Diabetes-Komplikationen

Wieder mehr Amputationen nach Coronapandemie

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
Nach Jahren des Rückgangs steigen die Fallzahlen für diabetesbedingte Amputationen wieder an, besonders bei Männern.

Nach Jahren des Rückgangs steigen die Fallzahlen für diabetesbedingte Amputationen wieder an, besonders bei Männern. Daten des Robert Koch-Instituts zeigen: Die Pandemie hat den jahrzehntelangen Fortschritt gestoppt.

Schon vor über 35 Jahren wurde für Europa das Ziel ausgegeben, die Amputationsrate bei Diabetes deutlich zu senken. Tatsächlich ging die Zahl über viele Jahre zurück – bis die Coronapandemie kam. Seitdem sind wieder mehr Amputationen erforderlich.

Mit rund acht Millionen Betroffenen und einer Prävalenz von 10,3 % zählt Deutschland europaweit zu den Ländern mit den meisten Diabetesfällen bei Erwachsenen. Dabei leidet ein Großteil der Patientinnen und Patienten (90 %) am Typ-2-Diabetes. Prognosen gehen davon aus, dass die Fallzahlen dieser Stoffwechselstörung in Deutschland bis 2050 auf 12,5 Millionen ansteigen werden. Neben dem demografischen Wandel ist dabei auch die Entwicklung von Risikofaktoren ausschlaggebend.

Einhergehend mit den steigenden Fallzahlen ist auch mit einer Zunahme der Amputationsrate sowie mit einem wachsenden allgemeinen Versorgungsbedarf zu rechnen. Im Rahmen des Diabetes-Surveillance-Projekts hat das Robert Koch-Institut die diabetesbedingten Amputationsraten in Deutschland der Jahre 2015 bis 2024 erhoben. Eingang in die Analyse fanden Personen ab dem Alter von 15 Jahren mit Diabetes mellitus als Haupt- oder Nebendiagnose.

Majoramputationen

Bereits in einer früheren Analyse zwischen 2005 und 2015 wurde eine Abnahme der altersstandardisierten Rate diabetesbedingter Majoramputationen beobachtet (Frauen: -53 %, Männer: -33 %). Dieser Trend setzte sich bis 2019 fort (Frauen: -17 %, Männer: -6 %). Auch im Pandemiejahr 2020 kam es zu einer weiteren leichten Absenkung (Frauen: -2 %, Männer: -1 %). Im Jahr 2023 stagnierten die Fallzahlen bei den Frauen, während sie bei den Männern leicht stiegen (+6 %). Dabei lag die Rate diabetesbedingter Majoramputationen bei Frauen nur geringfügig niedriger als im präpandemischen Jahr 2019 (4,7 pro 100.000 Personen bzw. 2.123 Fälle insgesamt) und bei Männern deutlich höher (16,1 pro 100.000 Personen bzw. 5.925 Fälle insgesamt). Insgesamt liegt in den Jahren 2015–2023 die altersstandardisierte Rate diabetesbedingter Majoramputationen bei den Männern durchgängig höher als bei den Frauen. Der entsprechende Faktor nahm über den Untersuchungszeitraum sogar zu, und zwar von 2,8 auf 3,4.

Minoramputationen

Hinsichtlich diabetesbedingter Minoramputationen wurde zwischen 2015 und 2019 eine Abnahme der altersstandardisierten Rate bei Frauen beobachtet (-8 %). Bei den Männern gab es in diesem Zeitraum starke Schwankungen, wobei letztendlich ein leichter Anstieg verzeichnet wurde (+3 %). Wie bei den Majoramputationen kam es bei beiden Geschlechtern im Pandemiejahr 2020 zu einer Abnahme der Raten an diabetesbedingten Minoramputationen (Frauen: -8 %, Männer: -3 %), gefolgt von einer Zunahme bis 2023 (Frauen: +5 %, Männer: +11 %). Im Jahr 2023 betrug die Amputationsrate bei Frauen 14,7 pro 100.000 Personen bzw. 6.857 und bei Männern 69,3 pro 100.000 Personen bzw. 25.389. Auch in dieser Hinsicht waren Männer durchweg stärker betroffen als Frauen, wobei der Faktor im Zeitverlauf von 3,8 auf 4,7 zugenommen hat.

Heidemann C et al. Epid Bull 2025; 46: 3-9; doi: 10.25646/13542