Weniger Eiweiß im Urin dank Finerenon
Der nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist Finerenon senkt bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (CKD) das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Ereignisse. Die internationale Phase-3-Studie FINE-ONE zeigt nun: Auch bei Typ-1-Diabetes verringert der Wirkstoff die Albuminausscheidung im Urin deutlicher als Placebo. Ob sich daraus auch ein Schutz der Nierenfunktion selbst ableiten lässt, muss sich erst noch zeigen.
Die chronische Nierenerkrankung ist eine der wichtigsten mikrovaskulären Komplikationen bei Typ-1- wie bei Typ-2-Diabetes. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes stehen mit SGLT2-Hemmern (SGLT2i) und GLP1-Rezeptoragonisten (GLP1-RA) bereits mehrere nephroprotektive Substanzen zur Verfügung. Bei Typ-1-Diabetes dagegen setzt die Behandlung der Nierenerkrankung seit Jahrzehnten fast ausschließlich auf Lebensstiländerungen sowie gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung, schreiben Professor Hiddo Heerspink vom University Medical Center Groningen und sein Team.
Allerdings begünstigt bei beiden Diabetestypen eine Überaktivierung des renalen Mineralokortikoidrezeptors die Entstehung und das Fortschreiten der Niereninsuffizienz. Finerenon wird bereits erfolgreich bei Typ-2-Diabetes zur Nephroprotektion eingesetzt. Daher untersuchte ein internationales Forschungsteam um Prof. Heerspink nun, ob der Wirkstoff auch bei Typ-1-Diabetes die Niere schützt.
Finerenon täglich über sechs Monate
An der internationalen FINE-ONE-Studie nahmen zwischen 2024 und 2025 Zentren in neun Ländern teil. Eingeschlossen wurden 242 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, chronischer Nierenerkrankung (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate zwischen 25 und unter 90 ml/min/1,73 m² Körperoberfläche) und Albuminurie (Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin zwischen 200 und unter 5.000).
Alle Teilnehmenden erhielten zusätzlich einen ACE-Hemmer oder einen Angiotensin-Rezeptorblocker. Nach Randomisierung nahmen 120 Personen über sechs Monate täglich Finerenon ein, 122 ein Placebo. Primärer Endpunkt war die relative Veränderung des Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin nach der sechsmonatigen, doppelt verblindeten Behandlungsphase.
Albumin-Kreatinin-Quotient sinkt unter Finerenon deutlich
In die Auswertung zum primären Endpunkt flossen die Daten von 233 Studienteilnehmenden ein. Im Finerenon-Arm sank der Albumin-Kreatinin-Quotient im Modell um 34 % (Median zu Studienbeginn: 574,6; nach sechs Monaten: 373,5), im Placebo-Arm um 12 % (Median: 506,4 auf 475,6). Der Unterschied war statistisch signifikant (Geometric Mean Ratio Finerenon vs. Placebo 0,75; 95%-KI 0,65–0,87; p < 0,001). Die Sicherheitsanalyse ergab ein ähnliches Nebenwirkungsprofil in beiden Gruppen: Unerwünschte Ereignisse traten bei rund 47 % unter Finerenon und bei 49 % unter Placebo auf, schwerwiegende Ereignisse bei 11,8 % gegenüber 11,5 %. Häufigste Nebenwirkung war die Hyperkaliämie, von der zwölf Teilnehmende (10,1 %) im Finerenon-Arm und vier (3,3 %) im Placebo-Arm betroffen waren. Zwei Teilnehmende (1,7 %) im Finerenon-Arm brachen die Behandlung deswegen ab.
Weiterhin beobachteten die Forschenden, dass die eGFR unter Finerenon binnen sechs Monaten stärker abnahm als unter Placebo (–5,6 gegenüber –2,7 ml/min/1,73 m²). Nach Absetzen des Medikaments näherte sich der Wert innerhalb von 30 Tagen allerdings wieder dem Ausgangsniveau an. Die Studienautoren werten dies als hämodynamischen, reversiblen Effekt, wie er auch von anderen nierenprotektiven Substanzen bekannt ist. Blutdruck, HbA1c und Körpergewicht veränderten sich in beiden Gruppen über sechs Monate nur geringfügig.
Einordnung der Ergebnisse und offene Fragen
Finerenon hat nach Einschätzung Prof. Heerspinks ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil bei Menschen mit Typ-1-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung. Die unter der Behandlung beobachtete akute Abnahme der Filtrationsleistung müsse jedoch in größeren, länger laufenden Studien weiter untersucht werden. FINE-ONE war mit sechs Monaten Behandlungsdauer und einem Surrogatparameter als Endpunkt nicht darauf ausgelegt, Effekte auf die eGFR oder harte klinische Endpunkte wie Nierenversagen oder kardiovaskuläre Ereignisse zu belegen. Auch die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist begrenzt: Rund zwei Drittel der Teilnehmenden waren Männer.
Offen ist zudem, ob Menschen mit Typ-1-Diabetes auch von anderen bei Typ-2-Diabetes etablierten Wirkstoffklassen profitieren. Eine laufende Studie (NCT06217302) prüft derzeit Wirksamkeit und Sicherheit von SGLT2-Hemmern bei Typ-1-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung.
So wirkt Finerenon
Finerenon ist ein nichtsteroidaler Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist (MRA) und blockiert den Mineralokortikoid-Rezeptor, an den normalerweise Aldosteron bindet. Aldosteron wiederum fördert u. a. Entzündung, Fibrose und schädliche Effekte an Niere und Herz-Kreislauf-System. Durch die Blockade des Rezeptors kann Finerenon diese Prozesse abschwächen.
Vor allem bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung bei Typ-2-Diabetes kann Finerenon das Fortschreiten der Nierenschädigung verlangsamen und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse senken.
Geht es um Nebenwirkungen, sollte vor allem auf die Hyperkaliämie geachtet werden. Deshalb werden bei einer Therapie mit Finerenon meist Kalium und Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert.
Heerspink HJL et al. N Engl J Med 2026; 394 (10): 947-957; doi: 10.1056/NEJMoa2512854
Dr. Judith Lorenz
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