Haferkur senkt Cholesterin bei metabolischem Syndrom
Schon eine kurze Haferkur kann den Cholesterinspiegel von Menschen mit metabolischem Syndrom signifikant senken. Dabei halten die dem Darmmikrobiom zugeschriebenen positiven Effekte sogar über mehrere Wochen an.
Eine Haferdiät kann den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Auf welchen Mechanismen die Wirkung beruht, zeigt eine Arbeit aus Deutschland.
Dass Hafer gesund ist, wissen Medizinerinnen und Mediziner schon seit mehr als 100 Jahren. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der deutsche Diabetologe Carl von Noorden eine spezielle Haferkur zur Behandlung der Zuckerkrankheit. Ein Forscherteam um Linda Klümpen vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn bestätigte nun aktuell den gesundheitlichen Nutzen dieser Diät: In leicht abgewandelter Form senkte sie den Cholesterinspiegel von Menschen mit einem metabolischen Syndrom deutlich.
Eine Gruppe aß dreimaltäglich 100 g Haferflocken
An der randomisierten Studie nahmen 32 Erwachsene teil, die an einer zentralen Adipositas sowie mindestens einem weiteren Symptom des metabolischen Syndroms litten. Zwei Tage lang nahmen die Versuchspersonen eine kalorienreduzierte Diät zu sich. 17 von ihnen aßen dabei dreimal täglich je 100 g in Wasser aufgekochte Haferflocken. Die 15 Kontrollen erhielten dagegen drei bezüglich des Makronährstoffgehalts gleichwertige Mahlzeiten ohne Haferflocken. In den folgenden sechs Wochen ernährten sich alle Studienteilnehmenden wie gewohnt, jedoch ohne Haferprodukte.
Bereits nach der zweitägigen hoch dosierten Haferkur beobachteten die Forschenden im Interventionsarm eine signifikante Abnahme des LDL- und des Gesamtcholesterins (im Mittel um 16,26 mg/dl bzw. 15,61 mg/dl im Vergleich zur Kontrollgruppe). Der lipidsenkende Effekt hielt auch nach sechs Wochen an.
Weiterhin ging das Wissenschaftlerteam der Frage nach, über welche Mechanismen der Hafer seine günstigen Stoffwechselwirkungen entfaltet. Analysen des Darmmikrobioms und des metabolischen Profils der Versuchspersonen deuteten darauf hin, dass der intensive Haferverzehr die Zusammensetzung der Darmbakterien veränderte. Zudem werden im Zuge des Abbaus des Getreides durch die Mikroben phenolische Verbindungen wie Ferulasäure und Dihydroferulasäure freigesetzt, welche den Cholesterinspiegel senken. Auch weitere, stärker bioaktive bakterielle Stoffwechselprodukte des Haferabbaus erwiesen sich als treibende Faktoren der Lipidsenkung.
In einem zweiten Experiment, an dem 34 Personen mit einem metabolischen Syndrom teilnahmen, stellten die Forschenden fest, dass eine sechswöchige isokalorische Diät mit einer einzigen Haferflockenmahlzeit (80 g) pro Tag zwar ebenfalls positive Veränderungen hinsichtlich des Darmmikrobioms und des Hafermetabolismus bewirkte. Dies spiegelte sich jedoch nicht in wesentlichen Stoffwechselvorteilen wider.
Eine kurze, aber intensive Haferkur stellt eine vielversprechende Strategie zur schnellen und effektiven Minderung adipositasassoziierter Fettstoffwechselstörungen dar, meinen die Autorinnen und Autoren. Sie halten insbesondere die Interaktionen zwischen der Haferdiät und dem Darmmikrobiom für ein lohnendes Forschungsgebiet.
1.Klümpen L et al. Nat Commun 2026; 17: 598; doi: 10.1038/s41467-026-68303-9
2.Pressemitteilung – Universität Bonn