GLP1-Rezeptoragonisten-Stopp in der Schwangerschaft birgt Gefahren
Das Absetzen von GLP1-Rezeptoragonisten bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft kann zu ernsten Problemen führen: Eine US-Studie zeigt, dass Frauen nach Therapieende häufiger übermäßig zunehmen. Das hat Folgen für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft.
GLP1-Rezeptoragonisten (GLP1-RA) werden zunehmend bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes eingesetzt, natürlich auch von Frauen im gebärfähigen Alter. Wegen tierexperimentell nachgewiesener Fetotoxizität müssen die Wirkstoffe bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft aber abgesetzt werden. Das Absetzen führt häufig zu erneutem Gewichtsanstieg, was ein eigenständiger Risikofaktor in der Gravidität ist.
Eine US-Studie hat nun untersucht, wie sich das Absetzen der Therapie vor oder kurz nach Konzeption auswirkt. Ausgewertet wurden Daten von 1.792 Einlingsschwangerschaften der Jahre 2016 bis 2025 aus einem Klinikverbund im Großraum Boston. Per Propensity-Score-Matching wurden 448 Frauen mit GLP1-RA-Verordnung (drei Jahre vor bis 90 Tage nach Konzeption) mit 1.344 nichtexponierten Frauen verglichen. Die Teilnehmerinnen der GLP1-RA-Gruppe wiesen vor der Schwangerschaft einen durchschnittlichen BMI von 36,1 kg/m2 auf, wobei 84 % von ihnen adipös und 23 % an Diabetes erkrankt waren.
Warum kann eine Gewichtszunahme zum Problem werden?
Die Frauen der GLP1-RA-Gruppe nahm während der Schwangerschaft signifikant mehr zu (13,7 kg vs. 10,5 kg; Δ 3,3 kg). Zudem kam es in dieser Gruppe häufiger zur übermäßigen Gewichtszunahme (65 % vs. 49 %; relatives Risiko, RR, 1,32), zu Schwangerschaftsdiabetes (20 % vs. 15 %; RR 1,30) und Schwangerschaftshypertonie (46 % vs. 36 %; RR 1,29). Auch kam es öfter zu Frühgeburten (17 % vs. 13 %; RR 1,34). Das mittlere Geburtsgewicht war höher, wobei das Risiko für zu große oder zu kleine Neugeborene gleich blieb.
Angesichts dieser Daten sollten Schwangere mit vorheriger GLP1-RA-Therapie engmaschig betreut werden. Weitere Studien sind nötig, um Frauen im reproduktiven Alter zur GLP1-RA-Therapie bei Kinderwunsch evidenzbasiert beraten zu können.
1. Maya J et al. JAMA 2025; 334: 2186-2196; doi: 10.1001/jama.2025.20951
2. Cesta CE et al. JAMA 2025; 334: 2168-2170; doi: 10.1001/jama.2025.19841