FSME-Fallzahlen steigen, die Impfquoten bleiben niedrig
Deutschland erlebte 2025 erneut ein Jahr mit hohen FSME-Fallzahlen. Es kam zu rund 700 Erkrankungen, 98 % der Betroffenen waren unzureichend geimpft. Der Trend bei den Fallzahlen geht klar nach oben, während die Impfquoten weiter rückläufig sind.
Das Jahr 2025 landet mit Blick auf die FSME-Fallzahlen in Deutschland unter den Top 3 der „stärksten“ Jahre. Rund 700 Erkrankungen wurden hierzulande gemeldet, sagte Dr. Sebastian Wendt, Universitätsklinikum Halle. 98 % der Betroffenen waren unzureichend geimpft. Anders als 2024, als in Deutschland drei Menschen an der FSME starben, gab es 2025 keinen Todesfall. Der Trend deutet klar auf eine Zunahme der Erkrankung in Deutschland hin, brachte der Referent die Entwicklung auf den Punkt.
Prinzipiell tritt FSME hierzulande das ganze Jahr über auf. Die meisten Fälle werden jedoch zwischen Mai und Oktober gemeldet, mit deutlicher Häufung in den Monaten Juni und Juli. Bedenken müsse man immer auch die Übertragbarkeit der FSME durch Rohmilchprodukte, etwa über unpasteurisierte Ziegenmilch, so Dr. Wendt. Dieser Übertragungsweg könnte mit unter 1 % zur Gesamtfallzahl beitragen.
FSME tritt inzwischen das ganze Jahr über auf
Ab einem Alter von 40 Jahren steigt das Risiko für eine Erkrankung deutlich, im Seniorenalter sinkt es wieder. Möglicherweise sind die Menschen in dieser Lebensphase öfter in der Natur unterwegs, mutmaßte der Referent. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Wenn ein Landkreis vom RKI nicht als FSME-Risikogebiet geführt wird, heißt das keineswegs, dass dort kein oder nur ein geringes individuelles Risiko besteht, machte der Referent deutlich. Denn die Erkrankung tritt deutschlandweit auf und jedes Jahr werden selbstverständlich auch einzelne Fälle aus Nichtrisikogebieten gemeldet. „Es ist immer die Frage, welchen Kontakt man in und mit der Natur hat.“ Mittlerweile benutzt man auch sogenannte Sentineltiere wie den Rotfuchs, um die FSME-Virus-Seroprävalenz und damit das Infektionsrisiko in einzelnen Gebieten einschätzen zu können.
Die Impfquoten liegen viel zu niedrig
Die Impfquoten lassen zu wünschen übrig, so Dr. Wendt. „Insgesamt sind wir vielleicht bei 20 %. Das ist viel zu wenig, um in betroffenen Gebieten einen adäquaten Schutz zu haben.“ Kinder ab fünf Jahren und Jugendliche sind etwas besser geschützt als die Erwachsenen.
Ein Blick auf die europäische FSME-Verbreitungskarte zeigt, dass man seinen Patientinnen und Patienten besonders bei Aufenthalten und Reisen in die skandinavischen Länder, ins Baltikum, nach Polen, Tschechien, Österreich und Slowenien zur FSME-Impfung raten sollte. „Und weiter nach Osten hin gibt es noch die verschiedenen asiatischen Typen mit teilweise höherer Pathogenität, gegen die wir aber einen Kreuzschutz durch die Impfung haben.“