Bispezifischer Antikörper punktet beim r/r Mantelzell-Lymphom
Glofitamab kann beim rezidivierten oder refraktären Mantelzell-Lymphom offenbar hohe Ansprechraten über Jahre hinweg erzielen – selbst nach BTK-Inhibitor-Versagen. Phase-1/2-Studiendaten deuten auf eine schnelle Krankheitskontrolle bei akzeptabler Verträglichkeit.
Das rezidivierte oder refraktäre Mantelzell-Lymphom hat eine schlechte Prognose, vor allem wenn es Hochrisiko-Eigenschaften hat oder bereits mit Inhibitoren der Bruton-Tyrosinkinase (BTK) behandelt wurde und danach progredient ist. Der bispezifische CD3xCD20-Antikörper Glofitamab ist bislang zugelassen zur Therapie des rezidivierten oder refraktären diffus-großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL).
Beim vorbehandelten Mantelzell-Lymphom hat Glofitamab in einer Phase-1/2-Studie nach Gabe von Obinutuzumab hohe Ansprechraten bei guter Verträglichkeit gezeigt. Dabei war es egal, ob die Patient:innen vorher bereits BTK-Inhibitoren erhalten hatten oder nicht. Prof. Dr. Yasmin H. Karimi, University of Michigan Health, stellte nun die Daten nach median dreieinhalb Jahren Nachbeobachtung vor.
Wer nahm an der Studie teil?
Die 61 eingeschlossenen Patient:innen hatten zuvor im Median zwei Therapielinien erhalten und wiesen alle Hochrisiko-Merkmale wie einen Ki-67-Proliferationsindex von ≥ 30 %, eine blastoide oder pleomorphe Histologie oder TP53-Mutationen auf. Sie hatten in der Studie im Median zwölf dreiwöchige Zyklen Glofitamab in einschleichender Dosierung bekommen – die Absicht war ausdrücklich, eine zeitlich limitierte Therapie zu geben. Zur Minderung des Risikos für ein Zytokin-Freisetzungssyndrom wurde zu Beginn eine Dosis Obinutuzumab (1.000 oder 2.000 mg) gegeben.
Die Gesamtansprechrate lag nach median 41,5 Monaten bei 82 % mit 77 % Komplettremissionen. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 18 Monate (95%-KI 11,3–42,8 Monate), beim Gesamtüberleben ist der Medianwert noch nicht erreicht. Die mediane Dauer der Komplettremissionen lag bei 40,8 Monaten (95%-KI 14,1–NE).
Hohe Ansprechraten trotz Vorbehandlung
Für die 34 Patient:innen, die zuvor bereits BTK-Inhibitoren erhalten hatten und darunter progredient gewesen waren – ein Hochrisiko-Merkmal –, waren Ansprech- und Komplettremissionsrate mit 73,5 % bzw. 70,6 % nicht wesentlich niedriger. Die Dauer der kompletten Remissionen betrug für dieses Kollektiv im Median 15,4 Monate, das progressionsfreie Überleben median 11,3 Monate und das Gesamtüberleben median 29,9 Monate.
Die 27 BTK-Inhibitor-naiven Patient:innen schnitten mit einer Ansprechrate von 92,6 % – bei 85,2 % kompletten Remissionen – noch erheblich besser ab. Die mediane Zeit bis zur ersten Komplettremission lag bei 45 Tagen.
Das Sicherheitsprofil
Die Sicherheit war vergleichbar mit dem, was von Glofitamab bekannt ist; es kam bei 70 % der Patient:innen zu Zytokin-Freisetzungssyndromen, die aber nur in 11,6 % der Fälle vom Grad 3–4 waren und deren Anteil unter der höheren Obinutuzumab-Dosis geringer ausfiel.
Diese zeitlich limitierte Behandlung mit dem CD3xCD20-Antikörper zeigt also bei stark vorbehandelten Patient:innen mit Mantelzell-Lymphom gute Wirksamkeit bei akzeptabler Verträglichkeit – auch wenn Patient:innen mit BTK-Inhibitoren vorbehandelt sind. Es sollte Prof. Karimi zufolge eine sinnvolle Therapie für Patient:innen sein, die eine rasche Kontrolle ihrer progredienten Erkrankung brauchen, und wird in dieser Indikation nun in der Phase-3-Studie GLOBRYTE randomisiert gegen eine Kontrolltherapie nach Wahl der Prüfärzt:innen getestet.
Karimi YH. EHA 2026; Vortrag S232