Kombitherapien bei MASLD entlasten Leber und Herz zugleich
Lebersteatose und kardiovaskuläre Erkrankungen sind u. a. über eine Stoffwechseldysfunktion und eine chronische Inflammation eng miteinander verflochten. Um Betroffene umfassend und effektiv zu behandeln, wäre ein dualer Therapieansatz sinnvoll.
An einer metabolische-Dysfunktion‑assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) leiden etwa 30 % der Menschen weltweit. Bei wiederum 30 % von ihnen schreitet der Leberschaden voran zur metabolische-Dysfunktion‑assoziierten Steatohepatitis (MASH), bei manchen drohen auch Leberzirrhose oder -karzinom oder ein terminales Leberversagen. Die häufigste Todesursache bei MASLD-Patientinnen und -Patienten ist aber eine kardiovaskuläre Erkrankung, schreibt ein Autorenteam um Xiao-Dong Zhou von der Universitätsklinik in Wenzhou. Bei Betroffenen sollten also in Forschung und Diagnostik nicht nur jeweils ein Organ, sondern Leber und Herz zusammen berücksichtigt und klinisch ein Management entwickelt werden, das beide Organsysteme zugleich positiv beeinflusst.
Grundlage dieser Überlegungen sind die komplexen bidirektionalen Wechselwirkungen zwischen (Leber-)Metabolismus und Herz-Gefäß-Funktion: Eine MASLD verschlimmert eine Dyslipidämie und verstärkt sowohl eine Insulinresistenz als auch eine chronische Inflammation. Diese Veränderungen tragen u. a. zur Atherosklerose bei, was schließlich in einen Teufelskreis mündet. Die Folge sind hohe Risiken für eine koronare Herzkrankheit, eine Myokardfibrose mit Herzinsuffizienz oder Arrhythmien.
Welche Wirkstoffe eignen sich für eine Kombinationstherapie?
Das Autorenteam schlägt basierend auf seinen Analysen mögliche geeignete Kombinationstherapien vor, die durch ihre Wirkung auf Leber und Herz-Kreislauf-System Vorteile für Betroffene mit MASLD und kardiovaskulären Risikofaktoren bzw. Erkrankungen bieten können:
GLP1-Rezeptoragonisten jeweils kombiniert mit entweder
FGF21-Analoga,
THR-β-Agonisten,
SGLT2-Inhibitoren oder
FXR-Agonisten plus ACC-Inhibitoren
eine duale Therapie mit einem PPAR-Agonisten und einem SGLT2-Inhibitor
Obwohl diese Zusammenhänge in der Theorie recht bekannt sind, fehlt es an der klinischen Umsetzung. Die MASLD ist unterdiagnostiziert, bei Betroffenen mit Funktionsstörungen der Leber und des Herz-Kreislauf-Systems wird Letzteres in der Therapie oft priorisiert und nicht zuletzt machen zu wenig Kenntnisse über Wirkstoffe und potenzielle Wechselwirkungen eine Pharmakotherapie, die beide Organe günstig adressieren würde, herausfordernd. Allerdings hat sich mit einigen neuen Medikamenten auf diesem Gebiet in den letzten Jahren viel getan. Das Autorenteam stellt daher mögliche sinnvolle Pharmaka – teils zugelassen, teils noch in Studien – für Menschen mit MASLD und kardiovaskulären Risikofaktoren oder Erkrankungen vor.
Was geeignete Medikamente an Leber und Herz bewirken
Geeignete pharmakologische Interventionen zielen auf den Stoffwechsel, die Leberfunktion und das kardiovaskuläre System ab. GLP1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid bzw. duale GIP/GLP1-Rezeptoragonisten (Tirzepatid) und ähnliche Wirkstoffe verbessern die Insulinsensitivität, reduzieren das Körpergewicht sowie das hepatische Fett und wirken über die reduzierte Lipogenese in der Leber auch der Inflammation und Fibrose entgegen. Zugleich ließ sich in Studien ein kardioprotektiver Effekt in Bezug auf Herzinsuffizienz oder kardiovaskuläre Todesfälle bei Menschen mit z. B. Adipositas oder Typ-2-Diabetes nachweisen. Mögliche Langzeitfolgen solcher Wirkstoffe sind allerdings noch zu wenig erforscht.
Auch Analoga des Fibroblasten-Wachstumsfaktor 21 (FGF21), z. B. Efruxifermin, erwiesen sich als positiv im Hinblick auf Lebersteatose und -fibrose und ebenso auf das Herz-Kreislauf-System. THR-β-Agonisten, z. B. Resmetirom, wirken sich günstig bei MASLD/MASH aus und verbessern allgemein den Lipidstoffwechsel. Der Glukose- und Lipidmetabolismus ist auch Ziel weiterer Medikamente gegen MASH – darunter PPAR*-Agonisten, Fettsäuresynthase-Inhibitoren, Farnesoid-X-Rezeptor(FXR)-Agonisten oder Inhibitoren der Acetyl-CoA-Carboxylase.
Herz-Leber-Co-Management als nächster Schritt
Auf der anderen Seite haben übliche Pharmaka zur Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen, wie Statine, Acetylsalicylsäure, Renin-Angiotensin-Aldosteron-Inhibitoren oder Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten, ebenfalls günstige Effekte auf eine Lebersteatose oder Steatohepatitis. Gleiches gilt für SGLT2-Inhibitoren bei Typ-2-Diabetes.
Verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlichZiel wäre ein gesamtheitliches „Herz-Leber-Co-Management“. Allerdings ist hierfür intensivere Forschung wichtig, um u. a. für die primär auf die Leber oder das Herz-Kreislauf-System wirkenden Pharmaka die Sicherheit und Wirksamkeit auf das jeweils andere Organsystem noch genauer zu klären. Weitere Voraussetzungen sind ein besserer Zugang zu den neuen Präparaten weltweit und nicht zuletzt eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hepatologie und Kardiologie.
* Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptoren
Zhou XD et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2026; doi: 10.1016/S2468-1253(25)00323-1