Über kurz oder lang – Therapieansätze bei Long COVID
Patienten mit anhaltenden Beschwerden nach COVID-19 erleben häufig eine regelrechte Odyssee. Sie beginnt bei der Diagnose und geht bei der Therapie weiter. „Das ist zeitaufwendig für jeden Arzt, und für den Patienten ein Horror.
Es ist ein Kostenfaktor, immens fürs Gesundheitssystem – das will ja eigentlich gar keine Seite“, sagt PD Dr. Bettina Hohberger in der aktuellen Folge von O-Ton Allgemeinmedizin. Am Universitätsklinikum in Erlangen forscht sie zusammen mit Kollegen zu Long COVID und zu möglichen Therapieansätzen. Das Ziel ihrer Studie disCOVer: einen Biomarker zu identifizieren bzw. zu generieren, mit dem sich die Erkrankung klar fassen lässt.
Schon jetzt weiß man, dass es bei Long COVID mindestens drei Gruppen von Patienten gibt, die sich im Hinblick auf die Krankheitswege unterscheiden. Bei einem Teil der Patienten liegt wohl ein Autoimmunphänomen vor. Genau für diese Gruppe von Long-COVID-Patienten erforschen Dr. Hohberger und Kollegen in der reCOVer-Studie das Potenzial eines sog. Aptamers. Es soll die Autoimmunprozesse auf eine Weise beeinträchtigen, die zu einer Linderung der Beschwerden führt. Im Gespräch mit Dr. Cornelia Werner aus Erbach erklärt die Kollegin, wie die beiden Studien disCOVer und reCOVer aufgebaut sind und welchen Erkenntnisgewinn sich die beteiligten Kollegen davon erhoffen.
Ein weiterer Therapieansatz, der auf das Autoantikörperphänomen abzielt, ist die Immunadsorption. Bei dem Verfahren werden Autoantikörper und Immunkomplexe entfernt. Bei Long-COVID-Patienten wird sie bislang nur im Rahmen individueller Heilversuche angewandt. Im Gespräch mit Dr. Werner erklärt PD Dr. Georg Schlieper vom Zentrum für Nieren-, Hochdruck- und Stoffwechselerkrankungen in Hannover, wie das Verfahren funktioniert. Er berichtet außerdem von seinen bisherigen Erfahrungen in der Behandlung von Long-COVID- und ME/CFS-Patienten.
In der Podcastfolge geben die beiden Experten zudem Antworten auf die Frage, welche diagnostischen Schritte zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll sind – und welche nicht. Denn solange es sich bei den meisten Erkenntnissen noch um reines Studienwissen handelt, müssen Patienten die gewünschten Untersuchungen (z.B. auf mit Long COVID assoziierte Autoantikörper) selbst zahlen. „Und das ist ein Riesenbetrag“, betont Dr. Hohberger. Zudem wisse man inzwischen, dass Long COVID ein multifaktorielles Geschehen ist. Autoantikörper seien zwar ein wichtiger Ansatzpunkt, sie allein machten aber noch keine Erkrankung.
Weitere Informationen:
Dr. Bettina Hohberger auf Twitter: @Dr_B_Hohberger
Mehr zum O-Ton Allgemeinmedizin
Den Podcast O-Ton Allgemeinmedizin gibt es alle 14 Tage donnerstags auf den gängigen Podcast-Plattformen. Abonnieren Sie uns und machen Sie auch gerne Themenvorschläge. Kontakt zur Redaktion unter: o-ton-allgemeinmedizin@medtrix.group