Nirsevimab und RSV-Impfstoffe überzeugen im Alltag
Der klinische Nutzen moderner RSV-Präventionbestätigt sich im Versorgungsalltag. Eine Metaanalyse mit Daten von 7,6 Millionen Menschen belegt hohe Wirksamkeit von Nirsevimab und RSV-Impfstoffen – bei zugleich offenen Fragen.
Der monoklonale Antikörper Nirsevimab für Säuglinge und die Vakzine gegen das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) für Schwangere und ältere Erwachsene sind seit 2023 auf dem Markt. In Studien haben sie sich bei der Prävention schwerer RSV-Verläufe als hochwirksam erwiesen. Viele der Arbeiten seien wegen restriktiver Einschlusskriterien und methodischer Mankos aber nur bedingt aussagefähig, schreibt das Team um Dr. Bohee Lee vom Imperial College in London. Für eine praxisnahe Evidenz gingen die Forschenden jetzt dem Erfolg der Wirkstoffe im Real-World-Setting auf den Grund.
Als Basis für ihr systematisches Review plus Metaanalyse wählten sie 50 vom 1. Dezember 2022 bis zum 10. März 2025 veröffentlichte Arbeiten mit Daten eines Patientenkollektivs von insgesamt rund 7,6 Millionen Menschen. Eingeschlossen waren Beobachtungsstudien wie prospektive und retrospektive Kohortenstudien, populationsbasierte Untersuchungen mit routinemäßig erhobenen Gesundheitsdaten, registerbasierte Analysen und Studien zur Anwendungsbeobachtung.
Die meisten Publikationen stammten aus Europa, vornehmlich Spanien und Frankreich, sowie aus den USA. Das Risiko für einen Bias wurde für die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien als gering eingeschätzt. Die Wirksamkeit des Antikörpers und der klassischen RSV-Impfstoffe definierte das Team als relative Abnahme der Wahrscheinlichkeit eines Arztbesuchs aufgrund einer RSV-Infektion oder einer Erkrankung der unteren Atemwege einschließlich Bronchiolitis.
Die Wirksamkeit von Nirsevimab bei der Reduzierung ärztlich behandelter RSV-assoziierter Atemwegsinfektionen lag zwischen 75,6 % und 80,7 %. Das Sicherheitsprofil war günstig, es traten keine schweren unerwünschten Ereignisse auf. Im klinischen Setting lag die Wirksamkeit des Antikörpers gegen RSV-bedingte Krankenhausaufenthalte während der ersten RSV-Saison zwischen 61 % und 90 % im Vergleich zur Standardbehandlung.
Bei älteren Erwachsenen zeigten RSV-Impfstoffe eine geschätzte Wirksamkeit von 77,9 % und 79,6 % bei der Verhinderung eines Besuches der Notaufnahme bzw. einer RSV-bedingten Hospitalisierung. Bei weniger als zehn Personen pro einer Million Impfdosen kam es zu einem Guillain-Barré-Syndrom.
Was den RSV-Impfstoff für Schwangere angeht, lagen nur wenige Daten zur Effizienz und Sicherheit im klinischen Setting vor. Schwere Nebenwirkungen gab es keine.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse für Nirsevimab eine hohe Wirksamkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil bei Säuglingen. Für die Bewertung von RSV-Impfstoffen bei Schwangeren und älteren Erwachsenen werden jedoch weitere Evidenzen benötigt, schlussfolgert das Team.
Lee B et al. Thorax 2025; 80: 838-848; doi: 10.1136/thorax-2025-223376