UV-Strahlung: Einfluss auf Verhalten und Haut
UV-Licht hat zahlreiche Vorteile, zum Beispiel für das Lernverhalten. Aber es kann auch dauerhaft schaden. Beim Sonnenschutz sind einige individuelle Faktoren zu berücksichtigen.
Bräune assoziiert man heute mit Gesundheit und Fitness, Blässe eher mit Krankheit, erklärte Prof. Dr. Evelyn Gaffal, Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Immer noch exponieren sich in Europa die Menschen stark der Sonne, die Strände sind voll. Je mehr die Haut UV-Strahlung ausgesetzt ist, desto höher die Rate an invasiven Melanomen, aber auch an frühen In-situ-Melanomen. Die stationären Behandlungszahlen wegen Hautkrebs steigen seit 2004 kontinuierlich an, unterbrochen nur durch eine „Coronadelle“ um das Jahr 2020.
UV-C-Strahlen werden durch die Ozonschicht aufgehalten, UV-B erreicht die Epidermis und verursacht Sonnenbrand sowie DNA-Schäden. UV-A-Licht dringt bis in die Dermis ein und ist verantwortlich für die Hautalterung und für phototoxische sowie photoallergische Reaktionen. Der Körper verfügt über eigene Stoffe, um sich zu schützen, z. B. Melanin und Hämoglobin. Allerdings reicht dieser Schutz bei häufiger Exposition nicht aus.
Sonnenlicht als Stimmungsbooster – mit Suchtpotenzial
Bei heller Haut oder vielen melanozytären Nävi steigt nicht nur das Risiko für Melanome, sondern auch für Metastasen. Tierexperimente haben zudem ergeben, dass UV-B-Strahlung nicht nur DNA-Schäden triggert, sondern auch eine Entzündungsreaktion, welche die Metastasierung fördern kann. Die kontinuierliche Sonnenexposition heller Haut führt potenziell zu aktinischen Keratosen und zu Plattenepithelkarzinomen. Was wir noch nicht wissen: warum nicht immer eine aktinische Keratose entsteht und unter welchen Bedingungen die Präkanzerose zu einem Basalzell- oder Plattenepithelkarzinom fortschreitet.
Auch die positiven Auswirkungen des Sonnenlichts sind gut untersucht. Wenn wir uns der Sonne aussetzen, geht es uns besser, wir fühlen uns glücklicher. Denn in der Haut wird durch UV-Licht sogenanntes Proopiomelanocortin (POMC) gebildet, aus dem diverse Botenstoffe entstehen, vor allem Beta-Endorphin. Dieses Peptid kann Glücksgefühle auslösen, aber auch süchtig machen, z. B. nach dem Aufenthalt in Solarien. Man spricht dann von Tanorexie. UV-B-Strahlung beeinflusst auch unser Lern- und Sexualverhalten positiv. Diese in Versuchen mit Mäusen beobachteten Effekte lassen sich auch bei Menschen beobachten, erklärte Prof. Gaffal. Natürlich brauchen wir die Sonne, aber wir müssen uns auch vor ihr schützen.
Risikofaktoren und Compliance beim Sonnenschutz
In der Praxis besteht die Herausforderung darin, einen individuell passenden Sonnenschutz zu empfehlen. Denn es gibt viele Hauttypen, die unterschiedlich empfindlich auf Sonnenlicht reagieren. Menschen mit dunklerer Haut sind anfälliger für blaues Licht, was die Entwicklung von Melasmen fördert. Weiterhin sollte man beachten:
Nicht jeder setzt sich im gleichen Maße der Sonne aus.
Eine Immunsuppression erhöht das Hautkrebsrisiko.
Vorerkrankte (z. B. mit aktinischen Keratosen, Hautkrebs, entzündlichen Hauterkrankungen) benötigen einen sehr hohen Sonnenschutz.
Viele neue Krebstherapeutika wie Vemurafenib oder Vandetanib verursachen phototoxische oder photoallergische Reaktionen.
Schließlich ist zu bedenken, dass es Compliance-Unterschiede gibt. Ältere Menschen tragen zum Beispiel seltener Sonnenschutz auf als jüngere und Männer seltener als Frauen. Last but not least werden die klimatischen Veränderungen einen Einfluss auf mögliche Hautschäden durch UV-Licht haben.
