Allergieprävention durch Mikroorganismen
Bislang ist es nicht gelungen, mit Bakterien oder deren Stoffwechselprodukten Allergien vorzubeugen. Das könnte sich in Zukunft ändern.
Was haben das Stillen und eine vaginale Geburt gemeinsam? Beides hat zur Folge, dass beim Nachwuchs mehr Bifidobakterien auf der Haut und im Darm siedeln, erklärte Prof. Dr. Peter Höger vom Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. Die Keime bilden aromatische Laktatverbindungen wie 4-Hydroxyphenyllaktat, die entzündungshemmend wirken.
Weniger IgE als Hinweis auf bessere Immuntoleranz
Die Stoffwechselprodukte der Bakterien scheinen laut der Studie einer internationalen Forschungsgruppe auch langfristig positive Effekte zu haben: Je höher die Konzentration aromatischer Laktate im Darm von Säuglingen war, desto weniger nahrungsmittelspezifisches IgE befand sich im Blut. Diese Antikörper gelten als früher Hinweis auf eine gestörte Immuntoleranz. Bei Zweijährigen konnte zudem gezeigt werden, dass ein hoher Gehalt an 4-Hydroxyphenyllaktat im Stuhl mit einem geringeren Risiko für atopische Dermatitis assoziiert war.
„Ich wage zu sagen, dass aromatische Laktate der kommende Hype sein werden“, meinte Prof. Höger. „Damit werden wir versuchen, das Immunsystem von Kindern positiv zu beeinflussen – insbesondere, wenn in der Familie eine Neigung zu allergischen Erkrankungen besteht“, zeigte er sich zuversichtlich. Nebenwirkungen seien bisher nicht bekannt.
Next-Generation-Probiotics: Hoffnungsträger bei Ekzemen
Mit Hoffnung blickt der Kollege auch auf die sogenannten Next-Generation-Probiotics, die u. a. biotechnologisch modifizierte Bakterien umfassen. Solche Mikroben können beim atopischen Ekzem eingesetzt werden, um auf der erkrankten Haut fehlende Lipide und antimikrobielle Peptide zu produzieren oder um Th2-Immunantworten zu inhibieren. Inwiefern sich die beiden Ansätze für die Prävention oder Therapie von Atopien eignen, müsse jedoch in klinischen Studien geklärt werden.
