Leitlinie zur UV-Therapie der Haut

UV-Licht als Heilmittel bei Hauterkrankungen

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 5 Min
UV-Therapien sind nach wie vor ein wichtiger Teil dermatologischer Behandlungsansätze. Jedoch müssen sie spezifisch auf die Anforderungen der Patientinnen und Patienten zugeschnitten sein.

UV-Strahlen stimulieren unter anderem das Immunsystem, reduzieren infiltrierende T-Zellen und beeinflussen den Kollagenstoffwechsel. Neben modernen zielgerichteten Therapien haben UV-Behandlung und Photochemotherapie (PUVA) daher nach wie vor einen hohen Stellenwert bei einigen dermatologischen Erkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Eine häufige Indikation für UV-Therapien bleibt die mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis, insbesondere bei Erwachsenen. Genutzt wird UVB 311 nm (Schmalband, ggf. auch als Balneophototherapie) oder mittlere Dosen UVA1 (340–400 nm). Empfohlen werden maximal zwei Zyklen jährlich. Nur zweite Wahl sind laut den Autorinnen und Autoren der S1-Leitlinie UVA/B, Breitband-UVB (280-320 nm) und UVA. Eine PUVA kommt in Betracht, wenn andere UV-Therapien erfolglos blieben und zugelassene Pharmakotherapien nicht infrage kommen (Therapieversagen, Kontraindikationen, Nebenwirkungen).

Für wen UV-Therapien nicht geeignet sind

absolute Kontraindikationen:

  • Gendefekte, die die UV-Empfindlichkeit oder das Hautkrebsrisiko erhöhen (z. B. Albinismus, Trichothiodystrophie, Bloom-Syndrom, Gorlin-Syndrom)

  • parallele orale Einnahme von Ciclosporin, Azathioprin, Mycophenolatmofetil und Tacrolimus

  • für PUVA: Schwangerschaft und Stillzeit (wegen 8-MOP) (bei 311 nm UVB sollte eine Folsäuresubstitution erfolgen)

  • bei Ganzkörper-UV-Therapie: körperliche Einschränkungen (z. B. Frailty, Kreislaufinstabilität, unkontrollierte Epilepsie) in Bezug auf den Aufenthalt in einer UV-Kabine

relative Kontraindikationen:

  • kutane Malignome in der Patientenhistorie, schwere aktinische Hautschäden, frühere exzessive UV-Expositionen

  • atypische (dysplastische) Nävuszellnävi

  • Photodermatosen (polymorphe Lichtdermatose, Lichturtikaria, chronische aktinische Dermatitis, aktinische Prurigo, erythropoietische Protoporphyrie) falls Einsatz nicht zur (prophylaktischen) Therapie (UV-Hardening) dient

  • photoaggravierbare Dermatosen (u. a. Lupus erythematodes, Dermatomyositis, M. Darier, transienten akantholytischen Dermatosen, photoaggravierte Ekzeme)

  • aktive Herpesinfektion

  • zurückliegende Exposition gegenüber Arsen oder ionisierenden Strahlen

  • frühere Langzeittherapie mit Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Azathioprin, Mycophenolatmofetil, Tacrolimus

  • Einnahme von photosensibilisierenden Medikamenten (u. a. Hydrochlorothiazid, Naproxen, Methotrexat, verschiedene Krebsmedikamente, Ciprofloxacin, Tetracyclin, Doxycyclin, Griseofulvin)

Kinder und Jugendliche sollten UV-Therapien generell nur nach sorgfältiger Nutzen-/Risikobewertung und begrenzt (Zeit und niedrigstmögliche Dosis) erhalten. Je nach Hauttyp können bei AD UVB 311 oder UVA1 (bis 50 J/cm2) erwogen werden.

Im Falle einer nodulären Prurigo haben die UVA-Therapien (PUVA, moderate UVA1-Dosen) eine starke Empfehlung erhalten. Eine Schmalband-UVB kann erwogen werden, hinsichtlich Breitband-UVB hat sich das Leitliniengremium neutral gehalten. Keine Empfehlungen für oder gegen UVA-Therapien oder Breitband UVB gibt es für den Pruritus generell. Liegen keine nodulären Läsionen vor, gibt es zur Juckreizlinderung eine schwache Empfehlung für Schmalband-UVB.

Falls ein moderates bis schweres chronisches Hand- bzw. Fußekzem (dishydrosiform oder hyperkeratotisch) nicht auf topische Glukokortikoide anspricht, hilft eventuell topische PUVA, alternativ und mit einer etwas schwächeren Empfehlung können UVB 311, UVA1 eingesetzt werden. Ein ähnliches Vorgehen empfehlen die Leitlinienautorinnen und -autoren bei anderen palmoplantaren Manifestationen z. B. bei Psoriasis. Zur Therapie der palmoplantaren Pustulose wird nur noch die topische PUVA wirklich empfohlen. Von UVB-Therapien wird weder abgeraten noch werden sie explizit empfohlen. Von UVA1-Therapie und systemischer PUVA rät die Autorengruppe ab.

Was empfiehlt die UV-Therapie-Leitlinie bei Psoriasis?

Für die mittelschwere bis schwere Psoriasis werden Schmalband-UVB und PUVA (topisch und oral) empfohlen. Letztere sind hinsichtlich der Wirksamkeit UVB 311 etwas überlegen, allerdings auch komplizierter in der Anwendung. Eine Breitband-UVB-Therapie kann erwogen werden, von der moderat dosierten UVA1 rät die Leitliniengruppe dagegen ab. Bei Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte kann UVB 311 erwogen werden, eine PUVA soll in dieser Altersgruppe nicht eingesetzt werden. Schwangere und Stillende mit Psoriasis können von UVB 311 nm profitieren, die PUVA- ist bei ihnen kontraindiziert.

Welche Phototherapien sind bei Mycosis fungoides und Vitiligo laut der S1-Leitlinie möglich?

Gegen die Mycosis fungoides ist die PUVA erste Wahl. Bei einer topischen PUVA bleibt das Gesicht allerdings ausgespart, nur die orale Variante ermöglicht die meist nötige Ganzkörpertherapie. Alternativ kann in den Stadien IA, IB–IIA und III Schmalband-UVB angewandt werden, wenn keine dicken Plaques oder eine follikulotrope Erkrankung vorliegen. Im fortgeschrittenen Stadium sollte die PUVA kombiniert z. B. mit Bexaroten oder extrakorporaler Photopherese eingesetzt werden. Zur Therapie beim Sézary-Syndrom wird die PUVA als erste Wahl empfohlen – jeweils in Kombination mit extrakorporaler Photopherese, IFNα und/oder Bexaroten. Eine Behandlung der lymphomatoiden Papulose mit UVB 311 nm oder PUVA (systemisch oder topisch) wird empfohlen. Eine Pilotstudie wies auch für UVA1 eine Wirksamkeit nach.

Zur Behandlung bei generalisierter aktiver oder progredienter Vitiligo wird UVB 311 nm (zwei- bis dreimal pro Woche) empfohlen. Bleibt die Repigmentierung aus, sollte die Behandlung nach drei bis spätestens sechs Monaten beendet werden, maximal 12(–24) Monate.

UV-Strahlen als Prophylaxe bei Lichtdermatose

Als Prophylaxe (UV-Hardening, i. d .R. jedes Frühjahr) für die polymorphe Lichtdermatose rät die Leitlinie primär zu UVB 311 nm. Nur wenn es nicht zur Verfügung steht oder unzureichend wirkt, kann alternativ eine systemische PUVA (schlechteres Risikoprofil) oder Breitband-UVB erwogen werden. Ein solches Vorgehen könnte sich eventuell auch für andere Photodermatosen eignen.

Bei begrenzten Subtypen der zirkumskripten Sklerodermie rät die Leitlinie zur mittelhoch dosierten UVA1-Therapie. Alternativ sollte bei Erwachsenen eine Bade- oder Creme-PUVA-Behandlung erfolgen. Auch UVB 311 kommt in Betracht, von Breitband-UVB wird dagegen abgeraten. Sind tieferliegende Strukturen (z. B. Fettgewebe, Faszien) mitbeteiligt, wird keine UV-Therapie empfohlen.

Patientinnen und Patienten mit extragenitalem Lichen sclerosus können von mittelhoch dosiertem UVA profitieren, PUVA und UVA1 können therapeutisch erwogen werden, bezüglich Breitband-UVB blieb das Gremium neutral.

In der Behandlung bei der Nekrobiosis lipoidica gilt die topische PUVA (vorzugsweise Creme) als eine Erstlinientherapie. Als zweite Wahl kommt eine UVA1-Behandlung in Betracht.

Was ist bei GvHD, Urtikaria und Lichen planus zu beachten?

Auch für weitere Erkrankungen wie die chronische dermale Graft-versus-Host-Hauterkrankung (GvHD) hat das Leitliniengremium zumindest „Kann“-Empfehlungen ausgesprochen (siehe Kasten). Für die akute GvHD und die Pityriasis rubra pilaris fehlen weiterhin ausreichend Evidenz und Erfahrung, um konkrete Empfehlungen für oder gegen eine UV-Therapie zu formulieren. Wobei für Letztere einige Autoren und Autorinnen der Leitlinie über gute Erfolge mit UV-Therapie berichten. Allerdings gibt es auch Berichte über Exazerbationen der Erkrankung unter UV-Therapie.

Schwache Empfehlungen für die UV-Therapie bei weiteren dermatologischen Krankheitsbildern

  • chronisch spontane Urtikaria: UVB 311 nm, PUVA (topisch und oral)

  • solare Urtikaria (zur Prophylaxe): UVB 311 nm, UVA1, orale PUVA

  • chronische GvHD: UVB 311 nm, UVA1 (v. a. bei sklerodermiformer Variante), PUVA (oral und topisch), CAVE: Einnahme von Immunsuppressiva

  • Granuloma anulare: UVA1 und PUVA (oral und topisch)

  • Lichen planus (Erwachsene): UVB 311 nm, PUVA (topisch, ggf. auch oral)

  • Mastozytose: UVB 311 nm, UVA1 und PUVA (oral und topisch)

  • Parapsoriasis en plaques: UVB 311 nm, PUVA und UVA1

  • Pityriasis lichenoides: UVB 311 nm, UVA1 und PUVA (oral und topisch)

  • Pityriasis rosea: UVB 311 nm, Breitband-UVB, UVA1

S1-Leitlinie „Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie“; AWMF-Register-Nr. 013-029; www.awmf.org

Dr. Dorothea Ranft

Freie Autorin
Dr. Dorothea Ranft ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die damit assoziierten Fachpublikationen tätig.

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