Komplikationen bei Magenspiegelungen vorbeugen

Sicher gastroskopieren trotz GLP1-Rezeptoragonisten

21. Diabetologie-Update-Seminar
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
GLP1-Agonisten können das Risiko bei einer Magenspiegelung erhöhen.

GLP1-Rezeptoragonisten bremsen die Magenentleerung und können bei einer Gastroskopie das Aspirationsrisiko erhöhen. Dem lässt sich mit gezielter Vorbereitung begegnen, berichtet ein Experte.

In einer randomisierten, einfach verblindeten Studie hatte man bei 60 Personen während einer elektiven Gastro­skopie das Volumen der Magenflüssigkeit bestimmt, berichtete Prof. Dr. ­Jörg ­Bojunga, Universitätsmedizin Frankfurt. Alle Patientinnen und Patienten wurden seit mindestens einem Monat mit einem GLP1- oder GLP1/GIP-Rezeptor­agonisten behandelt. Vor der Untersuchung sollten 32 von ihnen auf die letzte Applikation verzichten, woraus eine medikationsfreie Phase von sieben bis 14 Tagen bzw. einem Tag bei täglich einzunehmenden Substanzen resultierte. Die übrigen führten die Therapie unverändert fort. Bei ihnen fand sich signifikant häufiger ein klinisch relevantes Restvolumen im Magen, so der Referent. Dies könne das Aspirationsrisiko erhöhen.

Eine Koloskopie ist relativ unkritisch

Um diese Komplikation möglichst zu vermeiden, sollte man schon im Vorfeld einer endoskopischen Untersuchung das individuelle Risiko ermitteln. Eine Arbeitsgruppe aus Spanien und Mexiko schlägt in einem Review vor, hierzu zunächst die folgenden Fragen zu klären:

Zudem sei zu berücksichtigen, welche Form der Endoskopie ansteht. Denn während eine koloskopische Untersuchung unter GLP1-Rezeptoragonisten eine niedrige Komplikationsgefahr birgt, kann bei einer Gastroskopie das Risiko im mittleren bis hohen Bereich liegen. Bei einer Kapselendoskopie wiederum ist es möglich, dass die Kapsel den Magen gar nicht verlässt.

Ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen eher niedrig oder soll ausschließlich koloskopiert werden, braucht man die GLP1-Rezeptor­agonisten nicht zu pausieren. Bei mittlerem bzw. hohem Risiko ist hingegen ein vorübergehendes Aussetzen ratsam. Bei wöchentlich zu applizierenden Substanzen sollte die Einnahme für mindestens sieben Tage vor der Untersuchung unterbrochen werden, bei täglicher Einnahme reicht ein Stopp am Vortag der Endoskopie. „Das ist eine gute Empfehlung, das machen wir auch so“, sagte Prof. ­Bojunga. Er hält es für sinnvoll, bei einer GLP1-Rezeptor­agonisten-­Therapie die Nüchternphase vor der Gastro­skopie auszudehnen. Statt acht Stunden für feste und zwei bis vier Stunden für flüssige Nahrung sollten es bei intermediärem Risiko zwölf Stunden für feste Kost sein. Bei hohem Risiko nehmen die Patientinnen und Patienten vor der Nüchternphase am besten über 24 Stunden nur Flüssigkeiten zu sich.

Intubationsnarkose minimiert das Risiko bei starker Adipositas

Auch das Anästhesieverfahren spielt eine Rolle, wenn es um die Risikominimierung geht. So würde Prof. ­Bojunga etwa einen stark adipösen Menschen mit einem BMI von 48 kg/m2 unter GLP1-Rezeptor­agonisten nur in Intubationsnarkose gastroskopieren.

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.