Kranke Psyche verschlechtert die Diabetesversorgung
Psychisch kranke Menschen mit Diabetes erhalten seltener die notwendigen Kontrolluntersuchungen und profitieren weniger von neuen Therapien. Für die Praxis bedeutet das, besonders aufmerksam auf diese Patientengruppe zu achten.
Menschen mit psychischen Erkrankungen und Diabetes erhalten seltener leitliniengerechte Kontrolluntersuchungen als psychisch Gesunde mit der Stoffwechselstörung. Das zeigt eine internationale Metaanalyse mit Daten von über 5,5 Mio. Diabetesbetroffenen.
Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt irgendeine der notwendigen diabetologischen Untersuchungen zu bekommen, war bei Patientinnen und Patienten mit psychischen Begleiterkrankungen um 19 % geringer (Odds Ratio, OR, 0,81), berichtet eine Gruppe um Prof. Dr. Elias Wagner von der Universität Augsburg. Das Wissenschaftlerteam wertete 49 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien aus. Insgesamt gingen die Daten von über 838.000 Personen mit psychischen Erkrankungen wie affektiver und bipolarer Störung, Schizophrenie sowie Abhängigkeits- oder Angsterkrankungen in die Auswertung ein.
Deutliche Lücken bei Kontrolluntersuchungen
Signifikante Versorgungsdefizite zeigten sich bei den HbA1c-Messungen (OR 0,81), Augenuntersuchungen (OR 0,77), Lipid- und Cholesterinmessungen (OR 0,83), der Nierenfunktionsdiagnostik (OR 0,78) sowie Fußuntersuchungen (OR 0,85). Diese Lücken traten konsistent über die verschiedenen psychiatrischen Diagnosen hinweg auf.
Auch bei der Medikation fielen Unterschiede auf: Psychisch erkrankte Diabetesbetroffene erhielten häufiger Insulin (OR 1,52), aber deutlich seltener moderne GLP1-Rezeptoragonisten (OR 0,26). Gerade dieser Befund ist aus Sicht der Autorinnen und Autoren besonders kritisch, da psychisch kranke Menschen ohnehin einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen unterliegen und eine verkürzte Lebenserwartung aufweisen. Sie fordern eine bessere Verzahnung von hausärztlicher, diabetologischer und psychiatrischer Versorgung sowie gezielte Maßnahmen, um die Versorgungsungleichheit zu beseitigen
Wagner E et al. Lancet Psychiatry 2026;13: 112-124; doi: 10.1016/S2215-0366(25)00332-3