Tabletten bei Dysphagie: Ganz statt zerdrückt?
Eine Studie der Karl Landsteiner Universität zeigt: Das Zerkleinern von Tabletten bei Dysphagie nach Schlaganfall erhöht die Schlucksicherheit nicht – im Gegenteil, es fördert Rückstände. Ganze Tabletten schnitten im Test besser ab.
Bis zu 75 % aller Patientinnen und Patienten leiden nach einem akuten Schlaganfall an Schluckstörungen. Bei einer solchen Poststroke-Dysphagie kann die orale Medikamentengabe zur Herausforderung werden. Im Klinikalltag werden Tabletten oft pulverisiert, um das Aspirationsrisiko zu senken – doch ist diese Darreichungsform wirklich sicherer?
Ein Team um Dr. Michaela Trapl-Grundschober, Universitätsklinikum Tulln, widmete sich dieser Fragestellung. Eingeschlossen in die Studie waren 60 Teilnehmende mit mäßiger Dysphagie nach einem Schlaganfall (GUSS*-Score im Median 14, mittleres Alter 73 Jahre).
3 ml Apfelmus dienten als Schluckhilfe
Per fiberendoskopischer Schluckuntersuchung wurde geprüft, wie sicher die drei unzerteilten Formen (rund, länglich, gefüllte Kapsel) sowie eine zerstoßene Tablette jeweils zusammen mit 3 ml Apfelmus in der ersten Woche nach dem Insult eingenommen werden konnten. Die Schlucksicherheit definierten die Forschenden über die Penetrations-Aspirations-Skala (PAS), ein Wert > 2 zeigte eine eingeschränkte Sicherheit an.
Bei zwei Personen musste bereits die Baseline-Intervention – das Schlucken von drei Teelöffeln Apfelmus – aufgrund eines PAS-Werts ≥ 5 abgebrochen werden. Die übrigen 58 Teilnehmenden nahmen danach insgesamt 154 von 174 ganzen Tabletten ohne Aspiration oder Penetration ein. 20 Tabletten wurden ausgespuckt oder zerkaut. In 22 Fällen (14 %) bewertete das Autorenteam allerdings den begleitenden Apfelmus-Bolus als unsicher (PAS > 2). Von den 58 pulverisierten und mit Mus vermischten Tabletten wurden 7 als unsicher eingestuft (12 %). Diese hinterließen zudem signifikant mehr Residuen in den Valleculae.
Das routinemäßige Zerkleinern von Tabletten bei Poststroke-Dysphagie gelte es zu überdenken, schlussfolgert das Autorenteam. Obwohl im klinischen Alltag weit verbreitet, erhöhte die Pulverisierung die Sicherheit in der Studie nicht, sie führte jedoch zu mehr pharyngealen Rückständen. Das könne die Wirkstoffaufnahme verzögern und lokale Reizungen, bakterielle Besiedlung oder eine Aspiration begünstigen, so die Forschenden. Auch wenn in einigen Fällen zusätzliche Boli zum Schlucken der ganzen Tabletten erforderlich waren, bestand bei dieser Darreichungsform kein erhöhtes Aspirationsrisiko.
Gugging Swallowing ScreenTrapl-Grundschober M et al. Stroke 2025; 56: 2494-2502;