Erweiterung des Organspendepools

Kurze Virostatikagabe ermöglicht Organspende trotz Hepatitis C

Aus der Fachliteratur
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|Lesezeit: 3 Min
Dr. Susanne Meinrenken
Die Verwendung von Organenen von Spenderinnen und Spendern mit Hepatits-C-Virus erweitert den weltweit knappen Spenderpool.

Spenderorgane sind knapp. Während Hepatitis-C-Virus-positive Personen früher als Spenderinnen und Spender vermieden wurden, kommen diese Dank moderner Virostatika nun infrage. Statt der üblichen acht- bis zwölfwöchigen Therapie ist auch ein viel kürzeres Protokoll effektiv.

In den letzten Jahren trafen in den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Organspende zwei Entwicklungen aufeinander: Zum einen forderte der massenhafte Opiatmissbrauch in den USA viele Todesopfer – darunter auch HCV-positive, aber ansonsten gesunde, junge Menschen, die als potenzielle Spendende in Betracht gezogen werden konnten. Zum anderen kamen direkt wirkende Virostatika auf den Markt. Nach einer postoperativen Virostatikagabe über acht bis zwölf Wochen wurde es möglich, Organe von HCV-positiven Personen auch Empfängerinnen und Empfängern ohne HCV-Infektion zu transplantieren.

Kurztherapie mit Virostatika bei Organspende von HCV-positiven Personen umfasst nur acht Tage

Zu den bestehenden Problemen unter dieser Therapie gehörten Wechselwirkungen zwischen Virostatika und Immunsuppressiva. Zudem konnte es zu hohen HCV-Spiegeln im Zeitraum zwischen Transplantation und Therapiestart kommen. Diesen Schwierigkeiten wurde mit einer früh einsetzenden und verkürzten Therapie namens Toronto-HCV-Protokoll begegnet: Es sieht die Gabe von oralem Glecaprevir (300 mg) und Pibrentasvir (120 mg) sowie Ezetimib (10 mg) täglich über nur acht Tage vor, wobei die erste Dosis bereits sechs bis zwölf Stunden vor der Transplantation eingenommen wird. Glecaprevir kombiniert mit Pibrentasvir wirkt als HCV-Protease- und NS5A*-Inhibition und verhindert zusammen mit dem NPC1L1**-Blocker Ezetimib das Eindringen und die Vermehrung von Hepatitis-C-Viren verschiedener Genotypen in Leberzellen.

Nachdem sich dieses Protokoll in einer Pilotstudie als wirksam erwiesen hatte, führten Dr. Wesam Aleyadeh vom Toronto Centre of Liver Disease et al. eine retrospektive Kohortenstudie mit HCV-negativen Erwachsenen durch, denen ein Organ (mit Ausnahme der Leber) einer HCV-positiven Person transplantiert worden war. Ausschlusskriterien waren eine HIV- oder Hepatitis-B-Infektion sowie aufseiten der Empfängerinnen bzw. Empfänger u. a. eine schwere Lebererkrankung. Zwischen 2019 und 2024 hatten 116 nachweislich HCV-negative Personen eine Niere, Lunge, Herz, Pankreas oder Niere plus Pankreas von insgesamt 72 HCV-positiven Spenderinnen und Spendern erhalten. Ihnen wurden je ein bis vier gematchte Patientinnen und Patienten zugeordnet, die ein Organ von einer HCV-negativen Person erhalten hatten.

HCV-Nachweis zwölf Wochen nach Transplantation negativ

Alle Teilnehmenden, die ein Organ eines HCV-positiven Spenders oder Spenderin erhalten hatten, erreichten den primären Endpunkt, ein HCV unterhalb der Nachweisgrenze zwölf Wochen nach der Transplantation. Zwei Personen verstarben, in ihrer letzten vorliegenden Messung konnte ebenfalls kein Virus nachgewiesen werden. Ob durch diese kurze Virostatika-Behandlung eine HCV-Infektion bei den Organempfängerinnen oder -empfängern verhindert oder rasch beseitigt wurde, bleibt unklar. Bezüglich der sekundären Endpunkte zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen der HCV-positiven und -negativen Spenderinnen und Spendern beim jeweils auf das transplantierte Organ bezogenen 2-Jahres-Überleben oder bei der Organfunktion ein Jahr nach der Transplantation. Es traten weder klinisch signifikante Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten auf, noch Fälle von Therapieabbruch, Todesfälle im Zusammenhang mit der Medikation oder HCV-bedingte Komplikationen.

Vorteil des effektiven Toronto-HCV-Protokolls ist v. a. die kurze Dauer. So wird die Virostatikagabe noch vor Entlassung abgeschlossen und die logistisch herausfordernde sowie potenziell stärker belastende längere poststationäre Therapie kann entfallen.

* Nichtstrukturprotein 5A

** Niemann-Pick C1 like 1

Aleyadeh W et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2026; doi: 10.1016/ S2468-1253(26)00237-2

Dr. Susanne Meinrenken

Dr. Susanne Meinrenken ist als freie Autorin u. a. für die Medical Tribune tätig. Nach ihrer Approbation begann sie 1998 ihre freiberufliche Tätigkeit als Autorin, Journalistin und Redakteurin im Bereich Humanmedizin. So verschieden wie die Zielgruppen ihrer Texte sind auch die Fachbereiche, in denen Susanne Meinrenken tätig ist.

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