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Bei der Kolpitis handelt es sich um eine Entzündung im Bereich der Vagina, wobei die Vulva häufig mitbetroffen ist (Vulvovaginitis). Ursachen können ein Ungleichgewicht der Vaginalflora (bakterielle Vaginose), Pilzinfektionen (vulvovaginale Kandidose), Trichomonaden-Infektionen oder sexuelle übertragebare Infektionen durch Chlamydien oder Gonokokken sein. Nach der Menopause kann auch eine atrophie senile Kolpitis auftreten. Folgende Faktoren könne die Entstehung einer Kolpitis begünstigen:
Systemerkrankungen wie Diabetes
postmenopausaler Östrogenmangel
Hygienemangel oder übertrieben Hygiene
Radiatio
Medikamente (z.B. SGLT2-Hemmer)
mechanische Hautläsionen (z.B. zu enge Kleidung, Adipositas, Kratzen bei Pruritus)
Kontaktallergien
Harninktontinenz
Fisteln
Infektionen des oberen Genitaltraktes
Bakterielle Vaginose:
Ungleichgewicht der Scheidenflora zu Ungunsten der Milchsäurebakterien mit konsekutiver Überbesiedlung durch pathogene Keime
häufigste mikrobiologische Störung des Scheidenmilieus bei Frauen während der Geschlechtsreife. (ca. 5 % aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter, ca. 10–20 % der Schwangeren)
Alter meist zwischen 15 und 45 Jahren
meist Mischkulturen, in 95 % Gardnerella vaginalis
hohe Rezidivrate
Risikofaktoren:
häufiger Geschlechtsverkehr (insbesondere mit wechselnden Partnern)
häufige vaginale Spülung und Verwendung kosmetischer Produkte
systemische Antibiotikatherapie
Östrogenmangel, insbesondere im Wochenbett
Stress
Komplikationen
aszendierende Infektionen des oberen Genitaltrakts (z.B. Zervizitis, Adnexitis, Endometritis)
bei Schwangeren: Amnioninfektionssyndrom, vorzeitige Wehen bzw. vorzeitiger Blasensprung, Fehl- oder Frühgeburt, postpartale Endometritis
Koinfektion mit STD durch erhöhtes Übertragungsrisiko
Trichomonaden-Infektion:
Infektion mit Trichomonas vaginalis
Übertragung vor allem durch Geschlechtsverkehr (selten auch durch Badebekleidung Toilettenbenutzung, Schwimmbecken etc.)
meist Vaginitis, aber auch aufsteigende Infektionen möglich
Risikofaktoren:
wechselnde Geschlechtspartner
andere STD
Komplikationen:
vaginales Mukosa-Emphysem
aufsteigende Infektion mit Infertilität
in der Schwangerschaft erhöhtes Risiko für Frühgeburt, vorzeitigem Blasensprung und niedriges Geburtsgewicht
Kolpitis senilis:
durch Östrogenmangel nach der Menopause bedingte vaginale Atrophie
bei bis zu zwei Dritteln der Frauen, die sich seit vier oder mehr Jahren in der Postmenopause befinden, nachweisbar
Symptomatik
Bakterielle Vaginose:
vermehrter dünnflüssiger oder schaumiger, grau-weißer bis gelber Fluor vaginalis
fischartiger Geruch
evtl. brennende Schmerzen (vor allem beim Geschlechtsverkehr)
evtl. Pruritus
evtl. Dysurie
Trichomonaden-Infektion
in 70–85 % der Fälle asymptomatische Verläufe
Symptombeginn i.d.R. 5–28 Tage nach Infektion
vulvovaginaler Pruritus und Rötung (ggf. Bläschenbildung)
Kolpitis granularis: Punktförmige Rötungen der Vaginalschleimhaut („Erdbeerzervix“)
Brennen, Dyspareunie, Dysurie
unangenehm riechender, grün-gelblicher Ausfluss (Fluor) mit Schaumbildung (5–50 %)
Beteiligung von Harnblase, Urethra und paraurethralen Drüsen häufig
Kolpitis senilis
Trockenheit der Scheide als Leitsymptom
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
bei entzündlicher Komponente auch vermehrt Symptome wie Brennen, Jucken oder Fluor
Untersuchung
Bakterielle Vaginose: vermehrter dünnflüssiger grau-weißer bis gelber Fluor, fischartiger Geruch Trichomonaden-Infektion: punktförmige Rötungen der Vaginalschleimhaut („Erdbeerzervix“) und unangenehm riechender Ausfluss Kolpitis senilis: Epithel der Scheidenwand dünn, blass oder gerötet, trocken und mitunter fast durchsichtig, Anstieg des pH-Wertes
Labor
Bakterielle Vaginose Mindestens drei der folgenden vier Amsel-Kriterien müssen zum Nachweis einer bakteriellen Vaginose erfüllt sein:
Vermehrter dünnflüssiger oder schaumiger, grau-weißer bis gelber Fluor vaginalis
Nachweis von Clue Cells (Plattenepithelzellen bedeckt mit kokkoiden Bakterien im Nativabstrich oder Grampräparat )
Fischiger Geruch oderAmintest: Nach Aufträufeln von 1–2 Tropfen 10%iger Kalilauge auf das Abstrichmaterial kommt es zur Intensivierung des „Fischgeruchs“)
Vaginal-pH: >4,5
Trichomonaden-Kolpitis
Abstrich: Im Nativpräparat mikroskopischer Nachweis von Flagellaten mit mehreren Geißeln und ruckartigen Bewegungen
Kultur nur in Einzelfällen (gute Aussagekraft, aber aufwendige Durchführung)
PCR möglich (aber kein Standardverfahren)
Bei Nachweis einer Trichomoniasis immer Ausschluss von Begleiterkrankungen (bakterielle Vaginose, Gonokokken, Chlamydien, Candida, Syphilis, Virus-Hepatitis und HIV)
Bakterielle Vaginose: Bei bakterieller Vaginose ist immer eine systemische oder lokale Antibiotika-Therapie indiziert, um aufsteigende Infektionen zu verhindern. Dies ist besonders in der Schwangerschaft wichtig, da ein Zusammenhang mit Frühgeburtlichkeit nachgewiesen wurde. Systemische Therapie: Metronidazol oder Clindamycin oral Lokale Therapie: Metronidazol oder Clindamycin vaginal (Vaginalsuppositorien oder-cremes) Weitere Maßnahmen:
Ansäuerung des Scheidenmilieus mit Lactobacillus-acidophilus-Zäpfchen
Octenidin oder Dequaliniumchlorid vaginal (zur Desinfektion)
Eine Mitbehandlung des Partners ist nicht erforderlich und ändert nichts an der hohen Rezidivrate. Trichomonadeninfektion
Mitbehandlung des Partners sinnvoll, um Ping-Pong-Effekt zu verhindern
Kolpitis senilis:
lokale Anwendung östrogenhaltiger Präparate (Salben, Cremes)
Prävention
Bakterielle Vaginose: Stabilisierung der Vaginalflora Trichomonaden-Infektion: Aufklärung über STI und Safer Sex (Verwendung von Kondomen)
Leitlinien
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V Bakterielle Vaginose in Gynäkologie und Geburtshilfe (abgelaufen) S2k-Leitlinie: Sexuell übertragbare Infektionen (STI) - Beratung, Diagnostik, Therapie
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