Schwangerschaft und Medikamente

GLP1-Analoga bei Kinderwunsch: Therapie rechtzeitig beenden

21. Diabetologie-Update-Seminar
|Erschienen am: 
Kinderwunsch unter der Therapie mit GLP1-Rezeptoragonisten? Vor einer geplanten Schwangerschaft sollte die Medikation rechtzeitig abgesetzt werden.

GLP1-Rezeptoragonisten fördern Gewichtsverlust und Fertilität. Vor einer Schwangerschaft müssen sie aber rechtzeitig abgesetzt werden.

Adipöse Patientinnen erhalten häufig den Rat, vor einer geplanten Schwangerschaft oder einer Kinderwunschbehandlung mit Hilfe von GLP1-Rezeptoragonisten abzunehmen. Man weiß, dass ab einem Gewichtsverlust von mehr als 7 % die Rate spontaner Konzeptionen ansteigt und sich die Erfolgschancen einer In-vitro-Fertilisation verbessern, berichtete Dr. Katharina Laubner von der Freiburger Universitätsklinik für Innere Medizin II. Außerdem sind dann schwangerschaftsbedingte Komplikationen durch die Gewichtsreduktion seltener.

Unter GLP1-Analoga gilt: verhüten und frühzeitig absetzen

Solange die Frauen mit Semaglutid oder anderen GLP1-Analoga behandelt werden, sollen sie laut Fachinformationen mit einer zuverlässigen Methode verhüten und die Medikamente mindestens zwei Monate vor dem Versuch, schwanger zu werden, absetzen. Doch immer häufiger kommt es zu den sogenannten Ozempic-Babys.

Was die Teratogenität angeht, signalisieren zwei Registeranalysen Entwarnung. Deren Ergebnisse deuten darauf hin, dass perikonzeptionell oder in der Frühschwangerschaft gegebene Inkretinmimetika weder zu vermehrten Fehlbildungen noch gehäuft zu Spontanaborten oder intra­uterinem Tod führen. Ein Review aus dem Jahr 2025 stützt diese Einschätzung. Zudem scheint ein plazentarer Übergang der Medikamente aufgrund ihrer hohen Molekülmasse unwahrscheinlich.

Haben die Inkretinmimetika Folgen für Mutter und Kind?

Im Hinblick auf eine unbeabsichtigte Exposition gegenüber Inkretinmimetika während des ersten Trimesters sei dies alles zwar beruhigend, meinte Dr. Laubner. Sicherheitsbedenken gebe es aber nach wie vor. Sie rät deshalb dazu, eine Therapie mit GLP1-Rezeptoragonisten sofort abzusetzen, wenn eine Frau schwanger geworden ist.

Ob eine vorausgegangene Behandlung mit Inkretinmimetika Konsequenzen für den Verlauf einer Schwangerschaft hat, wurde retrospektiv in einer Kohortenstudie geprüft. Die Autorinnen und Autoren verglichen die Daten von 4.267 Frauen, die in den zwei Jahren vor Eintritt der Gravidität GLP1-Analoga bekommen hatten, mit den von ebenso vielen Frauen ohne eine solche Behandlung.

Nach der Behandlung signifikant weniger Komplikationen

Was die initiale Häufigkeit von Prädiabetes, Typ-2-Diabetes, Übergewicht und Adipositas sowie arterieller Hypertonie anging, unterschieden sich die beiden Gruppen nicht. Die Auswertungen ergaben u. a., dass eine Therapie im Jahr vor der Konzeption signifikant mit einem verringerten Risiko für Gestationsdiabetes, hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, Präeklampsie, Frühgeburtlichkeit und Sectio assoziiert war.

In einer anderen Kohortenstudie beobachtete man jedoch gewisse Warnzeichen: Hier war eine Therapie mit GLP1-Rezeptoragonisten, die vor oder zu Beginn der Schwangerschaft abgesetzt wurde, mit einer stärkeren Gewichtszunahme der Mutter (ca. 3,3 kg) verbunden. Eine übermäßige Gewichtszunahme fand sich in 65 % vs. 49 % der Graviditäten. Für Dr. Laubner ist dies ein wichtiger Faktor, der sich negativ auf die spätere Entwicklung des Kindes auswirken kann. Auch die Ergebnisse hinsichtlich Frühgeburtlichkeit, Gestationsdiabetes und hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen fielen in dieser Analyse eher ungünstig aus.

Aufgrund der aktuellen Datenlage sieht es die Kollegin nach wie vor kritisch, adipösen Frauen, die schwanger werden wollen, GLP1-Analoga zu empfehlen, um sie dann nach der Konzeption abzusetzen. Tritt eine Schwangerschaft unter der Therapie ein, solle man die werdenden Mütter kontinuierlich überwachen und die Fälle an embryotox.de melden.

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

Das könnte Sie auch interessieren