Versorgungslücken beim Herzschutz

Herzschutz durch LDL-Senkung wird in Deutschland vernachlässigt

Pressemitteilung – Deutsche Herzstiftung
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Erhöhte LDL-Cholesterin-Werte werden hierzulande nur unzureichend angegangen.

Erhöhte LDL-Cholesterin-Werte werden hierzulande nur unzureichend angegangen. Das Versorgungsdefizit bleibt nicht ohne Folgen für die Herzgesundheit der Bevölkerung.

In Deutschland könnten viele Herzinfarkte und Schlaganfälle durch die konsequente medikamentöse Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte verhindert werden. Viele Menschen mit hohen LDL-Spiegeln erhalten nämlich gar keine oder nur eine unzureichende lipidsenkende Therapie, sagt Prof. Dr. ­Heribert ­Schunkert vom TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum München.

Bei koronarer Herzerkrankung und hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) die Reduzierung des LDL-Cholesterins unter 55 mg/dl, wobei der Spiegel mindestens um 50 % des Ausgangswerts sinken soll.

Prof. Dr. ­Oliver ­Weingärtner, Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Jena, der mit anderen Forschenden Daten von 1.500 Kardiologie- und 82.375 Hausarztpraxen für die Studie LipidSnapshot ausgewertet hat, berichtet: Nur 27 % der kardiologisch und nur 12 % der hausärztlich betreuten Herzkranken erreichen den Zielwert.

27 % der hausärztlich Betreuten erhalten gar keine lipidsenkende Therapie. Bei den unter 50-Jährigen ist die Versorgungslücke besonders groß: In dieser Altersgruppe ist jeder zweite unversorgt. Frauen werden insgesamt seltener adäquat behandelt, obwohl ihr LDL-Cholesterin mit zunehmendem Alter schneller steigt als das der Männer.

Nationale Leitlinie macht beim LDL zu laxe Vorgaben

Die meisten Hausärztinnen und Hausärzte orientieren sich an der Nationalen VersorgungsLeitlinie „Chronische KHK“, erklärt Prof. Weingärtner. Diese sehe zwar die Statinbehandlung vor, allerdings in einer festen Dosis und ohne einen niedrigen Zielwert zu benennen. Häufig werde auf diese Weise das LDL-Cholesterin zwar unter 70 mg/dl gedrückt, das strengere ESC/EAS-Ziel werde aber nicht erreicht.

Das ist ein risikorelevanter Unterschied, betont auch Prof. Dr. ­Anna ­Hohneck vom Universitätsklinikum Heidelberg. Sie sieht ein weiteres Problem: Die Erstverschreibung von PCSK9-Hemmern darf in Deutschland nur durch bestimmte Fachärztinnen und -ärzte erfolgen. Die Weiterverordnung in der Allgemeinarztpraxis erfolge aber nur selten. Viele Patientinnen und Patienten seien sich zudem der Gefahren ihrer Fettstoffwechselstörung nicht bewusst oder würden die Einnahme von Lipidsenkern aus Angst vor Nebenwirkungen scheuen. Diese Sorge sei jedoch unbegründet, betonen die Fachleute.

Einheitliche Zielwerte für das Cholesterin gefordert

Die Versorgungslücken müssen geschlossen werden, fordern die Expertinnen und Experten. Alle ärztlichen Berufsgruppen sollten sich auf einheitliche LDL-Cholesterin-Zielwerte und Therapieprinzipien einigen und diese transparent kommunizieren. Zudem müssten moderne lipidsenkende Medikamente leichter zugänglich sein und die Hausärztinnen und Hausärzte besser in die Versorgung eingebunden werden.