr von mehr als einer Mahlzeit pro Woche. Mindestens einmal wöchentlich Sport zu treiben, wurde als regelmäßig bezeichnet; diese Definition wurde auch bezüglich des Alkoholkonsums oder Medikamenteneinnahme verwendet.

Mediterrane Ernährung mit möglichem Schutzeffekt

Die höchste Korrelation mit einem frühen Krankheitsbeginn zeigten ein gastroösophagealer Reflux und Rauchen. Früh erkrankten ebenfalls Personen mit hohem polygenen Risikoscore, was sich v. a. bei den unter 50-Jährigen zeigte. Mit einem späteren Manifestationsalter waren hingegen körperliche Bewegung sowie ein häufiger Konsum von Fisch und Obst signifikant assoziiert. Diese Tendenz ergab sich auch für eine Ernährung, die reich an Gemüse war; insgesamt sprechen die Ergebnisse für eine präventive Wirkung einer mediterranen Diät. Alkoholkonsum, BMI und Barrett-Ösophagus zeigten keinen signifikanten Einfluss auf den Krankheitsbeginn.

ASS plus PPI korreliert mit spätem Krankheitsbeginn

Ein interessantes Ergebnis bestätigte frühere Studiendaten: Während die Einnahme von ASS oder Protonenpumpenhemmern jeweils nur eine geringe Assoziation zeigte, korrelierte die kombinierte Medikation mit diesen Pharmaka stark mit einem späteren Krankheitsbeginn. Die Ergebnisse könnten, so das Autorenteam, zu zielgerichteten Präventionsstrategien unter Berücksichtigung der genetischen Prädisposition für ein Ösophaguskarzinom beitragen.

Koch V et al. United European Gastroenterol J 2026; 14: e70236; doi: 10.1002/ueg2.70236

Dr. Susanne Meinrenken

Dr. Susanne Meinrenken ist als freie Autorin u. a. für die Medical Tribune tätig. Nach ihrer Approbation begann sie 1998 ihre freiberufliche Tätigkeit als Autorin, Journalistin und Redakteurin im Bereich Humanmedizin. So verschieden wie die Zielgruppen ihrer Texte – Medizinerinnen und Mediziner, Studierende oder Laien – sind auch die Fachbereiche, in denen Susanne Meinrenken tätig ist: Neurologie und Psychiatrie, Pneumologie, Gynäkologie und Onkologie sowie internistische und allgemeinmedizinische Texte oder auch Public-Health-Themen.

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