Young Investigator Award der DDG für Dr. Raffaele Teperino

Väter beeinflussen Energiestoffwechsel der Kinder

Medical-Tribune-Bericht
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Je gesünder sich Väter ernähren, umso geringer ist das Risiko für ihre Kinder, Übergewicht zu entwickeln oder an Diabetes mellitus zu erkranken.

Der Young Investigator Award der Deutschen Diabetes Gesellschaft ging 2025 an Dr. Raffaele Teperino. Mit dem Preis ausgezeichnet wurde der Leiter der Forschungsgruppe Umweltepigenetik bei Helmholtz München und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) für seine Studien zur Gesundheit von Vätern zum Zeitpunkt der Empfängnis als Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes und neuroentwicklungs-bedingte Störungen für die Nachkommen.

Schon seit seinem Studium beschäftigt sich der junge italienische Wissenschaftler mit der Ontogenese individueller Phänotypen und Krankheitsanfälligkeiten. Seine Faszination gilt dabei vor allem epigenetischen Phänomenen. „Meine Vision ist es, zu verstehen, wie und in welchem Umfang wir als Eltern zur Gesundheit unserer Kinder beitragen, mit dem Ziel, die individuelle Anfälligkeit für Krankheiten zu steuern und komplexen Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas vorzubeugen“, erläutert Dr. Teperino seinen wissenschaftlichen Ansatz.

Metabolische Eigenschaften auch über die väterliche Linie

Mit seinem Forschungsteam bei Helmholtz München kam er zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass im Laufe eines Lebens erworbene metabolische Eigenschaften wie Fettleibigkeit, Diabetes und neuroentwicklungsbedingte Störungen nicht nur über die mütterliche, sondern auch über die väterliche Linie weitergegeben werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ging man davon aus, dass Väter keinen Anteil an der Veranlagung zu Adipositas und Insulinresistenz bei ihren Nachfahren haben. Dr. Teperino konnte jedoch unter anderem eindrucksvoll belegen, dass das Risiko von Kindern, im Lauf ihres Lebens Übergewicht zu entwickeln oder an Diabetes mellitus zu erkranken, umso geringer ist, je gesünder sich deren Väter schon vor ihrer Zeugung ernährt hatten. Dieser Einfluss, so ein weiteres wichtiges Ergebnis seiner Studien, besteht unabhängig von anderen Faktoren wie dem Gewicht der Mutter, der elterlichen Genetik oder Umweltbedingungen.

Bei seinen Forschungen konzen-trierte sich der Wissenschaftler auf spezielle kleine RNA-Moleküle in Spermien, sogenannte mitochon-driale tRNA-Fragmente (­mt-tsRNA). Diese spielen eine Schlüsselrolle bei der Vererbung von Gesundheitsmerkmalen, indem sie die Aktivität bestimmter Gene in den Mitochondrien bereits im frühen Embryostadium regulieren und so die Entwicklung und Gesundheit des Nachwuchses steuern. „Väter haben folglich einen wichtigen, wenn auch indirekten Einfluss auf die genetische Prägung der Mitochondrien und damit auf den Energiestoffwechsel ihrer Kinder“, erklärt Dr. Teperino. Mit seinem Beleg einer Übertragung nichtgenetischer väterlicher Bestandteile in Embryonen konnte der Molekularendokrinologe das Verständnis der Diabetesentstehung grundlegend erweitern.

Ziel: die männliche Gesundheit vor der Empfängnis fördern

Den Young Investigator Award wertet Dr. Teperino, der es liebt, im Team zu arbeiten, als besondere Motivation für weitere Forschungstätigkeiten, um den exponentiellen Anstieg von kindlichen Erkrankungen zu verringern. „Mein Ziel ist es, personalisierte Präventions- und Therapiestrategien zur Verbesserung der männlichen Gesundheit vor der Empfängnis zu fördern, um Kindern bestmögliche Chancen auf ein gesundes Leben zu geben“, so der Forscher. Spezielle Gesundheitsvorsorgeprogramme zur Ernährung von Männern mit Kinderwunsch könnten seiner Überzeugung nach das Risiko von Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes bei deren Kindern deutlich verringern.

Von Neapel über Lausanne und Freiburg nach München

Dr. Raffaele Teperino absolvierte seine Ausbildung an der Universität Neapel Federico II. Von September 2000 bis Juli 2005 belegte er das Fach Pharmazeutische Biotechnologie und erwarb so die grundlegenden wissenschaftlichen Methoden und Techniken zur Entwicklung, Prüfung, Herstellung und Zulassung von Medikamenten. Anschließend promovierte er in Molekularer Endokrinologie und Physiopathologie mit Schwerpunkt auf den Krankheitsbildern Diabetes, Adipositas und Krebs. Von Juni 2009 bis Mai 2010 war Teperino als Postdoktorand an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne angestellt. Dort beschäftigte er sich mit der Wechselwirkung zwischen Zellstoffwechsel und Epigenetik. Danach wechselte er an das Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Bei seinen Freiburger Forschungstätigkeiten konzentrierte sich Dr. Teperino insbesondere auf die Rolle von Entwicklungsregulatoren, einschließlich epigenetischer Modifikatoren, in der metabolischen Physiologie von Erwachsenen. 2015 übernahm er die Stelle als Leiter der Forschungsgruppe Umweltepigenetik am Helmholtz Zentrum München.

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