GLP1-Pille senkt Gewicht und HbA1c

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Subkutan injizierbare GLP1-Rezeptoragonisten führen bei Typ-2-Diabetes und Adipositas sowohl zur Gewichtsreduktion als auch zu einer besseren glykämischen Kontrolle.

Ein GLP1-Rezeptoragonist zum Schlucken statt Spritzen: In der Phase-3-Studie ATTAIN-2 zeigte Orforglipron bei Typ-2-Diabetes und Adipositas deutliche Effekte auf Gewicht und HbA1c.

Subkutan injizierbare GLP1-Rezeptoragonisten führen bei Typ-2-Diabetes und Adipositas sowohl zur Gewichtsreduktion als auch zu einer besseren glykämischen Kontrolle. Gleichzeitig senken sie das kardiovaskuläre Risiko. Allerdings bringt ihr Einsatz einige Herausforderungen mit sich, zu denen eine für Transport und Lagerung erforderliche Kühlkette zählt. Zudem kostet die Selbstinjektion einiges an Überwindung. Inzwischen gibt es die Substanz Semaglutid auch als orale Darreichungsform zur Behandlung bei Typ-2-Diabetes, jedoch nicht zur Therapie bei Adipositas, schreibt ein Team um Prof. Dr. Deborah Horn von der University of Texas in Houston.

Zügelt den Appetit, steigert die Insulinfreisetzung

In der Studie ATTAIN-2 untersuchten die Forschenden die Wirksamkeit und Sicherheit des oralen GLP1-Rezeptoragonisten Orforglipron bei Erwachsenen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. Ebenso wie die peptidbasierten GLP1-Agonisten verringert das small molecule den Appetit und regt die Insulinfreisetzung an.

In die doppelblinde placebokontrollierte Phase-3-Studie schloss das Team 1.613 Personen mit einem BMI von ≥ 27 kg/m² und einem HbA1c-Wert von 7–10 % ein. Per Zufallsprinzip erhielten die Teilnehmenden im Verhältnis 1:1:1:2 einmal täglich 6 mg, 12 mg oder 36 mg Orforglipron bzw. Placebo über 72 Wochen. Primärer Endpunkt war die mittlere prozentuale Veränderung des Körpergewichts in Woche 72 gegenüber dem Ausgangswert. Das Ausgangsgewicht der Teilnehmenden betrug im Schnitt 101,4 kg. Der durchschnittliche BMI lag bei 35,6 kg/m2, das HbA1c bei 8,05 %.

Orforglipron führte gegenüber der Placebobehandlung zu einer signifikanten dosisabhängigen Gewichtsreduktion: Nach 72 Wochen hatten die Personen in der 6-mg-Gruppe im Schnitt 5,1 % (5,3 kg) Gewicht verloren. Unter der 12-mg-Dosierung sank es um durchschnittlich 7,0 % (7,2 kg), in der 36-mg-Gruppe um 9,6 % (9,6 kg). Die Placebogruppe nahm nur 2,5 % (2,7 kg) ihrer Körpermasse ab.

Alle vorab festgelegten Gewichts- und kardiometabolischen Parameter besserten sich unter Orforglipron statistisch signifikant. So war der HbA1c-Wert in Woche 72 unter der 6-mg-, 12-mg- und 36-mg-Dosis um 1,2 %, 1,5 % bzw. 1,7 % gesunken, unter Placebo lediglich um 0,47 %.

Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich. Unter Orforglipron traten jedoch wie auch bei anderen GLP1-Rezeptoragonisten häufiger leichte bis mittelschwere gastrointestinale Nebenwirkungen auf. Diese führten zu einer höheren Rate an Therapieabbrüchen als unter Placebo (6,1–9,9 % vs. 4,1 %).

Horn DB et al. Lancet 2025; 406: 2927-2944; doi:10.1016/S0140-6736(25)02165-8