Neue Ursache für Folgeschäden an Herz und Nieren bei Diabetes entdeckt
Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz- und Nierenerkrankungen, selbst bei gut eingestelltem HbA1c.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg identifizierte einen Immunmechanismus, der dies erklären kann. Die Studie zeigt, dass das Enzym Peptidylarginin-Deiminase 4 (PAD4) bestimmte Abwehrzellen aktiviert und so Entzündungsprozesse auslöst. Die Ergebnisse wurden am 27. November 2025 im European Heart Journal veröffentlicht.
„Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass PAD4 ein zentrales Bindeglied zwischen Diabetes und Entzündungsprozessen in Herz und Niere ist“, sagt Studienleiter PD Dr. Lukas Heger, Klinik für Kardiologie und Angiologie I, Universitätsklinikum Freiburg. „Diese fehlgeleitete Immunantwort könnte erklären, warum viele Betroffene trotz guter Blutzuckereinstellung schwere Folgeerkrankungen entwickeln.“ Im Fokus der Studie steht das Enzym PAD4, das eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung von Immunzellen spielt. Die Forschenden konnten zeigen, dass erhöhte Glukosewerte Neutrophile Granulozyten unmittelbar aktivieren. Diese setzen daraufhin entzündungsfördernde Botenstoffe sowie neutrophile extrazelluläre Fallen (NETs) frei. Dieser Prozess wird durch PAD4 gesteuert und führt zu einer anhaltenden Entzündungsreaktion, die nicht nur Krankheitserreger bekämpft, sondern auch gesundes Gewebe schädigt.
In Herzgewebe von Patient:innen mit Herzschwäche fanden die Forschenden bei zusätzlichem Diabetes deutlich mehr NET-Ablagerungen als bei Patient:innen ohne Diabetes. Diese Beobachtung bestätigte sich in Tiermodellen: Nur Mäuse mit aktivem PAD4 entwickelten typische diabetesbedingte Schäden wie verminderte Herzleistung, Narbenbildung im Gewebe und eine eingeschränkte Nierenfunktion. Die Ergebnisse zeigen, dass Organschäden bei Diabetes wesentlich durch eine PAD4-abhängige Immunreaktion vermittelt werden. Besonders betroffen sind Herz und Nieren. „PAD4 wirkt wie ein Schalter, der Neutrophile auf Entzündung programmiert“, sagt Prof. Dr. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Eine gezielte Hemmung dieses Enzyms könnte künftig dazu beitragen, Herz- und Nierenschäden bei Diabetes zu verhindern.“ Damit eröffnen sich therapeutische Perspektiven, die über die reine Kontrolle des Blutzuckers hinausgehen.
Quelle: PM Universitätsklinikum Freiburg, 12.1.2026
Dieser Beitrag ist ursprünglich erschienen in: Nierenarzt/Nierenärztin 1/2026