Leben mit HIV

Herz und Hirn bei HIV schützen

26th International AIDS Conference
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Mit modernen antiretroviralen Therapien ist für Menschen mit HIV eine nahezu normale Lebenserwartung möglich. Doch metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen erfordern ein aktives Risikomanagement.

Moderne Therapien verlängern das Leben mit HIV erheblich. Doch Herz und Hirn der Betroffenen altern schneller. Mit gezielter Prävention kann man gegensteuern.

Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben, haben ein bis zu doppelt so hohes kardiovaskuläres Risiko wie Nichtinfizierte. Zudem entwickelt fast die Hälfte von ihnen eine steatotische Lebererkrankung, die auch bei schlanken Personen mit Steatohepatitis und Fibrose aggressiv verlaufen kann, berichtete Dr. Eugenia Negredo vom Hospital Germans Trias i Pujol in Barcelona. Um diese Risiken zu senken, müsse die systemische Inflammation durch pharmakologische Lipidsenkung und gezielte Modulation entzündlicher Signalwege unterbrochen werden.

REPRIEVE: Pitavastin schützt das Herz von HIV-Betroffenen

In diesem Zusammenhang präsentierte Dr. Negredo die Daten der REPRIEVE-Studie. In dieser Untersuchung senkte Pitavastatin 4 mg täglich bei Menschen mit HIV unter stabiler antiretroviraler Therapie (ART) und niedriger bis moderater kardiovaskulärer Gefährdung das relative Risiko des primären MACE-Endpunkts um 35 % gegenüber Placebo.

In einer ergänzenden Analyse wurde unter Pitavastatin eine Regression des Volumens nichtverkalkter Koronarplaques sowie eine anhaltende Reduktion inflammatorischer und immunaktivierungsbezogener Biomarker beobachtet. Daher empfiehlt Dr. Negredo, bei alternden Menschen mit HIV regelmäßig das Zehn-Jahres-Risiko für atherosklerotisch bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankung zu evaluieren und gegebenenfalls eine Statintherapie zu initiieren. Bei entsprechender Indikation kann ihrer Ansicht nach außerdem der Einsatz von GLP1-Rezeptoragonisten erwogen werden. Für die Anwendung speziell bei alternden Patientinnen und Patienten fehlen jedoch noch robuste Langzeitdaten.

Auch mit HIV-Infektion bleibt der Lebensstil zentral

Der Einfluss der ART-Regime auf die Gewichtsentwicklung ist uneinheitlich. Eine Metaanalyse randomisierter Studien ergab eine moderate Gewichtszunahme unter Tenofoviralafenamid (TAF) im Vergleich zu Regimen mit oder ohne Tenofovirdisoproxilfumarat (TDF). Die klinische Relevanz und die langfristige Persistenz dieses Zusammenhangs sind jedoch unklar, so die Expertin. Für Dolutegravir und Bictegravir zeigte sich keine signifikante Assoziation mit dem Körpergewicht. Ganz sicher gilt aber bei Menschen mit HIV wie bei anderen auch die Empfehlung für einen gesundheitsfördernden Lebensstil mit Verzicht auf Rauchen und Substanzkonsum, mit mediterraner Kost, Gewichtsmanagement sowie regelmäßiger körperlicher Aktivität.

HIV-assoziierte neurokognitive Störungen sind seit Langem beschrieben. Während eine manifeste Demenz beziehungsweise eine schwere neurokognitive Störung infolge der Infektion heute selten ist, kommen leichte neurokognitive Defizite häufiger vor, berichtete Dr. Lucette Cysique von der University of New South Wales in Sydney. Zudem gebe es Hinweise auf ein erhöhtes Demenzrisiko bei Menschen mit HIV.

Die Hirngesundheit durch Früherkennung schützen

Es sei wichtig, dass über diese Zusammenhänge gesprochen werde, meinte Dr. Cysique. Es gebe viele modifizierbare Risikofaktoren, und somit könne jeder Mensch mit HIV etwas für seine Hirngesundheit tun. Zentral für die Risikominderung sind eine früh begonnene ART mit anhaltender Virussuppression auf der einen Seite sowie ein gesunder Lebensstil auf der anderen Seite. Die Referentin empfahl ein Screening mit einem der etablierten Instrumente. Die Auswahl sollte sich nach Zielsetzung, Sprache, kulturellem Kontext und den jeweiligen Limitationen des Tools richten.

Eine frühe Identifizierung kognitiver Einschränkungen kann den geistigen Abbau durch geeignete Maßnahmen möglicherweise verlangsamen. Dr. Cysique rief dazu auf, Menschen mit HIV in Studien zur Therapie kognitiver Störungen einzubeziehen, um neue Behandlungsmöglichkeiten für diese Risikopersonen zu erforschen. Bislang ist eine HIV-Infektion in der Regel meist ein Ausschlusskriterium für die Studienteilnahme.

Friederike Klein

Friederike Klein

Dipl.-Biologin Friederike Klein ist seit 2005 freiberuflich als Medizin- und Wissenschaftsjournalistin tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf der aktuellen Berichterstattung von Kongressen im Bereich Hämatologie und Onkologie, Innere und Viszeralmedizin, Dermatologie sowie Neurologie und Psychiatrie. Sie ist seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Medical Tribune und die Fachtitel des Verlags tätig.

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