Vor menopausaler Hormonbehandlung das Brustkrebsrisiko bestimmen
Hitzewallungen, Schlafstörungen, Dyspareunie: Die MHT lindert klimakterische Beschwerden effektiv. Entscheidend ist jedoch die Nutzen-Risiko-Abwägung beim Brustkrebsrisiko – je nach Präparat, Dauer und Ausgangsrisiko.
Klimakterische Symptome können die Lebensqualität der betroffenen Frauen erheblich beeinträchtigen. Die menopausale Hormontherapie (MHT) ist der wirksamste Weg, um klimakterische Beschwerden zu therapieren, schreiben Anne Gompel, Universität Paris, und Richard Simcock, Hospitals Sussex NHS Foundation Trust, Brighton. Da bekannt ist, dass u. a. gonadale Hormone die Entstehung von Brustkrebs beeinflussen, sind die Auswirkungen der exogenen Hormonexposition, wie sie im Rahmen einer MHT erfolgt, von großem Interesse. Das Mammakarzinom ist weltweit die häufigste Krebsart bei Frauen. Im Jahr 2022 wurden 2,3 Millionen Neuerkrankungen registriert.
Brustkrebsrisiko variiert je nach Hormonregime
Eine MHT kann entweder in Form einer Östrogenmonotherapie erfolgen (bei Frauen nach einer Hysterektomie) oder als kombinierte Östrogen-Progestagen-Behandlung (CMHT; bei Frauen mit einem Uterus). Das mit einer MHT assoziierte Brustkrebsrisiko variiert je nach dem individuellen Ausgangsrisiko für Brustkrebs und nach der Art der Hormonbehandlung.
Unter einer CMHT ist das relative Risiko für Brustkrebs höher als unter einer Monotherapie mit Östrogen, es steigt mit der Dauer der Behandlung und fällt nach Absetzen der Therapie allmählich ab. Sequenzielle Behandlungsschemata sind möglicherweise mit einem geringeren Risiko verbunden als kontinuierliche. Zwischen den verschiedenen synthetischen Progestinderivaten gibt es keine eindeutigen Unterschiede was die Entstehung von Mammakarzinomen anbelangt. In Beobachtungsstudien wurde sowohl für mikronisiertes Progesteron als auch für Dydrogesteron ein geringeres Brustkrebsrisiko beobachtet als unter synthetischen Progestinen. Allerdings gibt es keine randomisierte Studie zu diesem Thema.
Individuelles Ausgangsrisiko vor Therapiebeginn klären
Die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, hängt aber – unabhängig von einer MHT – auch von dem individuellen Ausgangsrisiko der Frau für ein Mammakarzinom ab. Daher sollte vor Beginn einer MHT möglichst abgeklärt werden, ob die jeweilige Patientin ein hohes, mittleres oder niedriges Risiko für ein Mammakarzinom mitbringt. Starke und intermediäre Risikofaktoren sind dabei klar definiert (siehe Kasten). Einige davon lassen sich wirksam behandeln, wodurch die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, gesenkt werden kann.
Vor einer MHT sollte das Risiko für die Entstehung von Brustkrebs bestimmt werden
Starke Risikofaktoren (Erhöhung um mehr als das Vierfache)
BRCA-Mutation, positive Familienanamnese (Angehörige ersten Grades mit prämenopausalem Brustkrebs) ohne Mutation
Biopsie mit atypischer Hyperplasie, lobulärem oder duktalem Carcinoma in situ
Thorakale Radiotherapie in jungem Alter (meist aufgrund einer Hodgkin-Erkrankung)
Erhöhte Dichte des Brustgewebes um das Zwei- bis Vierfache (BIRADS*-Kategorie D)
Intermediäre Risikofaktoren (Erhöhung um etwa das Zweifache)
Frühe Menarche (< 13 Jahre)
Späte Menopause (> 51 Jahre)
Höheres Alter bei der ersten voll ausgetragenen Schwangerschaft (≥ 35 Jahre)
Postmenopausale Adipositas
Brustdichte mit BIRADS-Kategorie C
Metabolisches Syndrom und Diabetes
Alkohol
Rauchen
körperliche Inaktivität
Aussetzung von Umweltverschmutzungen
Die Einschätzung des Brustkrebsrisikos unter Hormontherapie ist komplex, räumt das Autorenduo ein. Die wichtigste Quelle an qualitativ hochwertigen Daten sind nach wie vor große randomisierte kontrollierte Studien (RCTs). Diese zeigen ein reduziertes Risiko unter einer MHT mittels Östrogenmonotherapie, aber ein erhöhtes unter CMHT. Neuere Fall-Kontroll- und Bevölkerungsstudien sprechen für die Sicherheit von aktuellen MHT-Formulierungen, die sich deutlich von denjenigen unterscheiden, die in RCTs untersucht wurden. Gleichzeitig haben sich die Therapiestandards bei Brustkrebs verändert, und die Sterblichkeit ist deutlich gesunken.
* breast imaging and data system
Gompel A, Simcock R. Lancet Diabetes Endocrinol 2026; doi: 10.1016/S2213-8587(25)00394-8
Was tun bei urogenitalem Menopausensyndrom?
Entwickeln Frauen ein urogenitales Menopausensyndrom (GMS) kann die lokale (vaginale) Applikation von Befeuchtungs- bzw. Gleitmitteln, Östrogenen oder Angrogenen die GMS-Beschwerden lindern und eine Dyspareunie bessern. Bei Frauen ohne Brustkrebs bestehen keine Kontraindikationen gegen hormonelle vaginale GMS-Therapien. Bei Brustkrebsüberlebenden gilt Prasteron als sicher, die Datenlage ist jedoch sehr limitiert.