Die fünf Probleme der CED-Therapie und ihre mögliche Lösung
Trotz einer Vielzahl an modernen Medikamenten stagnieren die Remissionsraten bei 30 bis 50 % der CED-Betroffenen nach einjähriger Therapie. Um diesen Deckeneffekt zu brechen, haben Expertinnen und Experten fünf Problemfelder identifiziert – und die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet, um die Remissionsraten zu erhöhen.
Die Arbeitsgruppe um Virginia Solitano von der Universität San Raffaele, Mailand, vertritt die Ansicht, dass dieser Deckeneffekt kein biololgisches Limit darstellt, sondern Folge von therapeutischen und methodischen Einschränkungen ist. Das Autorenteam nennt die fünf Hauptproblemfelder der CED-Therapie beim Namen und schlägt mögliche Lösungsansätze vor:
1. Bei CED wird oft zu spät interveniert
Gehandelt wird oft erst dann, wenn bereits ein irreversibles Immun-Remodeling stattgefunden hat. Viel wirksamer dürften Prävention und Früherkennung sein. Prävention sollte bevölkerungsbasiert stattfinden und Maßnahmen wie gesunde Ernährung, Rauchstopp sowie einen zurückhaltenderen Einsatz von Antibiotika umfassen. Zudem sollten Menschen mit hohem Risiko identifiziert werden, bevor die CED ausbricht. Epidemiologische Studien und Kohortendaten zeigen, dass bereits einige Jahre vor der CED-Manifestation auffällige Biomarkermuster vorliegen. Das spricht für eine präklinische Phase, die durch subklinische Inflammation und Immundysregulation gekennzeichnet ist. Neue Biomarker, Multi-Omics-Profiling und ein integriertes Risikofaktorenmodell könnten dazu beitragen, Risikopatientinnen und -patienten schon deutlich vor der klinischen Manifestation einer CED zu identifizieren.
2. Wir verlassen uns bei CED-Therapiestrategien zu sehr auf placebokontrollierte Studiendesigns
Die Zulassung von CED-Medikamenten basiert in erster Linie auf randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die den Behandlungseffekt im Vergleich zu Placebo abschätzen. Doch konventionelle RCT-Designs unterschätzen möglicherweise die biologische Wirksamkeit in heterogenen Populationen und sie erfassen den potenziellen Nutzen neuer Therapiestrategien wahrscheinlich nicht vollständig. Daher schlagen die Kolleginnen und Kollegen u. a. eine Überarbeitung von Endpunkten, bayesianische und adaptive Studiendesigns sowie Master-Protokolle vor (z. B. Basket- und Umbrella-Studien).
3. Therapeutische Strategien bei CED, die nur auf einen einzelnen Signalweg abzielen, reichen oft nicht aus
Wenn man sich mit einer CED-Monotherapie auf ein bestimmtes Zytokin oder auf einen bestimmten Rezeptor konzentriert, kann das zwar für eine Weile die Inflammation unterdrücken, aber es schaltet selten das gesamte Netzwerk aus, das eine chronische Erkrankung aufrechterhält. Stattdessen könnten rationale fortgeschrittene Kombinationstherapien, die auf komplementäre Signalwege abzielen, die Wirksamkeit erhöhen. Bispezifische Antikörper könnten ebenfalls eine interessante Option darstellen.
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