Antibiotika könnten Herzrisiko erhöhen
Wer häufiger Antibiotika einnehmen muss, hat langfristig möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu entwickeln. Ein koreanisches Forscherteam führt dies auf Mikrobiomveränderungen zurück.
Antibiotika sollten mit Bedacht eingesetzt werden – offenbar auch im Sinne der kardiovaskulären Gesundheit. In einer großen populationsbasierten Kohortenstudie ging ein Forscherteam der Frage nach, ob die langfristige Einnahme von Antibiotika mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung steht. Berücksichtigt wurde sowohl die kumulierte Verschreibungsdauer als auch die Anzahl der verordneten Antibiotikaklassen.
Die Auswertung basiert auf den Krankenversicherungsdaten von über zwei Millionen Koreanerinnen und Koreanern im Alter von 40 bis 79 Jahren. Die Medikamentenexposition wurde anhand der kumulativen Verschreibungen der Jahre 2006 bis 2010 bestimmt, 2004 und 2005 durften keine Antibiotika eingesetzt worden sein. Als Endpunkt definierten die Forschenden kardiovaskuläre Erkrankungen, die im Zeitraum von 2011 bis 2021 auftraten und einen mindestens zweitägigen Krankenhausaufenthalt erforderten.
Eine kumulierte Antibiotikaexposition von mehr als 90 Tagen ging nach Adjustierung auf diverse Störvariablen mit einem erhöhten Herzrisiko einher. Gegenüber keiner Therapie lag die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis bei einer Einnahmedauer zwischen 91 und 180 Tagen um 5 % höher, bei mehr als 364 Tagen um 10 %. Das kardiovaskuläre Risiko stieg zudem mit der Anzahl der verordneten Antibiotikaklassen, wobei sich keine klassenspezifische Assoziation feststellen ließ.
Verändertes Mikrobiomkönnte eine Rolle spielen
Die Forschenden betonen, dass diese Ergebnisse keine kausalen Schlüsse zulassen. Sie vermuten jedoch, dass Veränderungen des Darmmikrobioms durch den Langzeitgebrauch von Antibiotika pathophysiologisch eine Rolle spielen. Eine Dysbiose kann u. a. zu inflammationsbedingten Abweichungen im Lipid- und Glukosestoffwechsel führen.
Park SJ et al. J Am Heart Assoc 2025; 14: e035888; doi: 10.1161/JAHA.124.035888