TAVI bei Frauen: keine höhere Mortalität, aber mehr schwere Blutungen
Bei einer TAVI liegt das Mortalitätsrisiko für Frauen nicht höher als bei Männern – doch schwere Blutungen treten deutlich häufiger auf. Eine Metaanalyse von 14 randomisierten Studien mit 15.225 Teilnehmenden schärft das Bild.
Dass Frauen in Bezug auf Krankheit und Therapie anders reagieren als Männer, gilt auch in der Kardiologie. So weisen Patientinnen mit einer Aortenstenose im Vergleich zu Patienten nicht nur besondere klinische Charakteristika auf, sondern es lassen sich z. B. auch unterschiedliche Schweregrade der Klappenverkalkung oder des ventrikulären Remodeling feststellen.
Metaanalyse von 14Studien schafft Evidenz
Beim chirurgischen Klappenersatz zeigt sich älteren Publikationen zufolge ein schlechteres Outcome bei Frauen. Zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der v. a. bei älteren Personen häufig angewendeten Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) gibt es bisher jedoch widersprüchliche Daten. Nun bringt eine aktuelle Auswertung von 14 randomisierten Studien mit insgesamt 15.225 Teilnehmenden mehr Klarheit.
Mortalität nach TAVI istgeschlechtsunabhängig
Beim primären Endpunkt Gesamtmortalität ergab sich zwischen den Frauen und Männern mit per TAVI therapierter Aortenstenose kein Unterschied – außer einem besseren Outcome für Frauen in der Subgruppe der Personen mit intermediärem Operationsrisiko. Auch in Bezug auf die kardiovaskuläre Mortalität, Schlaganfälle oder die Notwendigkeit der Implantation eines permanenten Schrittmachers zeigten sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Auffällig jedoch waren deutlich häufigere schwere Blutungen bei Patientinnen (Odds Ratio 1,35) – ein Ergebnis, das zu früheren Studiendaten passt. Frauen haben wohl deshalb ein höheres Risiko für vaskuläre Komplikationen und Blutungen, weil ihre Blutgefäße häufig gewundener verlaufen als bei Männern und auch die iliofemoralen Gefäße enger sind. Das führt zu ungünstigen Verhältnissen beim Einführen des Gefäßkatheters, selbst wenn ein entsprechend schmales Kaliber gewählt wird.
Weitere mögliche Ursachen für gehäufte Blutungskomplikationen bei TAVI sind das oft höhere Alter, das geringere Körpergewicht und die empfindlichen Gefäßwände bei Frauen, auch wenn diese insgesamt seltener als Männer vaskuläre Risikofaktoren wie Atherosklerose, Diabetes oder eine Hypertonie aufweisen.
Grundsätzlich habe, bis auf die o. g. Ausnahme, das Geschlecht an sich keinen deutlichen Einfluss auf das Outcome einer TAVI. Die ausgewerteten Studien seien jedoch sehr heterogen, so die Autorinnen und Autoren. Sie schlagen vor, geschlechtsspezifische Überlegungen in zukünftigen Studien zum Thema zu berücksichtigen. Bei der technischen Weiterentwicklung der TAVI sollten die besonderen anatomischen und verfahrensbedingten Herausforderungen bei Frauen beachtet werden, um das Blutungsrisiko zu senken.
Ferraz-Costa GN et al. Open Heart 2026; 13: e003642; doi: 10.1136/openhrt-2025-003642