HIV-Prävention auf Tour

Mobile Angebote für mobile Menschen

26th International AIDS Conference
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
Das Checkmobil der Aidshilfe Schleswig-Holstein findet regen Anklang.

Menschen, die aufgrund ihres Berufs viel unterwegs sind, werden mit Angeboten zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen oft nicht erreicht. Zwei Beispiele zeigen, wie sich das ändern lässt.

Die Aidshilfe Schleswig-Holstein bietet seit 2025 an zwei bis drei Abenden im Monat an einschlägigen Autobahnparkplätzen in ihrem Bundesland eine mobile Beratung in Deutsch, Englisch, Türkisch und Russisch und Tests auf Infektionen mit HIV, Syphilis, Hepatitis C, Gonorrhoe und Chlamydien an.

Gestartet war das Projekt als Service für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Das niederschwellige Angebot findet aber auch Interesse bei Heterosexuellen (28 % aller Besucher) und Frauen (29 % aller Besucher), erklärte Konstantin Kandlen von der Aidshilfe Schleswig-Holstein in Kiel. Dass Menschen erreicht werden, die sonst keine HIV-Offerten annehmen, zeigt die hohe Rate an erstmals Getesteten von 49 %.

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1,3 % aller Getesteten hatten ein positives Ergebnis für HIV; 1,3 % für Gonorrhoe und je 0,7 % für Chlamydien beziehungsweise Syphilis. Neben Beratung und Testung wurden auch weitere Services gut angenommen: Das Checkmobil gab seit Beginn der Aktion mehr als 1.200 Kondome und 1.400 Gleitmittel-Einheiten aus. Männliche Sexarbeiter mit eingeschränkten Deutschkenntnissen wurden regelmäßige Besucher des Checkmobils.

Afrikanische Studie prüft mobile Prä-Expositionsprophylaxe

In Afrika ist die Zahl der mobil Arbeitenden noch größer als bei uns. Neben Lastwagen- und Taxifahrern gibt es auch viele Wanderarbeiter. Die HIV-Prävalenz liegt in dieser Population bei 26–54 %, berichtete Prof. Dr. Eugene Ruzagira von der London School of Hygiene & Tropical Medicine Uganda Research Unit. Gleichzeitig ist der Zugang zur Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) durch die Mobilität erschwert. Die langwirksame Spritzen-PrEP wird nur teilweise bevorzugt, wie die Mobile-Men-Studie in Uganda und Südafrika zeigt.

In der randomisierten Studie erhielten Männer direkt nach einem negativen Test in einer mobilen Station oder einem ländlich gelegenen Zentrum das Angebot einer PrEP mit Injektionen mit langwirksamem Cabotegravir (LA CAB) alle zwei Monate oder oral mit Tenofovirdisoproxil/Emtricitabin (TDF/FTC) zur täglichen Einnahme oder ereignisgesteuert.

Die Annahme und Persistenz der PrEP war insgesamt niedrig, in der LA-CAB-Gruppe aber signifikant höher als bei der Gruppe mit oraler PrEP (28 % vs. 16 %, Odds Ratio 2,53). Nach neun Monaten durften die Männer selbst wählen, wie sie die PrEP fortsetzen wollten. 58 % bevorzugten die Injektionen. Unter den 42 %, die lieber eine orale PrEP wollten, waren viele, die eine PrEP nur bei bestimmten Ereignissen anwenden wollten.

Friederike Klein

Friederike Klein

Dipl.-Biologin Friederike Klein ist seit 2005 freiberuflich als Medizin- und Wissenschaftsjournalistin tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf der aktuellen Berichterstattung von Kongressen im Bereich Hämatologie und Onkologie, Innere und Viszeralmedizin, Dermatologie sowie Neurologie und Psychiatrie. Sie ist seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Medical Tribune und die Fachtitel des Verlags tätig.

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