Gefährliche Zecken auf dem Vormarsch

Hyalomma-Zecke überträgt tödliche Infektionen

98. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
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Der Klimawandel ließ eine Zeckenart in Deutschland heimisch werden, die weitere gefährliche Bakterien und Viren übertragen kann.

Die tropische Hyalomma-Zecke jagt blitzschnell und überträgt gefährliche Erreger wie Rickettsien und Krim-Kongo-Viren. Ihr Auftreten in Deutschland alarmiert Expertinnen und Experten – erstmals wurden auch heimische Infektionen bestätigt.

Die Namen verraten es schon: Das Krim-Kongo-Fieber oder das Queensland-Fieber (Q-Fieber) waren einst Reisemitbringsel. Das ist heute anders. Der Klimawandel ließ eine Zeckenart in Deutschland heimisch werden, die weitere gefährliche Bakterien und Viren übertragen kann.

Erstmals im Jahr 2018 wurde nachgewiesen, dass Hyalomma marginatum in Deutschland überwintert. Bei der bis zu 2 cm großen Zecke mit den gestreiften Beinen handelt es sich um einen aktiven Jäger. Mit ihren Augen und chemischen Sinnen kann sie ihre Opfer über zehn Meter hinweg wahrnehmen und anschließend über mehrere Meter verfolgen. „Sie ist so schnell wie eine jagende Spinne“, erläuterte Prof. Dr. Uta Meyding-Lamadé vom Klinikum Nordwest in Frankfurt am Main. 2019 wurde im Gefolge der Verbreitung dieser Zecke erstmals in Deutschland Fleckfieber bei einem Pferdehalter aus Nordrhein-Westfalen berichtet. Damit bestätigte sich, dass Hyalomma marginatum auch Menschen befällt und dass die Übertragung des Fleckfiebers durch diese Zeckenart möglich ist.

Fieber und makulopapulöses Exanthem als Leitsymptome

Erreger des durch Zecken übertragenen Fleckfiebers sind Rickettsien. Die Inkubationszeit beträgt vier bis zehn Tage. Leitsymptome der meldepflichtigen Erkrankung sind hohes Fieber und ein makulopapulöses Exanthem, das nach vier bis sieben Tagen erscheint. Mitunter treten auch Somnolenz und Stupor auf. Unbehandelt verläuft die Infektion in bis zu 40 % der Fälle tödlich.

Das Bernhard-Nocht-Institut (Hamburg) kann die Diagnostik über spezielle molekularbiologische und serologische Nachweisverfahren unterstützen. Die Standardtherapie des Fleckfiebers erfolgt mit 2 x 100 mg Doxycyclin für sieben bis zehn Tage. Alternativ kommen andere Tetracycline oder Chloramphenicol infrage, so Prof. Meyding-Lamadé.

Verschiedene Infektionswege beim Krim-Kongo-Fieber

Hyalomma marginatum kann auch die Erreger des Krim-Kongo-Fiebers übertragen. Neben der Verbreitung der Viren durch Zecken ist eine Infektion auch von Mensch zu Mensch mit Speichel, Blut und Kot oder dem Verzehr von Fleisch erkrankter Tiere möglich. Es gibt asymptomatische Verläufe oder solche mit geringen Krankheitszeichen. Symptomatische Erkrankungen beginnen oft sehr akut mit Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gelenkschmerzen und vergrößerten Lymphknoten. Typisch für das Krim-Kongo-Fieber sind Rötungen von Gesicht, Bindehaut und Rachen sowie faziale Ödeme. Neurologisch kann sich die Erkrankung als Enzephalitis manifestieren. Je nach Virusstamm sind schwere Verläufe mit Todesfolge möglich. Die Therapie erfolgt mit Ribavirin. In den letzten Jahren wurde erstmals über Erkrankte in der spanischen Provinz Salamanca berichtet. Dem Robert Koch-Institut wurde noch kein Fall gemeldet.

Auwaldzecke als möglicher Überträger des Q-Fiebers

Auch den Erreger des Q-Fiebers kann Hyalomma marginatum im Gepäck haben. Häufiger wird der intrazellulär lebende Erreger Coxiella burnetii jedoch über den Kot der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) auf Schafe, aber auch auf Menschen übertragen. Zu den Symptomen gehören neben Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und trockenem Husten auch neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Benommenheit, Stimmungsschwankungen und Depression. Die Therapie kann mit einem Tetracyclin wie Doxycyclin oder einem Chinolon (beispielsweise Levofloxacin) erfolgen.