Strategien gegen Falschnachrichten in den sozialen Medien

Fake News zu UV-Schutz: So lässt sich gegensteuern

36. Deutscher Hautkrebskongress
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Stand: 
|Lesezeit: 6 Min
Videos mit kritischen Inhalten zu UV-Schutz machen nur einen Bruchteil der Beiträge auf den sozialen Medien aus. Sie erzielen aber mehr Aufmerksamkeit als solche mit positiven Inhalten.

Zu Sonnencreme kursieren auf Plattformen wie TikTok zahlreiche Falschinformationen. Zwar sind solche Inhalte in der Minderheit, doch sie erzielen besonders viele Likes, Shares und Kommentare. Wie lässt sich wirksam gegensteuern?

In den sozialen Medien tummeln sich die Falschinformationen – auch zum Thema UV-Schutz. Die oft jungen Nutzer:innen stoßen mitunter auf Aussagen wie: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sonnenbrillen Hautkrebs fördern“ oder „Wer Sonnencreme benutzt, ist dumm“.

Nicht die Menge der Desinformation ist das zentrale Problem, sondern ihre überproportionale Anschlussfähigkeit.

Dr. Inga-Marie Hübner

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, Buxtehude

Tatsächlich machen solche Videos mit kritischen Inhalten zu UV-Schutz nur einen Bruchteil der Beiträge in den sozialen Medien aus; die Mehrheit der Clips spricht sich positiv für Schutzmaßnahmen aus. Das zeigt eine Studie aus Kanada, in der Forschende die 971 reichweitenstärksten TikTok-Videos zum Thema Sonnencreme analysiert haben. In 86,8 % der Clips wurde der UV-Schutz befürwortet, 6,0 % enthielten Kritik und nur in 1,5 % der Fälle wurde Sonnenschutzmittel ausschließlich als schädlich dargestellt.

Die Videos, die ausschließlich Kritik an Sonnenschutzmitteln äußerten, erhielten allerdings signifikant mehr Likes, Shares und Kommentare als Beiträge mit positiven Aussagen.2 „Nicht die Menge der Desinformation ist das zentrale Problem, sondern ihre überproportionale Anschlussfähigkeit“, erklärte Dr. Inga-Marie Hübner von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, Buxtehude. Fake News und gefährliche Trends verbreiten sich daher schnell.

Irreführende Werbung – „geschützt und gesund gebräunt“?

Sonnenschutzmittel sind eine empfohlene Präventionsmaßnahme und zugleich ein kommerzielles Konsumprodukt. Damit nehmen sie in der UV-Schutzkommunikation eine besondere Stellung ein, sagte Dr. Hübner.

In der Werbung wird Sonnencreme nicht nur als Schutz dargestellt, sondern auch mit einem attraktiven Lebensgefühl verbunden, so die Expertin. Eine Diskursanalyse aus Schweden von historischen und aktuellen Anzeigen eines bekannten Sonnencremeherstellers zeigte, dass in der Werbung die UV-Schutzmittel wiederholt mit Gesundheit, Attraktivität sowie positiven Erlebnissen in der Sonne verknüpft werden und zurückblickend das Versprechen einer „schönen Bräune ohne Sonnenbrand“ etabliert wurde.1

Erwartungsgemäß ist Sonnenschutzmittel in der Bevölkerung beliebt, das Anwendungsverhalten jedoch meist nicht empfehlungskonform. In einer repräsentativen, vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebenen Befragung gaben 77 % der Teilnehmenden an, Sonnencreme als UV-Schutzmaßnahme zu nutzen.2 Eine weitere Arbeit zeigte, dass sich jedoch 34 % erst eincremen, wenn sie bereits in der Sonne sind, und dass 59,5 % das empfohlene Intervall zum Wiederauftragen nicht einhalten; außerdem wird oft zu wenig Produkt aufgetragen.3 Hinzu kommt, dass Sonnenschutzmittel insbesondere bei bestehender Bräunungsabsicht zu einer Verlängerung der Sonnenexposition beitragen können, betonte Dr. Hübner.

Die UV-Schutzkommunikation muss somit realistische Erwartungen an die Schutzwirkung fördern, betonte die Referentin. Werbeaussagen, die den Eindruck einer risikofreien oder gesunden UV-induzierten Bräunung durch Sonnenschutzmittel suggerieren, könne man nach Einschätzung der Expert:innengruppe der S3-Leitlinie „Prävention von Hautkrebs“ zudem als irreführende Werbung einstufen.

1. O’Hagan LA, Kenalemang-Palm LM. Critical Studies in Fashion & Beauty 2025; 16: 171-195; doi: 10.1386/csfb_00098_1

2. Bevölkerungsbefragung des Bundesamts für Strahlenschutz: Bewusstsein und Schutzmaßnahmen vor UV-Strahlung anlässlich der EURO 2024

3. Görig T et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2020; 34: 1112-1117; doi: 10.1111/jdv.16100

 

Warum sich irreführende Inhalte in den sozialen Medien besonders gut verbreiten

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