Was der Wurmfortsatz über den Colitis-ulcerosa-Verlauf aussagt

Entzündete Appendix als Schubtreiber der CED?

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
Bei vielen Colitis-ulcerosa-Betroffenen in Remission spielen sich in der Appendix aktive Entzündungsprozesse ab.

Dass eine Appen­d­ektomie den Verlauf einer Colitis ulcerosa günstig beeinflussen kann, ist bekannt – wa­rum das so ist, weit weniger. Jetzt sehen Forschende genauer hin: Was verrät das Gewebe des entfernten Wurmfortsatzes über die Krankheit?

Die Appendix vermiformis spielt vermutlich eine wichtige Rolle bei der Pathogenese der Colitis ulcerosa. Die Beobachtung, dass die chronisch-entzündliche Darmerkrankung nach einer Appendektomie einen günstigeren Verlauf nimmt, stützt diese Hypothese. Nun untersuchte ein Wissenschaftlerteam aus den Niederlanden und der Schweiz, inwiefern die histopathologischen Befunde der Appendektomiepräparate mit dem klinischen Bild korrelieren.

Mit welchen Parametern korrelieren die histopathologischen Befunde?

Die Appendix beherbergt darmassoziiertes lymphatisches Gewebe, das vermutlich die intestinale Immunantwort bei Colitis ulcerosa moduliert, berichtet ­Eva ­Visser von der University of Amsterdam. Die zwischen 2012 und 2022 durchgeführte internationale randomisierte ­ACCURE-Studie hatte gezeigt, dass Menschen mit einer in Remission befindlichen Colitis ulcerosa nach einer Appendektomie signifikant seltener ein Krankheitsrezidiv erleiden. Nun unterzogen die Forschenden Appendektomiepräparate von 65 niederländischen Studienteilnehmenden einer feingeweblichen Untersuchung. Sie prüften, inwiefern die histopathologischen Befunde mit klinischen Parametern, dem präoperativen Endoskopiebefund und dem Krankheitsverlauf korrelieren.

Die Teilnehmenden waren zum Zeitpunkt der Appendektomie im Median 40 Jahre alt und litten seit median 5,2 Jahren an der Colitis ulcerosa. 16 von ihnen (24,6 %) hatten innerhalb eines Jahres ein Krankheitsrezidiv erlitten. Bei über der Hälfte der Patientinnen und Patienten (55,4 %) stellten die Forschenden eine aktive Inflammation der Appendix fest. Diese Personen waren tendenziell jünger (median 28 vs. 34 Jahre) und wiesen endoskopisch häufiger umschriebene Rötungen im Appendixbereich auf (30,6 % vs. 17,2 %). Der Nachweis solcher endoskopischen Rötungen korrelierte dabei signifikant mit einer höheren inflammatorischen Aktivität der Appendix.

Teilnehmende mit Rezidiv hatten eine dickere Appendix

Personen mit einer ausgedehnten epithelialen Neutrophileninfiltration in den Appendixkrypten erlitten tendenziell häufiger einen Krankheitsschub (44,4 % vs. 18,0 %). Diejenigen, die nach der Appendektomie ein Colitis-ulcerosa-Rezidiv entwickelten, wiesen zudem signifikant größere maximale Appendixdurchmesser auf (median 9 mm vs. 7 mm).

Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten mit einer Colitis ulcerosa in Remission spielen sich im Wurmfortsatz aktive Entzündungsprozesse ab, so das Fazit der Forschenden. Sie halten einen Zusammenhang zwischen der Histopathologie der Appendix und dem klinischen Krankheitsverlauf für möglich, raten allerdings zu einer vorsichtigen Interpretation der Analyseergebnisse. Weitere Studien müssen nun die prognostische Bedeutung der aktiven Appendixinflammation klären und prüfen, welche Surrogatparameter – beispielsweise der Endoskopie- oder Sonografiebefund – auf eine Appendixbeteiligung hindeuten.

Visser E et al. United European Gastroenterol J 2026; 14: e70177; doi: 10.1002/ueg2.70177

Dr. Judith Lorenz

Dr. Judith Lorenz ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die damit assoziierten Publikationen tätig. Sie bearbeitet Themen aus allen Fachbereichen der Medizin.

Schlagwörter:

Das könnte Sie auch interessieren