Was gegen den Hicks helfen kann

Aus der Fachliteratur
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Ein persistierender Schluckauf ist keine Lappalie: Er kann Betroffene sogar so stark quälen, dass sie Suizidgedanken entwickeln.

Hält der Schluckauf länger als 48 Stunden an, steckt oft mehr dahinter als ein harmloser Reflex. Über 100 mögliche Ursachen sind bekannt – von Reflux bis Herzinfarkt. Neue Ansätze reichen vom Anti-Hicks-Strohhalm bis zur Phrenikusblockade.

Ein persistierender Schluckauf ist keine Lappalie: Er kann Betroffene sogar so stark quälen, dass sie Suizidgedanken entwickeln. Die Ursachenforschung steht daher ganz oben auf der ärztlichen Agenda. Zugleich gilt es, für eine effektive symptomatische Behandlung zu sorgen.

Schluckauf tritt in der Regel mit 2 bis 60 „Hicksern“ pro Minute auf und verschwindet nach kurzer Zeit wieder von allein. In manchen Fällen quält er die Betroffenen jedoch über mehr als 48 Stunden. Am häufigsten wird solch ein chronischer Singultus durch einen gastroösophagealen Reflux ausgelöst, doch gibt es zahllose weitere potenzielle Ursachen. Wie die Lübecker Neurologen Marcus­ Ohlrich­ von den Sana Kliniken und Prof. Dr. Georg­ Royl­ vom Uniklinikum Schleswig-Holstein darlegen, sind bereits mehr als 100 Erkrankungen beschrieben, die mit anhaltendem Singultus einhergehen können.

Die Anamnese ist daher überaus wichtig. Darin sollte u. a. nach Begleitsymptomen (Reflux? Thoraxschmerzen?), Medikamentenexposition (Glukokortikosteroide? Chemotherapie?) und Toxinaufnahme (Alkohol?) gefragt werden. Bei der klinischen Untersuchung muss man besonders auf abdominelle Druckschmerzen, Effloreszenzen (Zoster?) und neurologische Auffälligkeiten achten. Anhaltender Schluckauf kann in seltenen Fällen auch ein Sym­ptom eines akuten Herzinfarkts sein, bei Verdacht da­rauf sollte man vor allem bei akutem Beginn ein EKG schreiben.

Im Labor wird man Elektrolyte (Hyponatriämie?), Kreatinin, Harnstoff (Niereninsuffizienz? Urämie?) und ggf. die kardialen Ischämiemarker prüfen. Bei entsprechendem Verdacht folgen gastroenterologische Diagnostik, kranielle und extrakranielle Bildgebung und Zusatzuntersuchungen, bei potenziell neurologischer Genese z. B. eine Liquor- oder Autoimmunitäts­diagnostik.

Im Idealfall kann die Therapie der Grunderkrankung den Singultus rasch beenden. Meist dauert es jedoch einige Zeit, bis der Auslöser des Schluckaufs erkannt ist und eine kausale Therapie greifen kann. Daher behandelt man primär sym­p­tomatisch und beginnt mit Allgemeinmaßnahmen. Viele sogenannte Hausmittel wird die Patientin oder der Patient bereits ausprobiert haben. Dazu gehören respiratorische Manöver, Irritationen und Manipulationen im HNO-Bereich sowie die vagale Reizung.

Ein spezieller Strohhalm imitiert das Valsalva-Manöver

Das Autorenteam berichtet zudem davon, dass sich das Valsalva-Manöver mithilfe eines Gerätes, einem speziellen Anti-Schluckauf-Strohhalm, imitieren lässt. In Beobachtungsstudien habe sich dieses Vorgehen als wirksam herausgestellt.Im zweiten Schritt erfolgt meist eine pharmakologische Behandlung. Ist eine gastroösophageale Ursache unwahrscheinlich, kann man off-label 15–75 mg/d Baclofen verordnen. Bei unzureichendem Effekt gibt man zusätzlich 900–1.800 mg/d Gabapentin. Nützt auch das nichts, stellt man auf 3–12 mg/d Haloperidol um.

Zahlreiche Medikamenteversprechen Erleichterung

Auch die beiden letztgenannten Optionen sind für die Indikation Singultus nicht zugelassen. Quält sich die oder der Betroffene weiterhin mit dem Schluckauf herum, gibt es den Autoren zufolge diese Alternativen (in alphabetischer Reihenfolge):

Onkologische Palliativpatientinnen und -patienten können evtl. von einer Steroidrotation, d. h. der Umstellung von Dexamethason auf Methylprednisolon, profitieren. Bei ihnen erweist sich auch die Inhalation von Menthol als potenziell hilfreich.

In ausgesuchten Fällen kommen interventionelle Therapien in Betracht. So kann man den N. phrenicus temporär mittels Lokalanästhetika lahmlegen, das Zwerchfell oder den Vagus stimulieren, täglich über C4 eine repetitive Magnetstimulation durchführen oder das Ganglion stellatum blockieren. Als Ultima Ratio gilt die chirurgische Durchtrennung des Phrenicus, die bevorzugt linksseitig erfolgt.

Ohlrich M, Royl G. Dtsch Med Wochenschr 2025; 150: 1163-1169; doi: 10.1055/a-2623-4275