Pulsoximeter messen bei dunkler Haut weniger genau
Pulsoximeter überschätzen bei dunklerer Haut häufig die Sauerstoffsättigung. Das kann gefährlich werden – Hypoxämien bleiben womöglich unerkannt. Forschende fordern strengere Prüfstandards für die Geräte.
Pulsoximeter werden zunehmend auch im Heimgebrauch eingesetzt, um die Sauerstoffsättigung (SpO2) zu messen. Allerdings können die Messwerte von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Einer davon ist der Hauttyp, da pigmentreichere Haut mehr Licht des Pulsoximeters absorbieren kann. Infolgedessen könnte das Gerät fälschlicherweise eine höhere Sättigung anzeigen. So haben Studien gezeigt, dass Pulsoximeter bei Menschen mit dunklerer Haut die Sauerstoffsättigung überschätzen können. Dies könnte zur Folge haben, dass eine Hypoxämie verspätet oder gar nicht erkannt wird und dadurch lebensrettende Maßnahmen verzögert erfolgen oder ausbleiben, schreiben Forschende um Prof. Daniel Martin von der University of Plymouth. Wie genau sich der Hautton auf die Messgenauigkeit auswirkt, war jedoch bisher unklar. Dies untersuchte das Team daher anhand von fünf verschiedenen Geräten.
Die Fingerpulsoximeter testeten sie auf 24 Intensivstationen, da dort Menschen mit niedriger Sauerstoffsättigung routinemäßig streng überwacht werden. Zur objektiven Bestimmung des Hauttons nutzten sie ein Spektralphotometer. Die SpO2-Werte verglichen sie mit den als Goldstandard geltenden Werten aus der arteriellen Blutgasanalyse (SaO2). Festgelegt wurden zwei Schwellenwerte, die über den medizinischen Handlungsbedarf (94 %) bzw. die Notwendigkeit einer Notfalleinweisung (92 %) bestimmten.
Bis zu 1,5 Prozentpunkte höhere Messwerte
Die Forschenden verwendeten Daten von 903 kritisch Kranken (Durchschnittsalter 56 Jahre; 67 % Männer) und analysierten insgesamt 11.018 SpO2- und SaO2-Messpaare. Alle fünf Pulsoximeter zeigten bei Menschen mit dunklerer Haut höhere SpO2-Werte als bei jenen mit hellerer Haut. Die Unterschiede lagen im Schnitt zwischen 0,6 und 1,5 Prozentpunkten. Bei dunklerer Haut zeigten sie zudem deutlich häufiger normale Werte (SpO2 > 94 %) an, obwohl die tatsächliche Sauerstoffsättigung im Blut erniedrigt war (SaO2 ≤ 92 %). Der Anteil dieser falsch-negativen Messungen lag zwischen 5,3 und 35,3 Prozentpunkten, mit einer Rate Ratio von 2,3 bis 7,1. Falsch-positive Messungen (fälschlicherweise angezeigte niedrige Sauerstoffsättigungen) nahmen mit dunklerem Hautton hingegen ab. Die FDA hat sich dem Thema bereits angenommen: Sie empfiehlt in einem aktuellen Leitlinienentwurf unter anderem, Pulsoximeter an mindestens 150 Personen mit unterschiedlichen Hauttönen zu evaluieren.
In einem begleitenden Editorial empfehlen Prof. Thomas Valley von der Universität in Colorado und Prof. Andrew Fogarty von der Universität Nottingham, dass Ärztinnen und Ärzte die Messwerte bei Menschen mit dunklerer Haut mit Bedacht und im Rahmen des klinischen Kontexts interpretieren sollten.
Martin DS et al. BMJ 2026; doi: 10.1136/bmj-2025-085535
2Valley TS, Fogarty AW. BMJ 2026; doi: 10.1136/bmj.s37